Insomnium
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Interview

Eine wirklich herausragende Veröffentlichung ist das neue Werk "Above The Weeping World" der finnischen Ausnahmeband INSOMNIUM. Erneut konnte sich die Gruppe gehörig steigern und zeigt sich heutzutage in bestechender Form. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn sie sich damit nicht endlich aus der Ecke des ewigen Geheimtipps hervortun könnten und mal etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen, ihr melodischer, etwas progressiver und melancholischer Death Metal hat es definitiv verdient. Die Zeichen scheinen auf Sturm zu stehen, Gitarrist Ville Friman stellte sich bereitwillig den Fragen.

InsomniumEndres: Hallo Ville! Euer neues Album “Above The Weeping World” ist ja wirklich fantastisch. Wie waren denn die Reaktionen der Presse bisher (das Album ist ja noch nicht veröffentlicht)?

Ville: Vielen Dank! Die Reaktionen der Presse waren wirklich erstaunlich. Bisher waren erhielten wir in allen Reviews 9/10 oder 10/10, wir sind also mehr als nur zufrieden. Auch die Flut an Interviews in unserem Email-Postfach will nicht abebben, es gibt ein großes Interesse an uns, speziell aus Deutschland.

Endres: Verglichen mit eurem letzten Album „Since The Day It All Came Down“, was habt ihr alles verändert?

Ville: Wir haben uns einfach um bessere Songs bemüht und haben dieses Mal wirklich viel Aufmerksamkeit auf die Arrangements gewidmet. Wir haben auch das Aufnahmestudio gewechselt und erhielten nun den Sound, welcher uns immer vorschwebte. Das hilft uns natürlich viel, da nun jeder Song wirklich genau so klingt, wie es gedacht war. Grundsätzlich haben wir gearbeitet und gearbeitet bis wir mit jedem Song wirklich zufrieden waren.

Endres: Erzähle uns doch bitte ein wenig von den Aufnahmen!

Ville: Wir begannen mit den Aufnahmen Anfang April, wenn ich mich recht erinnere. Es war eine ziemlich stressige Session aber wir schafften es, im Zeitplan zu bleiben. Wir hatten nicht gerade eine großartige Unterkunft und ich schlief für einen Monat in meinem Schlafsack auf einem alten Ledersofa. Das Gebäude, in welchem wir wohnten und auch das Studio untergebracht war, wurde gerade renoviert. Ich wachte also jeden morgen um 7 Uhr auf, wenn die Arbeiter begannen, in die Steinmauern zu bohren. Das ist in der Tat der wahre Glamour vom Metal Business. Aber das Fantom Studio war wirklich nett und es gab da (un)glücklicherweise viele Bars in der Nähe.

Endres: Euer letztes Album „Since The Day It All Came Down“ wurde vor zwei Jahren veröffentlicht. Habt ihr die ganze Zeit zwischen den beiden Alben an neuer Musik geschrieben?

Ville: Ich glaube, ich schrieb den ersten Song „Mortal Share“ Ende 2004. Dann häufte sich das Material recht langsam an. Anfang des Jahres begannen wir den Endspurt, wir arbeiteten wirklich hart die ersten drei Monate, und in dieser Periode arrangierten wir den Großteil des Materials und der Riffs. Nach „Since The Day It All Came Down“ befanden wir uns in der Situation, dass wir die Musik auf ein weiteres Level heben wollten, aber wir waren nicht sicher, wie wir dies anstellen und was verändern sollten. Es dauerte also einige Zeit, bis wir die richtige Richtung gefunden hatten.

Endres: Alle Coverbilder von INSOMNIUM zeigen die wunderschöne Natur. Seid ihr sehr verbunden mit der Natur? Bitte erzähle uns in diesem Zusammenhang ein wenig über eure Heimat Karelien!

Ville: Karelien ist der Ort, an welchem wir alle (außer der weitere Gitarrist Ville Vänni) aufwuchsen, und unsere Heimatstadt, Joensuu, befindet sich in der Nähe zur russischen Grenze. Es ist eine ziemlich kleine Stadt, umgeben von Wäldern. Die Natur, welche man auf unseren Coverbildern sind, ist uns also immer sehr nahe. Einige von uns fischen, jagen oder wandern mehr als andere, aber ich kann sagen, dass die finnische Natur wichtig für uns alle ist. Die Landschaft auf unseren Coverbildern zeigt, wie wir Finnland außerhalb der Städte sehen.

Endres: Was ist deine Interpretation hinter dem Coverbild und dem Albumtitel?

Ville: Die Perspektive des Covers ist eine Landschaft, abgebildet vom Boden hinauf zum Himmel. Der Titel „Above the Weeping World“ bezieht sich auf die Texte des Songs „Mortal Share“, für mich repräsentiert er den persönlichen Kampf des Menschen gegen alles Unglück, dem man sich zu stellen hat. Durch das Klagen alleine wird man nicht glücklich, man muss sich selbst stärken, um das Leben so zu gestalten, wie man es möchte.

Endres: Wie würdest du die Entwicklung der Band von den Anfängen 1997 bis zum heutigen Tage beschreiben?

Ville: Wir haben uns in jeglicher Form weiterentwickelt, wir sind heutzutage bessere Musiker, wir schreiben bessere Texte und die über allem stehende Vision von der Musik INSOMNIUM’s ist nun klarer. Dieses stabile Line-Up besteht nun bereits seit 2001, wir kennen uns daher gegenseitig schon ziemlich gut und wissen, wann man jemanden nicht mehr weiter pushen will. Wir sind nun in einer Phase, in welcher wir so ziemlich alles untereinander diskutieren können, ohne dass es irgendwelche Ego-Trippe oder ähnliches in INSOMNIUM gibt. Wir versuchen, so demokratisch wie möglich zu sein, beispielsweise erledigt jeder eine bestimmte Anzahl von Interviews oder andere wichtige Dinge. Wir sind also auch als Personen aufgrund der Band gewachsen.

Endres: Zwischen der ganzen Heavyness befinden sich oft akustische Parts, die Melodien sind ziemlich traurig und melancholisch, dies alles macht INSOMNIUM ziemlich speziell. Es scheint, alles basiert auf Stimmungen und Gefühlen.

Ville: Ich denke, es ist die Benutzung von Kontrasten und der Fakt, dass unsere Musik mit Emotionen ausgefüllt ist. Wir sind sehr gewissenhaft, was unsere Auswahlkriterien durch den „Gute Musik“-Filter anbelangt. Musik sollte das Innere des Hörers berühren und auf seinen Armen Gänsehaut hervorrufen. Und danach richten wir uns.

Endres: Es finden sich da viele verschiedene Einflüsse in eurer Musik, wodurch eure Songs sehr einzigartig sind und sich von vielen anderen Bands unterscheiden. Woher zieht ihr eure ganze Inspiration?

Ville: Für mich kommt die Inspiration hauptsächlich aus der Musik von Anderen. Wir mögen viele verschiedene Musikstile, daher ist es natürlich, dass sich dies auch in unseren Songs reflektiert. Das bezieht sich auch darauf, was ich zuvor meinte, wir sind nun bessere Musiker und sind nun fähig, viele verschiedene Stile in einen Song einfließen zu lassen und er aber gleichzeitig wie aus einem Guss klingt. Es gelingt uns heute einfach besser, Songs zu arrangieren. Viel Inspiration kommt auch einfach durch das Spielen während der Proben und Ausprobieren von neuem Stoff und neuer Ideen.

Endres: Eure Texte sind von einigen Schriftstellern inspiriert. Was kannst du uns über die Texte erzählen, und was kommt als Erstes, Musik oder Text?

Ville: Zuerst kommt die Musik. Es kommt zwar auch mal vor, dass wir einige Ideen bezüglich der Texte während des Songswritings haben, aber normalerweise machen wir erste den Song und daraufhin dann die Texte dafür. Niilo (Sänger, Anmerk. d. Verf.) hat einige Inspiration aus der Literatur gezogen, was für ihn natürlich ist, da er Kulturgeschichte auf der Universität studiert. Ich ziehe den Großteil meiner Inspiration aus populärer Kunst und dem Leben ansich. Die Texte sind meist ziemlich betrübte Geschichten über unglückliche Menschen, Liebe, Tod und Themen wie diese.

Endres: Traurigkeit und Melancholie sind oft verwendete Elemente in euren Songs. Kannst du dir ein Leben ohne Traurigkeit und Melancholie vorstellen?

Ville: Nun, ich denke sie sind sehr essentielle Teile von jedermanns Leben, und wenn es da kein Leiden gäbe, wie würdest du Glück definieren? Letztendlich versuche ich aber eine Art Balance in meinem Leben zwischen alldem zu schaffen. Manchmal ist es hart, Arbeiten zu gehen und jegliche Freizeit mit irgendwelchen Bandaktivitäten voll ausgeschöpft wird. Ich muß vorsichtig sein, dass ich dabei nicht ausbrenne. Das Leben ist manchmal nicht immer so einfach aber man muß Fehler und Rückschläge akzeptieren und darf sich nicht in die Dunkelheit verziehen.

Endres: Welche Bands hörst du dir so in letzter Zeit an?

Ville: Momentan befinden sich folgende Bands in meiner Winamp Playlist: HEAVEN SHALL BURN – „Deaf To Our Burden“, RAISED FIST – „Sound Of The Republic“, LAMB OF GOD – „Sacrament“, THREAT SIGNAL – „Under Reprisal“, ALL THAT REMAINS – „The Fall of Ideals“, DIABLO – „Mimic47“ und TEXTURES – „Drawing Circles“.

Endres: Ab diesen Monat werden INSOMNIUM zusammen mit SATYRICON und KEEP OF KALESSIN auf Tour gehen. Wie kam es zu dieser genialen Konstellation und was dürfen wir erwarten?

Ville: Candlelight Records organisierten unseren Platz, da sie uns auf Tour haben wollten. Im Moment hoffe ich nur, dass alles gut läuft, Busse nicht auseinander brechen, wir nicht krank werden und keine Auftritte aufgrund von falschem Management ausfallen. Und dass wir sicher wieder nach Hause kommen und den Gefahren des freien Alkohols aus dem Weg gehen, hehe. Wir werden jede Nacht 100 Prozent und unser Bestes geben, um euch zu unterhalten und die ganzen Fans treffen, welche auf uns warten.

Endres: Was bedeutet Metal für dich?

Ville: Gute Musik, Trinken, mit Freunden eine gute Zeit verbringen, auf Konzerte gehen, Platten sammeln, die Art sich zu kleiden und sich zu repräsentieren, es ist definitiv ein Lebensstil.

Endres: Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir!

Ville: Nein, ich danke dir! Wenn ihr interessiert seid, könnt ihr unser neues Album zusammen mit einem T-Shirt auf unserer Internetseite http://www.insomnium.net vorbestellen. Das Shirt ist limitiert und ist nur in diesem Package erhältlich, zum Preis von insgesamt Euro 22,90, egal wo auf der Welt (Kreditkarten und Paypal werden akzeptiert. Wir sehen uns auf den Konzerten!

Galerie mit 25 Bildern: Insomnium - "Heart Like A Grave" Listening Session in Finnland
01.09.2006

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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