DANKO JONES: Dreißig Jahre Rock’n’Roll und kein Grund aufzuhören

Special

DANKO JONES war für fünf Jahre geplant. Drei Jahrzehnte später veröffentlicht die Band weiterhin Platten, spielt in Clubs und auf Festivals auf mehreren Kontinenten und denkt inzwischen wieder in überschaubaren Zeiträumen: noch einmal fünf Jahre, noch mehr Alben, noch mehr Touren. Dahinter steckt weniger Rock’n’Roll-Mythos, als man vermuten könnte. Im Gespräch beim ROCKHARZ wird deutlich, dass Beständigkeit für Danko Jones vor allem aus Beharrlichkeit, Bodenhaftung und der Fähigkeit besteht, mit anderen Menschen auszukommen.

Dass seine Band überhaupt 30 Jahre übersteht, war bei ihrer Gründung kein realistisches Szenario. Danko Jones und Bassist John Calabrese kamen aus einer Szene, in der Bands entstanden, verschwanden und sich in neuen Konstellationen wiederfanden. Heute ist von den Gruppen, mit denen sie damals spielten, kaum noch eine übrig. DANKO JONES dagegen ist immer noch da.

DANKO JONES: Überleben lernt man hinter der Bühne

Die entscheidenden Lektionen kamen offenbar selten von den großen Bühnen. DANKO JONES tourte mit GUNS N’ ROSES, den ROLLING STONES und anderen, bei denen sich eine Karriere rückblickend leicht in vermeintliche Schlüsselmomente zerlegen ließe. Danko erzählt das anders. Prägend war weniger der Blick auf Zehntausende Menschen als vielmehr das, was davor und danach geschah: Wie organisiert man eine Tour? Wie behandelt man die Crew, die Veranstalter und die eigene Band? Wie bleibt man handlungsfähig, wenn Geld, Schlaf und Rückzugsmöglichkeiten knapp werden?

Eine seiner frühen Tourerinnerungen führt nach San Francisco. Tausende Kilometer von zu Hause entfernt hatte er noch fünf Dollar in der Tasche und kaufte sich davon eine Banane, weil er Hunger hatte. Das ist die weniger glamouröse Seite einer Karriere, die heute selbstverständlich wirken kann. Vor allem zeigt sie, warum Jones Ausdauer nicht von Größenwahn trennt, sondern von Bodenhaftung.

Wer nicht lernt, unter Druck miteinander auszukommen, wird als Band kaum lange bestehen, sagt er. Punk habe ihm dabei einen brauchbaren Kompass mitgegeben: eine Kultur, die sich selbst kontrolliere und sich im besten Fall bescheiden halte. Aufmerksamkeit allein ist noch keine Infrastruktur für eine Karriere.

Verbindung ist wichtiger als Größe

Diese Haltung reicht bis auf die Bühne. DANKO JONES besitzen den Ruf einer ausgesprochen verlässlichen Liveband, doch Jones misst einen guten Abend erstaunlich wenig an dessen Größe. Zu seinen liebsten Konzerten gehören Shows vor vielleicht 40 Menschen – wenn diese 40 mehrere Stunden gefahren sind und den Raum entsprechend aufladen.

Das eine Konzert lässt sich für ihn ohnehin nur begrenzt realisieren. Man kann dieselben Songs spielen, dieselben Abläufe beherrschen und trotzdem erleben, dass ein Abend plötzlich besser funktioniert als der vorherige. Publikum, Raum und die eigene Verfassung greifen ineinander.

Anpassen will er die Band dafür nicht. Wenn ein Festivalpublikum DANKO JONES annimmt, funktioniert es. Wenn nicht, wird daraus keine andere Band. Gerade auf Metal-Festivals kennt Danko seine Position dabei ziemlich gut: Zwischen Blastbeats und ausladender Härte kann der schnörkellose Rock’n’Roll plötzlich wie eine Entlastung wirken.

Diese Unaufgeregtheit prägt auch seinen Blick auf die immer feinere Genresortierung im Metal. Jones stammt aus einer Zeit, in der selbst Rock und Metal schon kulturelle Reizwörter waren. Heute zerfallen Subgenres erneut in Subgenres. Für ihn ist das vor allem ein Organisationsdrang, über den er sich mit dem Hinweis auf mögliche Karrierechancen bei IKEA lustig macht.

Der Witz verdeckt einen interessanten Gedanken: Wo Musik jederzeit verfügbar ist, verändert sich ihr Wert. Jones erinnert sich daran, wie selten harte Musik im Fernsehen oder im Radio zu hören war und wie viel Gewicht einzelne Begegnungen dadurch erhielten. Heute ist fast alles sofort auffindbar. Die Suche fällt weg – und mit ihr womöglich ein Teil der Dringlichkeit.

DANKO JONES: Rock braucht mehr als gute Songs

Dass DANKO JONES insbesondere in Europa eine belastbare Karriere aufgebaut hat, erklärt Danko deshalb auch nicht mit irgendeiner besonderen europäischen Rockseele. Europa bietet schlicht mehr Möglichkeiten. Deutschland allein hat mehr relevante Spielorte als Kanada; daneben liegen Schweden, Finnland, Spanien, Italien, Belgien und die Niederlande. Aus einem Markt werden viele. In Nordamerika entscheidet dagegen stärker, wie viel Geld hinter einer Band und ihrem Marketing steht.

Genau hier wird das Gespräch über eine einzelne Rockband hinaus interessant. Danko verweist auf kanadische Förderprogramme, die Künstler:innen internationale Arbeit ermöglichen. DANKO JONES gehört für ihn selbst zu deren Erfolgsgeschichten. Förderung soll keine dauerhafte Versorgung ersetzen, wohl aber ermöglichen, dass Bands überhaupt weit genug kommen, um eigene Strukturen aufzubauen.

Sein stärkstes Argument dafür ist denkbar schlicht: Während der Pandemie saßen Menschen zu Hause und konsumierten Musik, Filme und Serien. Kunst wird gerne als verzichtbarer Luxus behandelt – bis deutlich wird, wie selbstverständlich sie zum Alltag gehört.

Noch fünf Jahre. Mindestens.

Vielleicht funktioniert DANKO JONES deshalb seit 30 Jahren, weil die Band aus ihrem Fortbestehen keine große Erzählung macht. Die Bühne bleibt wichtig, aber sie ist nur ein Teil des Berufs. Dazu gehören lange Tage, Marktbedingungen, kleine Räume, große Festivals und die Fähigkeit, immer wieder mit denselben Menschen in einen Bus zu steigen.

Auch der Blick nach vorn bleibt entsprechend pragmatisch. Jones plant inzwischen keine nächsten 30 Jahre. Fünf reichen. „Five years we’re still putting out records. We’re not stopping.“

Rock steht gerade weniger im Zentrum des Mainstreams. Doch für DANKO JONES ändert das wenig. Sie haben schließlich schon längst bewiesen, dass eine Band auch dann weiter existieren kann, wenn der jeweilige Zeitgeist etwas anderes interessanter findet. Entscheidend ist, noch da zu sein, wenn er sich wieder dreht.

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Galerie mit 22 Bildern: Danko Jones - Rockharz Open Air 2026
Quelle: Interview Danko Jones Rockharz 2026
30.09.2026

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