Goethes Erben
Goethes Erben

Interview

Mit "Dazwischen" veröffentlichen GOETHES ERBEN demnächst ihr neues Werk. Grund genug für ein kurzes Interview mit Oswald und Mindy.

Goethes ErbenHallo Leute! Ich hoffe bei euch ist alles klar. Seid ihr vor der Veröffentlichung einer neuen Scheibe eigentlich nervös?

Oswald Henke:
Wieso sollten wir nervös sein? Also ich bin nicht nervös.

Mindy:
Ich auch nicht, das passiert nur manchmal vor einem Auftritt.

Ihr habt euch in den letzten Jahren sehr verändert. Die ersten Alben waren ruhiger und düsterer, später kamen mehr elektronische Elemente und ein stärkeres Einbinden von Gitarrenklängen hinzu. Wie denkst du wird sich ein GOETHES ERBEN Album in 10 Jahren anhören? Wird es die Band überhaupt noch so lange geben?

Oswald Henke:
Wieso so weit in die Ferne schweifen? Goethes Erben haben sich immer in eine Richtung entwickelt die nicht erwartet wurde. „Dazwischen“ ist Goethes Erben im Jahr 2005 und weiter in die Zukunft möchte ich derzeit auch nicht blicken. 2006 wird die „Schattendenken“ DVD Box veröffentlicht werden. Weiter möchte ich nicht planen und werde ich vorerst auch nicht mit Mindy planen.

Mindy:
Es ist normal, dass man sich musikalisch entwickelt. Es wäre schlimm, wenn wir immer gleich klingen würden, und auch wenn wir vorhersagen könnten, wie wir in 10 Jahren klingen werden.

Hättet ihr vor 15 Jahren erwartet, auch im Jahre 2005 noch Alben zu veröffentlichen?

Oswald Henke:
Als ich angefangen habe in einem Kellerraum Musik zu machen, habe ich nicht einmal gedacht jemals ein Album zu veröffentlichen. Wir haben einfach Musik des Musik wegen gemacht und dabei versucht „Spaß“ zu haben bzw. etwas zu machen, was uns als Musiker etwas gab. Wer beim Musik machen schon eine Zielgruppe samt Veröffentlichungspolitik vor Augen hat, der hat den falschen Ansatz.

Ihr seid ja nun schon sehr lange dabei. Hat sich die Dunkele Szene in deinen Augen in den vergangenen Jahren stark verändert?

Oswald Henke:
Es wäre schlimm wenn sich nichts verändert hätte. Veränderungen gehören zum Leben dazu, oder wer möchte heute wirklich noch in Höhlen wohnen? Auch die Szene hat sich verändert. Sie ist leider derzeit in einem Stadium in der sie sich mehr und mehr recycled , es gibt in der Musiklandschaft so viele Kopien von Kopien. Geklonter Gebrauchsgotik ist eher Stillstand als Entwicklung.

Goethes Erben, dieser Name stand schon immer für unkonventionelle und intelligente Musik. Seht ihr euch eigentlich selbst als Band für Intellektuelle an?

Oswald Henke:
Nein, wir machen Musik für Menschen die sich für das interessieren was wir machen.

Im Vergleich zu früher finde ich euer neues Werk um einiges eingängiger und leichter zugänglich. Ist das nur mein rein subjektives Empfinden oder sehr ihr das auch so? Falls ja, woran liegt dies eurer Meinung nach?

Oswald Henke:
Die Musik ist komplexer geworden und teilweise auch eingängiger, aber Stücke wie „Zimmer 34“ von unserem letzen Album „Nichts bleibt wie es war“ waren sicherlich keine seichte Abendunterhaltung. Aber es ist noch immer anstrengender sich mit Goethes Erben Alben auseinander zu setzen, als in der Disco zu einem beliebigen Beat das Tanzbein zu schwingen. Aber beides hat seine Berechtigung. Man muß nicht immer nachdenken und reflektieren, aber manchmal kann es nicht schaden, sich mit dem Leben an sich auseinander zu setzen und eben nicht nur zu konsumieren.

Mindy:
„Dazwischen“ ist als leicht zugängliches Album konzeptioniert worden, da wir diesmal die Musik von dem Musiktheaterstück getrennt haben. Die schwer verdaulichen Stücke und Elemente sind in „Schattendenken“ enthalten, wobei vergangene Alben sehr wohl theatralische Elemente enthalten. Außerdem haben wir mit unserer Kunst immer Neuland betreten. Musiktheater auf eine Audio-CD zu veröffentlichen ist keine einfache Sache, und das haben wir über die Jahre auch erfolgreich verfeinert, denke ich.

„Dazwischen“ handelt von Hoffnung und Verlust, vom Geben und Nehmen. Erzählt doch ein wenig über die CD und den Inhalt

Oswald Henke:
Dass die CD veröffentlicht wird, ist Mindys Wunsch gewesen. „Dazwischen“ ist eine Sammlung von Stücken des Musiktheaterstückes „Schattendenken“ und weiteren Titeln, die nichts mit diesem Musiktheaterstück zu tun haben. Es geht u.a. um Hoffnung und Verlust und es geht auch um eine Art Abrechnung, In jedem Fall ist es trotz aller Bitterkeit auch ein versöhnliches Album.

Mindy:
„Dazwischen“ ist aber kein Konzeptalbum. Es läuft kein roter Faden durch. Es bietet zum Teil eine Art Vorgeschmack auf die Thematik von „Schattendenken“ und wer das vertiefen möchte, soll sich die DVD-Box zulegen. Aber „Dazwischen“ enthält auch andere Elemente, die nichts mit „Schattendenken“ zu tun haben. Warum? Weil wir diese neuen Stücke einfach gerne veröffentlichen wollten.

Das Thema „Träume“ wird auch des öfteren angesprochen. Inwiefern betreffen bzw. beschäftigen euch diese Themen privat?

Oswald Henke:
Der Mensch schläft und träumt ein Großteil seines Lebens, also finde ich das Thema spannend. Ich träume manchmal sehr eigenartige Dinge, einen der seltsamsten Träume hatte ich von einer sehr obskuren und erschreckenden Zugfahrt. Aber diese ist nicht auf dem Album dokumentiert. In „Alptraumstudio“ geht es mehr darum, dass man als Mensch versucht eben nicht mehr zu Schlafen um nicht mehr Träumen zu müssen. Aber jeder weiß irgendwann ist der Schlaf stärker und dann übernehmen die Komparsen aus dem Alptraumstudio die Federführung…

Mindy: Genau, wir schlafen ein Großteil unseres Lebens, und da ich nicht gerne kostbare Zeit verschwende, beschäftigt mich die Traumebene sehr. Wenn wir zuhören, bekommen wir oft im Traum Signale und Hinweise von unserem Unterbewusstsein, die im Leben sehr hilfreich sein können. Aber man muss nicht im Schlaf bzw. im Traum einfach alles passiv über sich ergehen lassen. Der aktive Eingriff in die Traumwelt ist ein faszinierendes Thema, und dabei sind wir keine Grenzen ausgesetzt. Jeder Wissenschaftler weiß, dass wir nur einen Bruchteil von unserem Gehirn tatsächlich benützen… Übrigens habe ich die Melodie von dem Titeltrack „Dazwischen“ im Traum gehört, und gleich am nächsten morgen das Lied komponiert.

Woher in Goethes Namen (welch Wortspiel…) bekommt ihr die Ideen und die nötige Fantasie für die Texte und Konzepte?

Oswald Henke:
Unsere größte Inspirationsquelle ist wohl das tägliche Leben. Wir reflektieren eben alles, was uns umgibt und das was uns besonderst berührt oder beschäftigt wird eben von uns künstlerisch aufgearbeitet.

Wo wir grad bei den Texten sind. Sind diese mit jedem Wort Bierernst gemeint oder handelt es sich stellenweise um (intellektuellen) Humor?

Oswald Henke:
Also wer mich kennt weiß dass ich Humor besitze.
Ich habe keine Schenkelklopfer Humor, ich bin da doch etwas spitzzüngiger…

Wie kam es dazu, dass der Song „Schwarzes Wesen“ auf einer Melodie von Bartholomäus Bastian Verde basiert?

Oswald Henke:
Das Stück wurde vor 100 Jahren von dem damaligen Mitmusiker Bastian geschrieben. Die ursprüngliche Fassung ist auf dem zweiten Album „Der Traum an die Erinnerung“ veröffentlicht worden. Die Neufassung wurde musikalisch überarbeitet. Der Text ist in beiden Fassungen identisch.
Es ist aber schon immer eine Erben Melodie gewesen, wir haben uns sozusagen selbst gecovert.

Kommentiert doch bitte folgende Stichworte:

Goethe

Oswald Henke:
Stand auf extrem junge Damen und war ein Antisemit wie so viele seiner Zeitgenossen.
Außerdem steht dieser Name auf der ganzen Welt für deutsche Kultur: siehe Goethe Institut.

Hoffnung

Oswald Henke:
Wichtig für die Menschen. Denn wer hoffen kann, dem ist es auch möglich schlechte Lebenserfahrungen zu kompensieren.

Sarkasmus

Oswald Henke:
Kein schöner Wesenszug, aber er hilft sich das Leben manchmal „schön“ zu reden.

Neue Deutsche Todeskunst

Oswald Henke:
Bescheuerter Begriff, der damals von Sven Freuen erfunden wurde.

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Oswald Henke:
Ich stehe zu meiner Vergangenheit, genieße die Gegenwart und bin neugierig auf die Zukunft.

Was wird uns die Zukunft bringen?

Oswald Henke:
2006 die DVD Box „Schattendenken“ Zumindest darauf kann sich der eine oder andere freuen.

Ich danke euch für dieses kurze Interview.

12.09.2005

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