Finntroll
Listening Session zum neuen Album "Blodsvept"

Special

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Am Anfang des Jahres ist die Welt noch in Ordnung – oder sie ist es wieder.

Für das Humppa-Folk-Metal-Kommando FINNTROLL scheint eher letzteres zuzutreffen. Als sich Anfang Januar eine kleine Zahl von Journalisten im Hauptquartier von Century Media einfindet, ahnt von ihnen noch niemand, welche kleineren oder größeren Dramen sich während der Aufnahmen zum neuen, mittlerweile sechsten Werk der Finnen abgespielt haben.

Samuli Ponsimaa aka Skrymer, Gitarrist und Visual Artist in der Band und zu diesem Event extra nach Dortmund angereist, klärt uns auf: Während der Aufnahmen zu „Blodsvept“ waren durch einen Bedienungsfehler die bislang aufgenommenen Gitarrenspuren im Nirwana gelandet und mussten neu eingespielt werden. Vierzig Stunden Arbeit einfach futsch. „Aber niemand war angepisst“, sagt er, „es gab deswegen untereinander keinen Stress.“ Einzig Henri „Trollhorn“ Sorvali, Keyboarder, Mastermind und Aufnahmeleiter in Personalunion, war kurzzeitig einer Bluttat im Affekt bedrohlich nahe, wenn man den Aufzeichnungen in seinem Studioblog Glauben schenken mag. Aber heulen gilt nicht, diskutieren auch nicht. Wegen der begrenzten Studiozeit muss die Arbeit von vier Tagen eben in zwei Tagen erledigt werden.

Der Rest ist Geschichte. Alles hat irgendwie dann doch noch hingehauen. Vielleicht sogar besser, wer weiß? Und wir können uns das Album im fast fertigen Zustand (einzig das Mastering fehlt noch) vorab anhören.

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Los geht der Durchlauf mit dem Titeltrack „Blodsvept“: Ein stampfender Uptempo-Rhythmus, abgehacktes Riffing, dazu gehetzte Vocals. Das Stück ist düster und schwer und trotz seiner eher dezenten Melodieführung sehr eingängig.

Etwas fröhlicher geht es mit dem flotten „Ett Folk Förbannat“ weiter. Die Keyboards nehmen gerade in der Melodieführung einen größeren Raum ein. Auf den Zuhörerrängen taut derweil Mr. Ponsimaa immer weiter auf und macht beschwörende Bewegungen im Takt.

Was passt besser zu marschierenden Riesen als ein stampfender Rhythmus?! „När Jättar Marschera“ legt sich aber nicht auf ein Tempo fest und endet sogar ziemlich beschwingt. Disco feeling!

„Mordminnen“ überrascht mit einem swingenden Beginn, wenn nämlich eine echte Bläsersektion zu einem Heavy-Shuffle spielt und dem Stück ein veritables Bigband-Humppa-Feeling verleiht. Der Arbeitstitel „Marilyn“ sagt da alles.

Bei „Rösets Kung“ darf ebenfalls der Hinweis auf den Arbeitstitel nicht fehlen: „Piraatti“. Ist das eine Antwort auf „Hunting Pirates“ von TURISAS oder gleich ALESTORM und Konsorten? So einfach ist es dann doch nicht, denn irgendwann geht der Track in einen Dixie-Part über. Wundervoll: Mathias‘ röhrende Stimme am Ende.

Das folkige „Skövlarens Död“ beginnt langsam dräuend, wendet sich aber nach zwei Minuten schwarzmetallischeren Gefilden zu. Samuli klöppelt derweil im Takt auf den Tisch und bekennt: „That’s my favourite“. Vielleicht auch wegen des netten SLAYER-Solos.

Bei „Skogsdotter“ wird sicherlich am traditionellsten gerifft, aber nicht einfach nur so: Speedmetallische Parts wechseln mit osteuropäischer Wehmut, und das Banjo findet ebenso seinen Platz im Song. Nicht zu vergessen ein heroisches Keyboardthema und Bläser.

Die sind auch bei „Häxbrygd“ wieder mit dabei. Ist der Song Trve Finnish Balkan Metal? Skrymer sagt: „Terminator!“ Trollhorn sagt: „Türkischer SciFi-Film aus den Sechzigern.“

Da ist der Humppa wieder: „Två Ormar“ präsentiert sich im beschwingten Zweivierteltakt mit schweren Gitarren und Shuffle-Rhythmus. Liebenswert ist der trollhafte Gesang von Frontmann Vreth.

„Fanskapsfylld“ ist in seinem Humpparhythmus reichlich flott und bringt ein nettes Selbstzitat. „Ahhhhhh!!!“

Was passt gut ans Ende des Albums? Richtig, ein episch-schwerer Track, und auch hier haben FINNTROLL die passende Antwort: „Midvinterdraken“. Eindimensional? Nicht doch: Anfangs gibt es dezente Grieg-Anleihen, irgendwann gibt es ein schwarzmetallisches Break mit flirrenden Gitarren, bevor der Track beinahe unmerklich ins Heroische abdriftet.

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Womit wir beim Faktencheck angelangt wären:

Worum gehts? Trolle, Riesen, Hexengebräu, Unterwelt, Blut, Tod. Also um das typisch-lustige Themenarsenal der Finnen. Und es geht um eine Tochter des Waldes. Aber Achtung: Trotz schwedischer Texte ist hier keine ‚Schwedenfilm-Thematik‘ zu erwarten.

Was ist anders? FINNTROLL machen jetzt einen auf Bigband. Und Helsinki liegt bei New Orleans. Ansonsten: Alles und nüscht.

Wird trotzdem ordentlich gehobelt? Bis die Eisen glühen. Und im Forst herrscht akute Kahlschlaggefahr.

Abzüge in der B-Note? Hach! Es gibt immer noch keine Fortsetzung von „Bastuvisan“, „Kyrkovisan“ und „Marknadsvisan“.

Das Coverartwork? Schick. Sieht ein bisschen wie alte BOLT THROWER in gediegen aus. Kann ja so verkehrt nicht sein.

Siehe da: Die Welt ist wieder in Ordnung. Spätestens am 22.03.13, wenn „Blodsvept“ in verschieden Formaten via Century Media Records in die Läden kommt.

Galerie mit 14 Bildern: Finntroll - Rockharz 2018
20.02.2013

- Dreaming in Red -

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