Zoax - Is Everybody Listening?

Review

Freudige Erwartung. Nervosität. Hoffnung. Angst. Gemütszustände, die jedem passionierten Musikliebhaber im Vorfeld einer von ihm antizipierten Veröffentlichung bestens bekannt sein dürften. Dem „idealen Musikjournalisten“ sind solche Wallungen hingegen fremd – entweder, er hat sie nie gefühlt oder aber, er hat sie sich abtrainiert. Denn er will jede Platte frei von jeglicher Voreingenommenheit hören und bewerten.

Am Arsch! Natürlich gibt es diesen Idealtypus des Rezensenten nicht – und jeder, der sich als einen solchen bezeichnet, ist ein Lügner. Denn ausnahmslos jeder hat vor dem Hören eine konkrete Haltung zu einer Platte – er will es vielleicht nur nicht wahrhaben. Manchmal ist es nur das Cover oder ein kurzer Blick auf die Tracklist, in heutigen Zeiten aber wohl vor allem der Konsum vorab veröffentlichter Studio-Snippets oder Singles, der gewisse Erwartungen generiert. „Gar nichts“ zu erwarten ist dabei übrigens auch eine Erwartungshaltung.

Letzteres geschehen im Fall der britischen Jungspunde ZOAX und ihrer zweiten EP „Is Everybody Listening?“. Stimmungsbild vor dem Erstkontakt: „Truppe aus London, zweite Platte, irgendwas mit Modern Metal. Schau’n wer mal, wird schon nicht so schlimm sein.“ Dann: dezent angeswingtes, elektronisch gefärbtes Intro. Gedanken: passabler Sänger, schöne Atmosphäre, zielsicher-minimalistisches Drumming, kurze, intensive Gesangseruption zum Schluss. Ziemlich spannend. Dass die Briten anschließend mit „Lonely Souls“ aber einen derartigen Kracher servieren, kam tatsächlich – um den Bogen zum einleitenden Geschwafel zu spannen – unverhofft und unerwartet: Ruppiges, einschneidendes Riffing, dargeboten mit großer Emotion und Leidenschaft und immer wieder unterbrochen von sanften Cleangitarren, dazu der variable Gesang des Fronters Adam Carroll, der mal herrlich rau brüllt, mal mit sonorer Kopfstimme säuselt, formen im Opener letztlich eine eingängig-eigenwillige Mixtur von besonderer Anziehungskraft. Und das war nur der Anfang.

Denn irgendwo im Schnittfeld der ARCHITECTS, WHILE SHE SLEEPS und insbesondere der famosen DOYLE AIRENCE agierend haben die Londoner Jungspunde eine Handvoll eindringlicher Schmuckstückchen geschaffen, die das Niveau genannter Referenzen mühelos erreichen. Ob das großartige „Click“, das mit massigem Groove und epischem Schlusspart aufwartet, das zäh schiebende, ausufernd emotionale „Right Words“ oder das treibende „Zero Point Seven“ – ZOAX bieten Freunden emotional-moderner Klänge diverse Hochkaräter mit Suchtpotenzial.

Nicht minder beeindruckend ist der Sound der Scheibe: Kernig und mit viel Attack ausgestattet tönt „Is Everybody Listening?“ aus den Membranen, vor allem die Gitarren klingen wunderbar hallig und markant. „Das sind doch keine EMGs in den Klampfen, sachma!“ Und tatsächlich: ZOAX marschieren mit Strats und Telecastern auf die Bühne – und holen dennoch den Putz von den Wänden. Echt stark.

Da das letzte Drittel der Platte („Right Words“, „Innocent Eyes“) insgesamt etwas zu konform daherkommt, die EP mit ihren übersichtlichen 20 Minuten Spielzeit allerdings dramaturgisch ohnehin nicht in Full-Length-Dimensionen vordringen kann, gibt es für „Is Everybody Listening?“ am Ende „nur“ acht Punkte. Und wenn die Briten den starken Eindruck demnächst auf Albumdistanz bestätigen, wird der Name ZOAX schon bald in einem Atemzug mit Bands wie BRING ME THE HORIZON, ARCHITECTS und DEVIL SOLD HIS SOUL genannt werden. Bis es so weit ist: Freudige Erwartung. Nervosität. Hoffnung. Angst.

Mist, hier tut was nicht.Whoops! Hier sollte eigentlich ein Video- oder Audio-embed erscheinen. ...
02.04.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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