1Klassischer Heavy Metal ist so sexy wie schon lange nicht mehr und insbesondere als musikalische Einflusssphäre für erweiterte Spielarten absolut en vogue. Geht es aber um Speed Metal, so naturbelassen wie ihn Gottes Äquivalent schuf, dann sind die Mannheimer von CRUEL FORCE aktuell einer der wenigen Bastionen, die sich mit ihrem vierten Album „Haneda“ noch mehr seiner reinsten Form annähern und schwarzmetallische Zusätze aus der Vergangenheit weitgehend ebendieser angehören.
Mehr Klassik, weniger Dunkelheit
„So würde es wohl klingen, wenn DIO/RAINBOW Speed Metal gespielt hätten“, ist dabei eine ebenso gewagte wie interessante These, die seitens der Band angeteasert wird, die es aber durchaus wert ist, auf den Prüfstein gestellt zu werden. Gegenüber dem Vorgänger „Dawn Of The Axe“ machen CRUEL FORCE einen etwas aufgeräumteren Eindruck, ohne aber zu viel an Ruppigkeit einzubüßen. „Whips-A-Swinging“ hat etwa die typischen Gitarrenläufe und die Kokosnusstonleiter-Abfahrt an den Drums zu bieten, überrascht dann aber in der Mitte mit einem beinahe postigen Instrumentalpart.
„Savage Gods“ mit omnipräsentem Refrain und das anschließende „Sword Of Iron“ schlagen dann noch mehr die gewohnte Kerbe der Baden-Württemberger, das allerdings auf gewohnt hohem Niveau. Da erwischt man sich als Hörer selbst dabei, den Arrangements, hauptsächlich den Main-Riffs, eine merkliche Ähnlichkeit zu attestieren, und doch wird „Haneda“ in seiner Gesamtheit nicht unspannend.
Das Instrumental „Crystal Skulls“ und auch noch der folgende Titel „Warlords“ haben dann den klarsten orientalischen Charakter hinsichtlich Ambiente und Melodieführung, mit dem CRUEL FORCE auf ihrem Viertwerk ohnehin immer wieder etwas spielen. Das grande Finale hat sich das Quartett dann aber auch wirklich für den Schluss aufgehoben, denn „Titan’s Awakening“ gehört einfach zum Tafelsilber des gut gemachten CF-Arsenals und mit dem abschließenden Titeltrack hauen die Süddeutschen nochmal ein Stück mit Überlänge raus, das ebenfalls durchweg interessant bleibt.
Leichte Richtungskorrektur auf High-End-Level
Letztendlich gelingt es CRUEL FORCE auf „Haneda“ an der eigenen Schärfe zu arbeiten, ohne die Kerngeschmäcker des Gerichts zu vernachlässigen. Die immer wiederkehrenden Rifffolgen, auf die Gitarrist Teutonic Slaughter innerhalb eines Songs zurückfindet, der inzwischen doch etwas klassischere Gesang von Carnivore und die fast schon ikonisch klingenden Drums von GG Alex sind auch Teil des vierten Albums und bilden dessen Quintessenz. Die schmalen Richtungskorrekturen sind auf diesem High-Level ausreichend.

Cruel Force - Haneda
Patrick Olbrich



























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