Spiritus Mortis - The Year Is One

Review

“The Year Is One” von SPIRITUS MORTIS bringt im Prinzip alles mit, um den Puls des Doomkopfes vom Fach ekstatisch zu drosseln: vorne drauf ein Gemälde von Caspar David Friedrich, auf diesem noch ein Aufkleber mit dem Hinweis auf Albert Witchfinder (ehedem selbstredend REVEREND BIZARRE), auf der Rückseite Songtitel zwischen Ectoplasm, Funeral, Babalon, Cemetery und Black Magic und innen drin gleich mal ein Monsterriff zum Einstieg. Die finsteren Finnen wissen, was sich gehört.

SPIRITUS MORTIS ziehen das Ding klassisch durch

Und sie ziehen das durch: “The Year Is One” sieht als Gesamtwerk dankenswerter Weise von Absurdem wie – Allmächtiger! – Tempoverschärfungen, “psychedelischen Jam-Parts”, “subtil eingeflochtenen MAIDEN-Twin-Gitarren” oder gar einem “atmosphärischen Ausflug in gotische Gefilde” ab. SPIRITUS MORTIS stellen die verzerrte Gitarre erneut über die gesamte Spielzeit demonstrativ in den Mittelpunkt, geben ihren voluminösen Akkordfolgen stets genug Raum zum Atmen und veredeln sie nur mit dezenten Melodietupfern in Moll und punktuell der guten alten Friedhofsorgel (“Holiday In The Cemetery”, “World Of No No Light”). Abgerundet wird dieser ebenso klassische wie bewährte Ansatz vom pathetischen Gesang Sami Hynninen bzw. Herrn Witchfinders, der diesmal komplett von jeder Form des Geschreis absieht. Künden tut er als Hexenmeister vom Dienst von diversen unheiligen Arrangements, die sich beim hingebungsvollen Worshippen der Riffgewalt (richtig geil: die zweite Hälfte des letzten Stückes “World Of No Light”) schlagwortartig durch des Hörers Unschuld fressen. Gehüllt in eine Robe aus Ektoplasma kann man sich so routiniert zum Beispiel der Nekrophilie hingeben, aber das meditative Ganzkörper-Banging ebenso passgenau durch ein Rendezvous with Satan oder den Sorcerers of Sarnath krönen. Okay, bisschen gothic, allerdings im eigentlichen Sinne, ist das dann schon. Und damit eigentlich auch sehr schön.

Robe aus Ektoplasma? Klaro. Klassiker-Krone? Nun ja…

Und ja: Mit “The Year Is One” bieten SPIRITUS MORTIS, Songs schreiben können sie ohnedies, alles in allem schon ein ordentliches Pfund und zweifelsfreie gute Unterhaltung. Aber trotz bzw. gerade wegen der lobend hervorgehobenen Schlüsselworte aus dem Großbereich Geisterbahn fehlt dem Album letztlich doch die Klassiker-Krone. Das ehrwürdige, das edle Genre des Doom reklamiert ja nun einmal für sich, die traurigen Herzen und Seelen der aufrechten Eingeweihten zu berühren, im besten Falle erhebend bis kathartisch zu wirken. Der Spuk von SPIRITUS MORTIS hingegen ist, tja, Entertainment: So cool die Lyrics im Prinzip auch sind, ich trete bestimmt auch keinem Cthulhu-Freund auf die Füße – das können die schlicht nicht (ganz) ernst meinen, da zuckt der Mundwinkel schon mal der Schwerkraft trotzend in die falsche Richtung.
Die existenzielle Dringlichkeit des erwachsenen SAINT VITUS oder, melancholischer ausgerichtet, die von WARNING resp. 40 WATT SUN geht SPIRITUS MORTIS ab. Und die epische Unangreifbarkeit der (früheren) CANDLEMASS mit ihren Geschichten zwischen Himmel und Hölle besitzen die grimmen Finnen ebensowenig. “The Year Is One” ist von der Attitüde her eher mit einer bärtigen Ab-18-Version der MISFITS vergleichbar: Gruselgeschichten mit Erwachsenen-Inhalten – aber halt immer noch Gruselgeschichten. “Holiday In The Cemetery”… Hui! (Buh.)

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04.11.2016

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