Nether
gewähren tiefe Einblicke in ihr Debütalbum und die belgische Schwarzmetall-Szene

Interview

Unter die Ende des Jahres immer wieder auftauchenden Überraschungen innerhalb des schwarzmetallischen Veröffentlichungskalenders, haben sich in diesem Jahr auch die Belgier von NETHER gemischt. Deren Debütalbum „Between Shades And Shadows“ geht dabei mal melodiös, mal rasend schnell und durchweg rau zu Werke. Sänger und Bassist J. nimmt uns mit auf einen Exkurs über die konzeptuellen Hintergründe und Leitmotive hinter der Musik und bietet einen ausführlichen Einblick in die vielerorts noch recht unbekannte belgische Szene.

Seid gegrüßt! Vor nicht allzu langer Zeit erschien euer Debütalbum „Between Shades And Shadows“, welches einen starken Einstieg in die schier endlosen Tiefen des modernen Black Metal darstellt. Was waren für euch die Hauptmotivation und die Hauptmotive für diesen ersten Schritt?

Vielen Dank für die netten Worte und die positive Rezension zu unserem Album. NETHER wurde zwar erst im vergangenen Jahr gegründet, eine gänzlich neue Band sind wir aber dennoch nicht. P. und ich spielten bereits zuvor mehrere Jahre in einer Band namens SIGNS OF DARKNESS. Nachdem dieses Projekt irgendwann stillgelegt wurde, hatten wir endlich den Antrieb, melodischen Black Metal zu spielen, wie wir ihn aus der Zeit unseres Heranwachsens kannten, und das Ganze mit ordentlich Rawness und Aggression zu unterfüttern. K. spielte bis dato in einer regionalen Black Metal Band namens NECROSIS und mit B. fanden wir schließlich auch den idealen Drummer. Wir Vier wollten die bereits zuvor erwähnte Musik in einem starken Konzept bündeln, das primär uns allen als Individuen gewidmet ist. Daher entschieden wir uns, den Baum als Kernstück unserer lyrischen Ausrichtung zu wählen. Gleich einem Baum, hat ein jedes Individuum seine Wurzeln, muss ein jedes Individuum standhaft sein und sich von der ihm zugrunde liegenden Erde nähren. Wer genau hinschaut, kann dieses zentrale Symbol auch in unserem Logo entdecken.

Abgesehen von dem zuvor genannten Leitmotiv, woher bezieht ihr während des Songwritings eure Inspiration?

Als Hauptverantwortlicher für die Lyrics, sehe ich das alltägliche Leben als die wohl größte Inspiration. Darum ja auch das erwähnte Konzept in Form von Baum, Portal und innerem Kern. Große Bands, wie MARDUK, DARK FUNERAL oder auch DAWN, sowie vereinzelte Vertreter aus dem Death Metal (BELPHEGOR) und melodische griechische Versatzstücke (ROTTING CHRIST) sind für uns als Anhänger des Black Metals der Neunziger Jahre ebenfalls sehr prägend.

Der vierte Song auf eurem Debüt trägt den Titel „To The Shores“ und setzt sich mit den Prätorianern auseinander, einer kaiserlichen Elitetruppe aus dem antiken Rom. Bezieht ihr euch in den vergleichsweise martialischen Lyrics dieses Tracks auf ein spezifisches historisches Ereignis oder stehen die Prätorianer eher symbolisch für eine etwas modernere Thematik?

Tatsächlich bist du der Erste, dem besagter Text aufgefallen ist. Die Prätorianer stehen symbolisch für all die Attribute, die, wie zuvor erwähnt, auch bei einem Baum vorzufinden sind. Egal ob Regen, Sturm oder Schnee, diese Elitekämpfer waren unumstürzlich und fest verwurzelt in Grund und Boden. Für uns bedeutet es außerdem, selbstbestimmt zu handeln, sich von nichts und niemandem vorschreiben zu lassen, für welche Ideale man einstehen sollte oder nach welchem Leitfaden man sein Leben zu gestalten hat. Der Wille, frei und eigenständig zu agieren, liegt seit jeher in unserem inneren Kern und wird gespeist durch unsere Wurzeln.

Dass ihr bereits zuvor in diversen Bands aktiv wart und dort reichlich Erfahrungen sammeln konntet, macht sich auf „Between Shades And Shadows“ durchaus positiv bemerkbar. Fließt all eure Kreativität nun in die Musik von NETHER oder habt ihr noch andere Nebenprojekte mit einer ähnlichen stilistischen Ausrichtung?

Die Meisten von uns, mich eingeschlossen, konzentrieren sich derzeit voll und ganz auf NETHER. Zum Debütalbum „Nihil“ der belgischen Death/Doom Band SERPENT’S OATH, ehemals aktiv unter dem Namen INSANITY REIGNS SUPREME, habe ich noch meine Bassspuren beigetragen, davon abgesehen ist es in erster Linie unser Drummer B., der parallel noch bei den Bands ESCAPE und HIGH INQUISITOR WOE aktiv ist. Das Fundament für NETHER wurde, wie schon zuvor angedeutet, von P. und mir bereits während unserer Zeit in der Melodic Black Metal Band SIGNS OF DARKNESS geschaffen, P. war damals zudem noch Mitglied bei diversen Gruppen aus dem Death Metal, wie zum Beispiel FLESHCARVED.

In Anbetracht des Umstands, dass die belgische Black Metal Szene nicht allzu groß erscheint und vereinzelte stilistische Ähnlichkeiten kaum von der Hand zu weisen sind, liegt es nahe, Vergleiche zwischen euch und ENTHRONED zu ziehen. Ist dieses Gleichnis für euch nachvollziehbar? Und wie nehmt ihr die Entwicklung der Szene in eurer Heimat wahr?

Die Szene in Belgien ist zwar klein, aber dafür auch sehr stark. ENTHRONED ist wohl ohne Zweifel eine der besten Bands aus Belgien, auf unseren Sound hat sich ihr Schaffen jedoch kaum ausgewirkt, dafür sind die Unterschiede in der Live-Darbietung und in den lyrischen Konzepten zu groß. NETHER ist da stilistisch eher im skandinavischen Raum verwurzelt.

In der belgischen Szene gibt es aber auch sehr viele andere interessante Bands, zum Beispiel WIEGEDOOD! Außerdem noch einige kleinere, weniger bekannte Projekte, die ebenfalls nennenswert sind. GORATH hat die lokale Szene vor einigen Jahren mehr oder weniger ins Leben gerufen, Gründungsmitglied F. agiert seit der Auflösung in den Bands WOLVEN, HEMELBESTORMER und RITUALS OF THE DEAD HAND. Die aktuellen Alben von SAILLE und THURISAZ sollte man sich auch unbedingt mal angehört haben, gleiches gilt für die inzwischen nicht mehr aktiven HULDREFOLK, deren Drummer nun Mitglied der Schweden SVARTSYN ist. Und zu guter letzt seien noch die heidnischen Schwarzmetaller THEUDO und das Album „Nihil“ von SERPENT’S OATH empfohlen. Damit dürftet ihr erstmal für eine Weile beschäftigt sein.

Auch wenn es derzeit aufgrund offensichtlicher Faktoren nicht möglich ist, habt ihr dennoch Pläne für die Zukunft, eure Musik live darzubieten? Und wenn dem so ist, welche Events oder Locations würdet ihr anstreben?

Tja, die globale Situation ist im Moment natürlich das größte Problem. Ebenso wie all die anderen Bands, sind wir derzeit kaum in der Lage live aufzutreten, ganz gleich ob auf den großen oder auf kleineren Bühnen. Vor einigen Wochen haben wir zwar sehr viele Tour-Angebote bekommen, doch leider wurden diese nach und nach entweder verschoben oder gänzlich gecancelt. Wir würden unsere Musik unglaublich gern live darbieten und hey, im Moment wäre uns wahrscheinlich jede Location recht. Aber wenn wir komplett freie Wahl hätten, ständen das Party San, In Flammen und das Wacken Open Air wohl an oberster Stelle, gefolgt von Hellfest, Metaldays, Eindhoven Metal Meeting und dem Graspop Metal Meeting. Oder vielleicht eine Tour mit DARK FUNERAL, MARDUK, NAGLFAR oder BELPHEGOR, das wäre fantastisch.

Vielen Dank für eure Zeit und die ausführlichen Antworten. Die letzten Worte gehören euch. Falls ihr noch etwas bezüglich eurer Pläne für die Zukunft oder kommender Veröffentlichungen verraten wollt, lasst uns gerne daran teilhaben.

Vielen Dank für das Interview! Hoffentlich konnten wir mit unseren Antworten ein paar interessante Eindrücke liefern. Wir hoffen euch bald vor der Bühne sehen zu können, in der Zwischenzeit werft gerne einen Blick auf unsere Social-Media-Kanäle für zukünftige Ankündigungen.

Quelle: Artgates Records
20.12.2020

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