Akercocke
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Interview

Alter Schw…, äh, Brite: AKERCOCKE lieferten 2005 mit "Words That Go Unspoken, Deeds That Go Undone" ein Highlight im Extrem-Metal-Bereich ab. Vor ihrem Gig in Berlin ergab sich die Gelegenheit, mit Jason Mendonca (g/v) und David Gray (d) über OPETH, Satanismus und den ganzen Rest zu sprechen. Davor bekam Jason (im DISMEMBER-Shirt, wenn ich mich nicht irre) übrigens noch eine selbstgebastelte AKERCOCKE-Actionfigur von einem Fan überreicht. Ein etwas anderer Auftakt für ein etwas anderes Interview…

AkercockeIhr habt ein neues Album draußen, aber keine Titten auf dem Cover. Warum?

David: Ja, gute Frage! Ich denke, da hätten Titten auf dem Cover sein sollen.

Jason: Es ist meine Schuld. Ich sagte, dass wir diesmal etwas anderes machen müssten und David war deswegen wirklich bestürzt.

David: Niemand außer mir in der Band wollte Titten auf dem Cover. Ich denke, da hätten überall Titten sein sollen, aber ich wurde überstimmt.

Jason: Er kam dann drüber weg, indem er welche gemalt hat.

Welche Worte und Taten sind noch unausgesprochen oder ungetan? Also warum der Albumtitel?

Jason: Warum das Album so heißt? Ich weiß nicht, warum denkst du, dass es so heißt?

Denkt ihr denn, dass es noch mehr zu sagen gibt?

Jason: Als Band?

Ja.

Jason: Haha, wir geben jetzt auf, wir haben alles gesagt, wir sind fertig! AKERCOCKE ist vorbei…

Einige Leute sagen, dass sich die Welt nur wiederholt, so dass es nichts wirklich Neues mehr gibt.

David: (zu Jason) Oh, würdest du dem zustimmen?

Jason: Nein, ich würde total widersprechen.

David: Die Leute sollten ihr Recht ausleben,…

Jason: … hassenswert zu sein…

David: … neue Dinge zu tun. Es gibt Millionen Dinge, die in der Musik und auch im Heavy Metal gesagt werden können, aber aus irgendeinem Grund ist niemand daran interessiert, das zu tun. Ich denke, es wird viel von den alten Sachen recycelt, aber ich weiß nicht warum.

Vielleicht kann man seine Platten einfacher verkaufen, wenn die Leute bereits wissen, was sie erwartet?

Jason: Ich weiß nicht, darüber denke ich nicht mal nach. Ich denke es hat hauptsächlich etwas mit künstlerischer Freiheit zu tun und Leuten, die diesen Vorteil nicht nutzen. So einfach.

Auf eurem neuen Album gibt es sehr viele verschiedene Teile und Stile, aber diese sind auch sehr harmonisch und passen zueinander. Was hat euch geholfen diesen Fortschritt beim Songwriting zu erreichen?

Jason: Das war immer ein natürlicher Prozess für uns. Die Entwicklung beim Songschreiben war nicht sehr linear und sagt wahrscheinlich mehr darüber aus, wer wir als Menschen sind, als sonst irgendwas. Es gab in der Vergangenheit eine Zeit, um sehr, sehr zerklüftete Musik mit vielen Wechseln, Geschmäckern, Ausdrucksweisen und Gefühlen zu machen. Diese Zeit gibt es für uns noch immer, aber die Platte ist nicht ganz so, weil wir denken, dass wir sonst langweilig werden würden. Es ist einfach eine Entwicklung.

Mögt ihr eigentlich OPETH?

David: Von OPETH habe ich einen Song selten gehört, weil es im Metal Hammer hieß: „Englands Antwort auf OPETH“ – was neu für mich war. Im Magazin gab es eine DVD mit Opeth, die ich mir angesehen habe, weil ich nicht wusste, was das bedeuten soll und ich denke es war in Ordnung.

Jason: Ich kenne nur einen Opeth-Song und der heißt „Face Of Melinda“ und war wirklich gut. Aber ich kenne sonst auch keines ihrer Alben.

Es ist also nicht so, dass ihr wie sie klingen wolltet?

Jason: Wir kannten sie ja nicht mal. Was sich inzwischen geändert haben dürfte, da AKERCOCKE Ende November in London für OPETH eröffneten.

Ihr habt einen neuen Gitarristen. Warum hat der alte die Band verlassen?

Jason: Er war wirklich ein Schwanz. (zu David) Sorry, kann ich das sagen? Weißt du, wir konnten nicht mehr wirklich mit ihm zusammenarbeiten.

Wie seid ihr in Kontakt zu Mat Wilcock gekommen? Er hat doch vorher bei THE BERZERKER aus Australien gespielt.

Jason: Er ist eigentlich Brite. (reicht das Aufnahmegerät an Mat, der die ganze Zeit in der Nähe sitzt)

Mat: Ich hatte durch das Label und gemeinsame Freunde in England gehört, dass sie einen neuen Gitarristen brauchten. Ich habe mir dann ein Paket mit dem alten Material angehört, wir haben telefoniert, ich bin rübergekommen und so hat das angefangen.

Habe ich das eigentlich richtig mitbekommen, dass ihr euer eigenes Studio habt?

Jason: Ja, Technik kostet nicht mehr soviel und Davids Eltern haben einen coolen Platz, den sie uns nutzen lassen. Wir arbeiten auch alle noch neben der Musik.

Besonders wenn ich Alben wie eures höre, frage ich immer wieder, wie man es schafft, dieses progressive Zeug auswendig zu lernen und dann noch so schnell zu spielen?

Jason: Ich denke, es hat viel mit dem Wein zu tun, den wir trinken. Alkohol hilft sicherlich dabei. Und wir müssen eine Band aus Werwölfen werden. (Es folgt noch irgendwas mit „Bananen, um „ihn“ zu sehen“ und „kosmischem Gleichgewicht“…)

Wie vermeidet man eigentlich Heiserkeit, wenn man in vielen extremen Varianten singt? Ist es nicht hart dieses Black-Metal-Kreischen mit Death Metal und dem klaren Gesang zu verbinden?

Jason: Es kann hart sein, aber viel Übung und der Versuch auf sich zu achten helfen da schon. Sehr guter Qualitätswein ist das Geheimnis, denn wenn du billigen trinkst, wirst du in physische Schwierigkeiten geraten.

Die britische Presse hat auch schon eure alten Veröffentlichungen gemocht, also müssen sie die neue lieben. Aber was hat eigentlich zu dem Hype geführt, den es davor schon gab? Ich denke, vor der neuen Platte gab es oft Kritik außerhalb eurer Heimat.

Jason: Ich feiere Kritik. Ich mag es immer, wenn Leute wirklich ehrlich sind und sagen, dass wir Abfall sind, denn sie haben Recht.

Aber das neue Album ist doch sicherlich ein Fortschritt?

David: Im Grunde sagst du also, dass das neue Album in Ordnung ist und die alten sind Scheiße.

Nein, euer neues Album ist wirklich gut und die alten Alben waren…

David: … Scheiße!!

Jason: (lacht)

David: Sei ehrlich!

Das Problem war vielleicht, dass sie unstrukturierter waren?

David: Um ehrlich zu sein, ist es mir scheißegal, was du über die alten Platten denkst!

Du bist also mit all euren Platten zufrieden?

David: Total, ich denke, sie sind gut. Wir hätten sie sonst nicht gemacht. Es kümmert mich nicht, was du denkst.

Ihr seid jetzt auf Tour mit MORTICIAN. Ist das nicht eine seltsame Kombination?

Jason: Nein, es ist eine gute Kombination, weil wir Freunde sind. Wenn du unterwegs bist, willst du nicht mit verdammten Wichsern eingesperrt sein.

David: (zu mir) Du magst MORTICIAN nicht?

Ich stelle es mir live nur seltsam vor: Sag „Tschüss“ zum Komplexen, sag „Hallo“ zum Simplen.

And welcome Ben Stiller! (aus der Ecke der inzwischen ebenfalls anwesenden BLOOD RED THRONE-Mannschaft)

Jason: … zur Brutalität. Gewalt ist gut, Brutalität ist gut.

Habt ihr schon versucht euren Glauben an Satanismus mit ihnen zu teilen?

Jason: Ne, ne, wir teilen unseren Glauben an hochwertigen Alkohol und…

David: … hochwertige Pornos.

Habt ihr irgendwelche Tipps an unsere Leser?

Jason: Trinkt italienischen Wein. Blast. Fuck. Kill.

Wunderbar.

Jason: War mir ein Vergnügen, Sir! Hast du noch Fragen?

Ja, denn jetzt habe ich mal die Chance jemanden zu fragen, der sich mit Satanismus beschäftigt: Es wird immer gesagt, dass Satanismus ein Zeichen von Stärke ist, aber ist nicht jede Form von Religion ein Zeichen von Schwäche?

Jason: Das interessiert mich einen Scheiß!

Du bist also nicht interessiert an…

Jason: …an organisierter Religion? Nein, nicht der Rede wert.

Aber ist Satanismus keine Religion?

Jason: Nein, es geht um dich selbst.

Für dich ist das persönlich.

Jason: Total. Ich bin nicht Teil irgendeiner Gang oder eines Kollektivs. Ich muss mich nicht mit anderen versammeln, um mich meines Glaubenssystems zu versichern. Das ist absolut unwichtig.

Es ist also nicht so wichtig, dass euer neuer Gitarrist daran vielleicht nicht so interessiert ist?

Jason: Es ist wichtiger, dass Matthew sich für nackte Frauen und gesichtszerschmelzende Gitarren interessiert.

War Satan nicht eine Erfindung der Christen?

David: Das ist dumm. Du hast wirklich keine Ahnung. Es gibt eine christliche Idee von Satan, aber es hat nichts damit zu tun, wofür wir uns interessieren. Wenn du dich für Satanismus interessierst, dann suche im Internet. Das hast du nicht, also solltest du es tun. Nächste Frage.

Die erste AKERCOCKE-Platte hieß übrigens „Rape Of The Bastard Nazarene“.

Okay, auf der einen Seite geht es um Stärke und Elite, auf der anderen Seite heißt es zum Beispiel, dass ihr keine Tiere verletzt. Das klingt für mich nach einem Tierschutzverein.

Jason: Well, das ist eine gute Sache.

David: Yeah, das ist es wirklich.

Aber sind Tiere nicht einfach zu schwach, wenn wir sie essen können?

Jason: Das ist eine komplett andere Diskussion.

Ihr habt mal in einem Interview erzählt, dass ihr magischen Ritualen nachgeht.

Jason: Magische Sexrituale, haha, meistens mit meiner Frau!

Ihr habt also nichts mit Harry Potter oder solchen Sachen zu tun?

David: Harry Potter???

Jason: Es geht eher um den fallenden Strahl aus einem Schwanz. Guck das im Internet nach.

Beim Satanismus geht es doch um Egoismus, kann man das so sagen?

Jason: Wenn du willst.

Dreht sich somit im Endeffekt dann nicht alles um Geld und Erfolg?

David: Das ist subjektiv und kommt darauf an, was dich glücklich macht. Einer macht das, wenn es für ihn Glück bedeutet und andere machen etwas komplett anderes.

Es ist also okay, wenn ihr in dreckigen Clubs Heavy-Metal-Musik spielt und nicht diese Elitemenschen seid?

Jason: Wir sind die Elite und das ist der verdammte Punkt! Ich bin in einem dreckigen Heavy-Metal-Club in fucking Berlin und es macht mich kein bisschen weniger Elite. Es macht mich perfekt zur Elite, weil es das ist, was ich will und was mich glücklich macht.

David: Es kann dich auch glücklich machen, den ganzen Tag rumzusitzen und zu angeln.

Das kann also auch Teil des Satanismus sein?

David: Richtig, es geht darum, was dich glücklich macht. Es geht um Spaß. Das ist es, was du nicht weißt. Deshalb stellst du dumme Fragen, denn du hast keine Ahnung.

Jason: Satanismus ist die Herrschaft über Kochkunst und Angeln.

David: Ja, und in Ärsche zu pissen…

Jason: … zur Teezeit.

David: Warum nicht? Übrigens ist an Harry Potter nichts falsch. Wie kam Harry Potter in diesen Konflikt?

Aber warum braucht ihr eine Religion, um zu tun, was ihr tun wollt?

David: Yeah, exakt! Beantworte diese Frage.

Satanismus ist für euch keine Religion, sondern ein Way of Life?

David: Satanismus ist zu tun, was ich tun will. So einfach ist das. Wenn das Religion ist, ist Religion auch in der Luft – und das ist sie nicht.

Haben eure Eltern euch jemals gefragt, ob sie während eurer Kindheit etwas falsch gemacht haben?

Jason: Meine Mutter ist eine völlige Unterstützung bei allem, was ich mache. Sie ist eine ungeheure Inspiration für mich und sie feiert die schwarze Majestät meiner bösen, dämonischen Vision.

In Ordnung. Wann habt ihr euch eigentlich zum ersten Mal getroffen?

Jason: Wann ich meine Mutter zum ersten Mal getroffen habe?

Nein, als Band…

David: Es war Vollmond und mein Auto ging kaputt. Ich hielt nach einem Telefon Ausschau, um Hilfe zu holen. Und dann war da dieses alte Haus und dort war Jason mit seiner Ex-Frau Brunella. Sie ließen mich herein, doch ich wusste nicht, dass Jason ein Werwolf war. Er biss mich. Und das war 1974?

Jason: Vielleicht auch 1975.

David: Wir haben dann angefangen Blues-Jazz zu spielen und wurden immer aggressiver…

Jason: Cool, ich bin jetzt eine Actionfigur. (BLOOD RED THRONE bewundern das Jason-Püppchen)

KISS haben das schneller geschafft.

Jason: Ich bin sicher, die Leute werden Nadeln da reinstecken.

Jemand von BRT: Oder etwas anderes…

Ich sehe da kein Loch, was groß genug wäre… Ähm, was bedeutet Metal für euch?

David: Rostfreier Stahl. (Jason murmelt was über „Aluminumlegierung“)

Jason: Drink mercilessly and worship Satan. Danke für deine Zeit, es war… interessant.

08.01.2006

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