Primordial
Listening Session zu "To The Nameless Dead"

Special

Primordial


PRIMORDIAL sind ein Synonym für irischen Black Metal und Fluchtpunkt einer folkloristischen Alternative, die ohne aufgesetzten Glanz und Opulenz auskommt. Bereits mit ihren frühen Alben hat die Band karge, noch weitgehend unbesiedelte Gebiete betreten, die bis dato nur für wenige zugänglich waren. Kraft “The Gathering Wilderness” und dank Metal Blade, ist dieses reizvolle Terrain, das bislang nur von wagemutigen Hasardeuren heimgesucht worden ist, nun einer breiten Masse zugänglich. Der unverwechselbare Stil der Iren nahe einzigartiger Perfektion.

Es sollte immerhin zwei Jahre dauern, bis die Arbeiten zum Nachfolger abgeschlossen waren. Bereits Mitte September darf nun eine kleine metal.de-Gesandtschaft das neue Material auf sich wirken lassen und sich einen ersten Höreindruck verschaffen. Dazu wurde nach Salach, einem malerischen Örtchen im Herzen Schwabens, geladen, wo man sich in einem zwar weniger malerischen, dafür aber umso behaglicheren Proberaum zusammen findet, ausgestattet mit allem, was dem menschlichen Wohlergehen dienlich ist. Alan A. Nemtheanga erscheint sichtlich gut gelaunt, die Lasten der letzten Wochen – an den letzten Feinheiten wurde tags zuvor beim Mastering in den Hofa Studios gefeilt – sind ihm von den breiten Schultern genommen. Doch wenden wir uns dem Grund für Alans gute Laune zu: “To The Nameless Dead”.

Mit „Empire Falls“ steht ein Stück am Anfang, das sämtliche Trademarks PRIMORDIALs bezeichnend vereint. All die Ingredienzien, die das bisherige Schaffen der Band auszeichnen, liegen hier noch einmal veredelt vor. Bereits nach wenigen Takten fällt auf, dass viel wert auf prägnante Leads gelegt wird, die den Song an Dynamik gewinnen lassen. Die Zugänglichkeit wird den Hörer aufmerken lassen und ist nicht nur für den Opener bezeichnend, sondern ebenso für die restlichen Songs. Es liegt kein erkenntnistheoretisches Gebilde vor und es muss auch nichts enträtselt werden, es lassen sich schon nach dem ersten Durchlauf Strukturen erfassen. “To The Nameless Dead” erlaubt ein Schwelgen, und gerade deshalb entwickeln die Songs einen eigentümlichen Sog ins Vertraute. Vor allem Nicht-PRIMORDIAL-Fans, oder jenen, die bislang noch keinen Zugang zu der Musik gefunden haben, dürfte dies entgegen kommen.

Primordial

Ein trockenes Bass-Intro eröffnet schleppend, legt Parallelen zu AGALLOCH frei, während martialische Rhythmen – in Brasilien würde man sie „tribal-artig“ nennen –, immer lauter werden und die Partitur für den Marsch zum Galgen liefern. „Gallows Hymn“ baut sich stetig auf, unterstützt von tragenden Gitarren und dieser warmen Stimme Nemtheangas, die uns eindrucksvoll vorführt, welche Gefühle sich auf dem letzten Gang zum Scharfrichter einstellen können. Rollende Double-Bass-Offerten, trotzdem langsam und melancholisch, beenden den Song mit einer einfachen Melodie, die man nicht so schnell aus dem Kopf bekommt. Andächtig sitzt man vor den Lautsprechern und beobachtet, wie sie im drohenden Sturm des Todes Schwerstarbeit leisten; man möchte ihn laut hören, die einzelnen Galgenschläge am eigenen Körper spüren.

Sklaventreiberhafte Rhythmen dominieren auch „As Rome Burns“, welches zwischen der auf “Storm Before Calm” entfesselten Leidenschaft und der Epik von “The Gathering Wilderness” alterniert. Im Mittelteil dringen lateinische Verse an die Oberfläche des aus irischer Folklore und harschen Gitarren gewobenen Klanggeflechts.

Packende Bissigkeit offerieren uns die schneidenden Gitarren und Alans charismatische Phrasierungen, die sich in der Melodieführung abwechseln. Erneut treten starke Leads hervor, das triolisch begleitende Schlagzeug erhebt sich mit Wucht und macht aus „Failures Burden“ einen Song, der einmal mehr als Visitenkarte PRIMORDIALs funktioniert. Metallische Leidenschaft strömt uns entgegen. Der zufriedene Frontman weiß das während der Listening Session mit beeindruckendem Air-Drumming zu unterstreichen. Mit einer immer wiederkehrenden Thematik klingt das Stück langsam aus.

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Hart angeschlagene Akustikgitarren, akzentuiert durch Percussions, bilden die zurückhaltende Szenerie für die narrativen Vocals, für eine irische Geschichte, die uns mit „Heathen Tribes“ geschildert wird. Nach und nach lodert der Song auf, mit einem wiederkehrenden, euphorisierenden Gitarrenpart. Ab der vierten Minute bricht der Song aus, entwickelt einen aufwühlenden und sehr einnehmenden Charakter.

„The Rising Tide“ ist ein kurzes akustisches Instrumental, das seine Kraft bereits im Titel trägt, und daran erinnert, dass die Flut nicht mehr weit ist. Während sie im Begriff ist, sich grollend aufzubauschen, wird gleichzeitig das Erstarken eines neuen Tages mit glasklaren Harmonien eingeläutet. Nahtlos schließt „Traitors Gate“ mit den ersten, schnellen Blastbeats an, die von Alan einmal mehr mit seinen imaginären Drums veranschaulicht werden. Dieser Song macht unmissverständlich deutlich, dass die zornige Passion des Black Metal nach wie vor ein fester Bestandteil der Musik PRIMORDIALs ist. Flirrende Gitarren surren vorbei, rasend und fackelnd, um dann abrupt in den nächsten Song überzuleiten.

Das finale „No Nation On This Earth“ bildet mit Abstand das intensivste Erlebnis des Albums. Hymnenhaft schwebend, steigert sich der knapp achtminütige Track dramatisch in die Höhe. Licht dringt ins Dunkel, für einige Momente wird die Szenerie in eine freundliche Illumination getaucht. Gemächlich nähert sich der Song mit einem hypnotischen Riffing dem Ende, um dann auszuklingen.

Galerie mit 13 Bildern: Primordial auf dem Summer Breeze Open Air 2016
17.10.2007

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