Finntroll - Visor Om Slutet

Review

Galerie mit 22 Bildern: Finntroll - Vredesvävd European Tour Autumn 2022 in Stuttgart

Bevor man sich diese CD das erste Mal zu Gemüte führt, sollten einem drei Dinge klar sein: Erstens handelt es sich hierbei um eine Akustik-MCD, zweitens ist dies nicht der reguläre Nachfolger von Jaktens Tid und drittens kann man die ersten beiden Finntroll-Scheiben nicht mit „Visor Om Slutet“ vergleichen. Wenn man diese drei einfachen Punkte beherzigt, wird man feststellen, welch Potential diese Platte hat. Die Platte ist also eine Akustik-MCD, d.h. dass es keine fetten Riffs, sägende Gitarren oder Black-Metal-Vocals gibt. Vielmehr haben es Finntroll geschafft, eine ganz eigene und faszinierende Musik zu kreieren, die noch nie zuvor da gewesen ist. Das trollische Gefühl, welches schon auf Jaktens Tid und Midnattens Widunder zu spüren war, ist hier noch ausgeprägter, wenngleich auf eine ganz andere Art. Die meistens ruhigen und sehr besinnlichen Tracks versprühen einen solchen Charme und jeder birgt neue Songstrukturen und Töne in sich, dass man immer etwas Neues entdeckt. Die Platte ist wahrhaftig ein Abenteuer und man fühlt sich wie auf einer Reise in einem unerklärlichen, aber sehr schönen Land. Das Intro „Suohengen Sija“ steigt genau so ein, denn das geheimnisvolle Zwitschern der Vögel und die mysteriöse Melodie bewirken ein etwas flaues Gefühl im Magen. Wenig später kommt aber auch schon dieses unsagbare trollische Gefühl auf, denn mit „Asfågelns Död“ und „Försvinn Du Som Lyser“ stehen die ersten richtigen Songs am Start, die eindruckvoll zeigen, welche Instrumenten-Vielfalt auf diesem Album zum Einsatz kommen. Neben Maultrommeln, verschiedenen Gitarren, Flöten, Hörnern, Bongos etc. etc. wird natürlich auch das Stimmorgan sehr variabel eingesetzt. Dazu trug u.a. auch der neue Sänger Wilska bei, der Gründungsmitglied Katla nach dessen Krankheit ersetzen musste. Der Besetzungswechsel ist glücklicherweise glatt gelaufen, denn Wilska kann den Songs genau das Gefühl einhauchen, was sie benötigen. Sicherlich hätte Katla dieses genauso gut gekonnt, aber mit Wilska haben sie einen fähigen Mann an Bord. Die meisten Songs sind jedoch instrumental, wie auch das stimmige „Veripuu“, welches neben dem Intro und dem später kommenden „Madon Laulu“ erstmalig auch finnische Titel hat. Eines meiner Favoriten ist das nun folgende „Under Varje Rot Och Sten“, welches alle Stärken von Finntroll vereint. 100% Troll, 100% Melodie und 100% Gefühl. Da wird einem wirklich warm ums Herz und man muss bei dieser doch recht fröhlichen Melodie einfach mitschunkeln, mitwippen oder mitsummen. Das ist Finntroll pur! Mit „När Allt Blir Is“ kommt nun ein atmosphärisches Mittelstück, welches mit der guten Laune etwas runterfährt und eher das geheimnisvolle in den Vordergrund stellt. „Den Sista Runans Dans“ ist wieder ein Song, in dem Sänger Wilska seine schwedischen Lyrics mit einem drolligen finnischen Akzent vorträgt. Mit Maultrommeln und ausgefeilten Melodien ist dies ein etwas nachdenklicher Song, der sehr ruhig stimmt. Neben „Rov“, indem gemeine Trolle wahrscheinlich zartes Menschenfleisch verdrücken, geht es dann über zu dem schon erwähnten vierminütigen „Madon Laulu“. Neben vorantreibenden Trommeln ist einiges an Gemurmel und Gebrumme zu hören, welches sehr bedrohlich und wiedermal ziemlich geheimnisvoll wirkt. Man weiß nicht, welche Szene sich da abspielt, sie verheißt aber wahrhaft nichts Gutes. Dieses haben die Finnen sehr schön umgesetzt und brillieren wieder sehr schön im Zusammenspiel von Instrumente und Stimme. Bevor das Outro „Avgrunden Öppnas“ das Ende einläutet kommt es mit „Svart Djup“ zum härtesten Track dieses Albums. Wobei „Härte“ eigentlich nicht passt, da es trotzdem ruhig und symphonisch ausgefallen ist. Spätestens jetzt muss man unweigerlich feststellen, dass man „Visor Om Slutet“ tatsächlich nicht mit den Vorgängerscheiben vergleichen kann. Die gebotene Musik ist gänzlich anders und genau das war ja auch beabsichtigt. Vielleicht hat man etwas anderes von Finntroll erwartet. Auch ich musste mich mit dieser Platte erst anfreunden, aber plötzlich ist es wieder da, dieses typische Finntroll-Gefühl. Garantiert ist dieses Album aber viel mehr wert, als nur ein Lückenfüller zwischen zwei Alben. Es ist anders, aber beeindruckend und ich denke, dass jeder Finntroll-Fan diese MCD mögen wird, wobei sich da die Geschmäcker sicherlich streiten werden. Kurz nach Fertigstellung des Albums kam Gitarrist Somnium ums Leben, der auf dieser Platte wirklich sehr gute Arbeit geleistet hat. Man wird also sehen, wie die nächste Full-Length aussehen wird. Bis dahin hat man aber mit „Visor Om Slutet“ eine grandiose Unterhaltung.

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06.05.2003
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