Finntroll - Blodsvept

Review

Galerie mit 4 Bildern: Finntroll - Rockharz 2018

Selbst Innovatoren stehen nach einiger Zeit vor der Herausforderung, den eigenen Sound weiterzuentwickeln, wenn nicht gar neu zu erfinden. Schließlich gilt es, nicht zum Plagiat des eigenen Wirkens zu verkommen sowie alte Fans zu halten und gleichzeitig neue hinzuzugewinnen. Für FINNTROLL stellt sich diese Frage nicht erst jetzt nach fünfeinhalb Alben: Bereits mit dem 2006er Werk „Ur Jordens Djup“ hatte die mittlerweile zum Septett angewachsene Formation mit Ausflügen in soundtrackartige Epik entgegengesteuert. Das folgende Album „Nifelvind“ wiederum setzte auf die Macht der einzelnen Songs und fuhr damit gut. Und jetzt?

Offensichtlich haben sich die Finnen mit dieser Problematik auseinandergesetzt, sind aber nicht verkrampft an die Sache herangegangen – zumindest klingt das neue Werk „Blodsvept“ weder verbissen anders noch wie ein lauer Aufguss der eigenen Taten. Trotzdem gibt es natürlich Unterschiede zu den vorangegangenen Alben: Das überraschend direkte Cover im Hinterkopf, beginnt „Blodsvept“ reichlich düster. Beim eröffnenden Titeltrack läuft die Melodieführung eher im Hintergrund ab, wenngleich der Track natürlich wie von FINNTROLL gewohnt eingängig ist. Auch bei „Ett Folk Förbannat“ und „När Jättar Marscherar“ nehmen die Gitarren einen erfreulich wichtigen Part ein. In die entgegengesetzte Richtung gehen hingegen die nächsten Tracks: „Mordminnen“ verströmt wegen der eingesetzten Bläsersektion eher ein Bigband-Humppa-Feeling, und wenn man sich bei „Rösets Kung“ gefühlt plötzlich inmitten von New Orleans wiederfindet, sollte einen auch das nicht überraschen.

Folkige Parts wechseln sich mit Black-Metal-Passagen ab, Speedmetal mit osteuropäischer Wehmut, und wenn die Gitarristen Banjos in die Hand nehmen, darf ruhig das Wort Bluegrass in den Mund genommen werden („Skogsdotter“). Dass der Abschlussdreiklang mit „Två Ormar“, „Fanskapsfylld“ und „Midvinterdraken“ für FINNTROLL-Verhältnisse vergleichsweise traditionell ausgefallen ist, bedeutet übrigens nicht, dass dies langweilig wäre: Gerade letzterer Track verbindet geschickt klassische Anleihen, heroische Epik und schwarzmetallisches Flirren.

Wenn FINNTROLL also auf „Blodsvept“ neue Einflüsse integrieren (und das tun sie zweifellos) dann geschieht das so geschickt, dass man dies als Hörer als das Normalste überhaupt ansieht: Hatten die Finnen dies oder oder jenes nicht schon auf ihrem letzten Album… – nein, hatten sie nicht. Natürlich erfinden sich FINNTROLL keineswegs neu, und alles spielt sich in einem gewissen Rahmen ab. Aber eben so, dass man „Blodsvept“ ohne zu zögern seinen eigenen Charakter zugestehen wird. Und dass sich mit „Häxbrygd“ und „Fanskapsfylld“ zwei Tracks eingeschlichen haben, die qualitativ etwas abfallen, tut der Güte des Albums keinen Abbruch: Mit „Blodsvept“ müssen sich FINNTROLL wahrlich vor nichts und niemand verstecken. Hat aber auch niemand ernsthaft erwartet, oder?!

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15.03.2013

- Dreaming in Red -

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1 Kommentar zu Finntroll - Blodsvept

  1. Arvid sagt:

    Blodsvept ist ein hammergeiles Album!
    Es macht einfach nur Spaß es Anzuhören!

    9/10