Spiritus Mortis - The God Behind The God

Review

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Vom letzten Abum „Fallen“ hatte ich SPIRITUS MORTIS zwar als gute, nichtsdestotrotz jedoch unspektakuläre Doom Metal-Band in Erinnerung. „The God Behind The God“ straft diese Einschätzung Lügen und hat gleich mehrere Superlative aufzubieten.

Die erste Sensation ist nach einer erneuten Umdrehung des Sängerkarussels die Verpflichtung von Sami Hynninen als neuer Frontmann. Bekannt geworden ist dieser unter dem Pseudonym Sir Albert Witchfinder bei einer der besten Doom-Bands aller Zeiten: REVEREND BIZARRE.

Ob diese personelle Neu-Orientierung die Band beflügelt hat oder einfach die Muse mit mehr Küssen um sich geschmissen hat, ist nicht überliefert. Dennoch ist alles auf „The God Behind The God“ besser als auf dem Vorgänger. Die Gitarrenarbeit ist gespickt mit tollen Ideen, interessanten Riffs, zum sterben schönen Melodien. Die Dynamik ist unbeschreiblich, die Band wechselt leichtfüßig von schnell nach langsam und wieder zurück. Selbst einen ungewohnten Opener wie ‚The Man Of Steel’ mit seiner treibenden Doublebass und dem CANDELMASS-artigen Riffing empfindet man nicht als störend, sondern vielmehr als Bereicherung des Gefühlsspektrums.

Bereits das zweite Stück ‚Death Bride’ greift danach typische Doom-Trademarks auf, ist schwer, mitreißend, traurig. Im Mittelteil wird die Spannung herausgenommen, ein leiser Akustikpart bereitet auf die dramaturgische Steigerung gegen Ende vor. Hier wird das Tempo angezogen, der Gesang regerecht manisch zelebriert. Im weiteren Verlauf des Albums wird die Band immer klassischer, ‚Curved Horizon’ basiert auf einem schleppenden SAINT VITUS-/PENTAGRAM-Riff, das – wen wundert’s – auch gut auf ein REVEREND BIZARRE-Album gepasst hätte. In eine ähnliche Kerbe schlägt ‚When The Wind Howled’, dessen klare Gesangslinien sich direkt im Kleinhirn festhaken. ‚Heavy Drinker’ – obwohl von der Thematik her auch gut mit den Italienern DOOMRAISER assoziierbar – könnte kaum besser zu einer finnischen Band passen, obwohl das Teil von der Gitarrenarbeit her auch einer Gruppe wie TROUBLE zur Ehre gereichen würde.

Das absolute Meisterwerk auf „The God Behind The God“ steht jedoch in Form des Titelsongs an vorletzter Stelle. Mit beinahe zwölf Minuten von epischer Länge, ist dieser Song derart heavy, dass es beinahe schon körperlich schmerzt. Die ganze bedrückende Schwere, die vollendete Melancholie des Doom, ja beinahe die gesamte Traurigkeit der Erde, stürzt hier auf den Hörer hernieder und begräbt ihn unter kaum zu bezwingendem Gram. Gleichzeitig strahlt das Stück eine gewisse Bedrohlichkeit aus, als würde dieses Gefühl niemals enden, für die Welt nicht die leiseste Hoffnung mehr bestehen. Nach Doom-Maßstäben mehr als wunderbar.

Mit dem etwas rockigeren und erneut CANDLEMASS-lastigen ‚Perpetual Motion’ findet das Album einen einigermaßen versöhnlichen Ausgang. Niemals hätte ich SPIRITUS MORTIS ein derart beeindruckendes Werk zugetraut, niemals hätte ich – und vermutlich auch einige andere – vermutet, dass diese Band einst einen derart großen Stellenwert im Doom einnehmen könnte. Es soll hier nicht unterstellt werden, lediglich Neusänger Sami trage die volle Verantwortung für diese Steigerung, dennoch prägt er die Stücke mit seinem einzigartigen Organ. Wie auch immer, mit SPIRITUS MORTIS muss ab sofort mehr denn je gerechnet werden.

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21.06.2009

Der metal.de Serviervorschlag

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