Krater
"Die Texte müssen wie ein Faustschlag sein, jede einzelne Zeile eine Punchline"

Interview

Das De Mortem Et Diabolum in seiner bereits dritten Auflage bot 2017 einmal mehr ein abwechslungsreiches Line-Up von hochkarätigen Bands aus dem Death/Black/Thrash-Untergrund. Sowohl alte Recken als auch interessante neue Bands spielten auf. Das schien im letzten Jahr allerdings unter keinem guten Stern zu stehen: verpasste Flüge, liegen gebliebene Autos auf Bandseite, technisches und organisatorisches Durcheinander auf Venue-Seite – das ganz normale Konzertchaos halt. Die Besucherzahlen waren leider ebenso mau. Daher umso verwunderlicher, dass die meisten Bands trotzdem nicht in Unmut versanken und das beste draus machten. Ein paar konnten wir sogar zum Reden bringen. Hier plaudern nun THE GREAT OLD ONES, KRATER und THE COMMITTEE aus dem Nähkästchen.

Zu  dem Interview mit THE GREAT OLD ONES geht es hier lang: Klick mich!

Zu dem Interview mit THE COMMITTEE hier: Klick mich!

Konzertbericht: Klick mich!

 

KRATER sind in der Untergrundszene des Black Metals schon länger keine Unbekannten mehr, der größere Erfolg blieb bislang trotz durchgängigem Abräumen in Reviews und überzeugenden Live-Auftritten irgendwie aus. Nach einem wohl tollen Auftritt, den ich aber leider hauptsächlich nur durch die Wand mitbekommen und nur kurz sehen konnte, da ich in der Zwischenzeit THE GREAT OLD ONES interviewt habe, nahm ich mir die Jungs aus dem sächsischen Umland vor – oder besser gesagt Sie mich, ich wurde als Interviewer quasi zum Stichwortgeber reduziert und kam während dem über einer Stunde dauerndem Ding selber nur selten zu Wort. Mir soll’s recht sein, ich bin froh wenn sich die Interviewpartner selbst enthusiastisch einbringen.

KRATER-Interview (heftig gekürzt und editiert) mit Shardik (Drums) und Abortio (Bass, Vocals):

Jetzt ist „Urere“ fast zwei Jahre draußen und wahnsinnig viel gespielt habt ihr auch nicht, wahrscheinlich aus den schon gerade angesprochenen Gründen (Anmerkung d. Reaktion: Hat was mit Geld zu tun)

Shardik: Ja, wir haben eigentlich nur Einzelkonzerte gespielt, haben in der letzten Zeit aber verstärkt damit angefangen, auch selber Clubs und Veranstalter anzuschreiben.

Man muss also schon selber ein wenig aktiv werden?

Abortio: Ja, natürlich. Die Leute haben natürlich auch nicht jede Band auf dem Schirm, vor allem heute gibt es so viele neue, auch gute Bands die neue Alben rausbringen, oder die man auch das erste mal live sieht und gut findet. Das ist der nächste Knackpunkt: Wenn du heute nicht live spielst, bekommst du auch nicht viele Angebote. Oft sind ja auch im Publikum dann Veranstalter. Zum Beispiel beim Party.San. Die hatten uns ein paar mal schon live gesehen und daraus hat es sich dann ergeben, da spielen zu können. Vor allem nach der „Urere“ haben sich aus meiner Sicht schon größere Sachen ergeben, als es sich vorher für uns dargestellt hat.

Shardik: Es hat sich mittlerweile ergeben, dass wir jetzt auch ein wenig mehr angeschrieben werden. Aber als „Urere“ rauskam bzw. bei der Vorausplanung davon, um auch ein wenig mehr auf den Schirm der Veranstalter zu kommen, haben wir massiv Zeit investiert, also auch wieder Leute angeschrieben und so weiter.

Abortio: Es ist heute sehr schnelllebig. Dann musst du den Leuten auch sagen, hey KRATER sind wieder da. Ich hab mittlerweile auch viele Tourangebote per Mail bekommen. Früher war es für mich das schlimmste, selber Leute anzuschreiben. Was schreibt man denen denn? „Ach, es wäre das größte für uns auf Ihrem Festival spielen zu können, blablabla…“. Teilweise kommt es einem so vor als ob manche das wirklich hören wollen. Das hab ich aber nicht gemacht. Eher so nach dem Stil: „Das sind unsere Hardfacts: Bandbio, Veröffentlichungen, hört rein, wenn ihr Lust habt, wenn nicht, dann nicht.“

Shardik: Im Endeffekt ist es so: Du schreibst 20 Veranstalter an, von zehn bekommst du gar keine Antwort, aber gut, die haben die E-Mail-Fächer wahrscheinlich eh schon voll. Von fünf bekommst du ne Absage und bei den anderen fünf wird dann zumindest schon mal verhandelt.

Ich merk das immer auch an der Masse an Veröffentlichungen. Ist bei uns bei den Reviews auch so, wenn wir die auswählen müssen, da kommt man selber auch nicht mehr hinterher. Ich denke bei euch hat sich die Hartnäckigkeit und konstante Qualität, die ihr geliefert habt, ausgezahlt. Auch wenn es teilweise lange dauert, bis man bemerkt wird.

Shardik: Wir haben auch das Glück gehabt, dass kurz nach Veröffentlichung von „Urere“ damals dann auch die Anfrage vom Party.san kam. Das Problem war, genau zu dem Termin sollte auch mein Sohn zur Welt kommen. Scheißdatum.

Aber letzten Endes hat es ja doch geklappt.

Abortio: Ja. Aber ich dachte kurz auch nach: Aushilfsschlagzeuger? Das wäre dann aber auch Bandklimakiller. Wenn man so etwas großes nicht zusammen teilt, ist das auch schlecht. Die Impressionen, die ich da gesammelt habe, waren super. Erstes Lied und das Zelt war voll. Soundcheck und ich dreh mich um und da sind so viele Leute. War ’ne richtige Überraschung.

Find ich eine feine Sache beim Party.San, dass die den unbekannteren Bands mit der Tent Stage die Möglichkeit geben, sich präsentieren zu können. Kennt ihr zum Beispiel ARROGANZ? Die hab ich da damals auch zum ersten mal gesehen und die haben mich weggeblasen. Wie ist überhaupt generell die ostdeutsche Metalszene so vernetzt?

Shardik: Ja, also wir kennen die schon. Hatten ein paar Auftritte mit denen zusammen gespielt und den Kalle hab ich auf Facebook auch mal kontaktiert. Ich glaube, du (nickt zu Abortio) kennst die Leute ’n bisschen eher, ich hatte jetzt nicht so den großen Kontakt.

Abortio: Ich hab den Schlagzeuger glaube ich 2015 auf ’nem Stoner-Rock-Festival kennen gelernt und von da ging es dann weiter.

Shardik: Und der Kalle ist ja auch mit seinem Youtube-Ding jetzt relativ „bekannt.“ Ich hab mir das auf der Arbeit manchmal in der Pause angeguckt und fand die Jungs ganz sympathisch.

Abortio: Das kam aber später, da hatten wir dann schon Kontakt. Ich find das super überraschend, er kam auf einem Festival später an und hat uns gesagt, dass er uns gut fand. Das ist natürlich nochmal schön, auch von Leuten die selber die Musik spielen, Bestätigung zu bekommen.

 Ist das nochmal vorgekommen, dass eine Band, die ihr selber feiert, euch Props gegeben hat?

Abortio: Ne, eigentlich nicht. Ich erwarte das auch nicht von anderen Leuten. Ich bin ja auch selber so. Wenn ich Konzerte von Freunden sehe, werte ich das nicht anders. Wenn da was nicht gepasst hat, dann sage ich denen das auch. Manchmal weiß man auch nicht, ob die das ernst meinen oder das nur Spaß war. Dann erkundigt man sich nochmal und wenn die es dann ehrlich meinen, nimmt man das auch an und nimmt das auch mit als Lob. Es reicht mir schon, wenn es von unbekannten Leuten kommt, die einem dann bei Facebook schreiben, die man nicht kennt und die dann sagen „coole Scheibe „, „geiler Auftritt“ oder so.

Shardik: Manchmal sagen einem dann auch selber andere Bands: Das war Scheiße. Der Martin, Gitarrist von DECEMBRE NOIR meinte zu mir nach dem Party.San-Auftritt: „So richtig warm warste aber auch nicht.“ Stimmte auch. Die ersten 20 Minuten steckte mir die Kälte noch in den Knochen, ich hab probiert irgendwie dem Klick zu folgen und einigermaßen was auf die Reihe zu bekommen, ohne Sehnenscheidenentzündung zu bekommen beim Blasten.

Abortio: Das ist sowieso voll lustig wie die Selbstwahrnehmung manchmal ist. Wenn man selber denkt man hat einen suboptimalen Gig gespielt und anschließend kommen Leute vollkommen begeistert vorbei, ist das schon etwas komisch. Der Corni von AHAB meinte auch zu mir auf’m San: „Ich wusste gar nicht, dass du so ernstzunehmenden Black Metal spielst.“

Also braucht ihr dann schon vernünftige Kritik, mit der ihr arbeiten könnt.

Shardik: Ja. Wir haben überhaupt das Gefühl, dass wir erst auch mit der „Urere“ das ganze Thema ernster genommen haben. Zum Beispiel mal vernünftig proben. Also zur „Nocebo“ lief es auch schon gut, aber unsere Gigs waren teilweise echt scheiße. Bei der „Urere“ haben wir den größten Teil zu Hause geschrieben und als ich das Schlagzeug eingespielt habe, hatte ich die Hälfte aller Songs vorher noch nicht mit der Band zusammen gespielt. Da haben wir dann gesagt, komm wir setzen uns zusammen und proben das jetzt mal vernünftig.

Schreibt ihr die Parts sonst einzeln und das kommt dann erst im Proberaum zusammen oder wie arbeitet ihr?

Shardik: Also bei „Nocebo“ mit unserem damaligen Gitarristen, der auch „Urere“ noch mit geschrieben hat, hat der eigentlich alles komplett alleine gemacht. Er hat uns die Lieder dann geschickt, wir haben ein wenig mit dran rumgepuzzelt, aber nicht mehr so viel. Also die letzten beiden Alben hat er kann man schon fast sagen im Alleingang geschrieben.

Abortio: Für „Non Serviam“ von „Urere“ hatte er uns ein paar Songideen geschickt und ich hatte mir da Parts rausgesucht und versucht die neu zusammenzusetzen. Das war allerdings auch der einzige Song und die Ausnahme, bei der wir so gearbeitet haben. Vom Fundament her war der größte Teil von ihm.

Shardik: Das Schlagzeug hab ich natürlich noch ausgearbeitet. Das ist nicht im Proberaum entstanden. Wir sind ja auch räumlich alle ein wenig getrennt. Heutzutage braucht man das ja aber auch nicht unbedingt, die Technik erlaubt einem das getrennt aufzunehmen und sich zuschicken zu können.

Abortio: Wir waren auch noch nie so die Jam-Band. Du nimmst halt Ideen von Songs auf, präsentierst die den anderen und es passt oder es passt nicht.

Shardik: Also bei dem neuen Material, was wir hoffentlich jetzt im Februar starten aufzunehmen (Hoffnung auf einen Release des neuen Albums 2018 ? – Anm. D. Redaktion) war es auch so.

Das heißt es gibt bald ein neues Album?

Shardik: Ja, das Album steht eigentlich schon ziemlich. Es ist auch wieder nicht im Proberaum entstanden, aber durch den Gitarristenwechsel im Januar 2015 war es schon sogar so weit, dass wir an neuem Material geschrieben hatten. Aber im Laufe von 2016 nach ein paar Liveshows hat unser damaliger Gitarrist gemerkt, dass es nicht mehr sein Ding ist. Mit unserem neuen Gitarrist, Z.K., hab ich vor KRATER schon viele Jahre Musik gemacht, da lag das einfach nahe ihn ins Boot zu holen. Und er hat auch Bock gehabt. Zu der Zeit hatten wir im Prinzip sogar 3 Gitarristen, da der alte zwar keinen Bock mehr auf live hatte, aber trotzdem angeboten hat, mit am Album zu schreiben. Da waren in GuitarPro auch erst mal grobe Gerüste da und ich hab als Schlagzeuger dann mir dazu Parts überlegt.

Ich glaube, viele Nichtmusiker unterschätzen auch, wie viel Arbeit in so ein Album reingeht, wie viele Parts und auch Songs wieder in der Mülltonne landen und es dann letztendlich gar nicht aufs Album schaffen.

Shardik: Auf dem neuen Album ist glaube ich ein Song, an dem wir ein dreiviertel Jahr saßen und es immer wieder weggeschoben haben. Da gab es einen Part wo du immer gedacht hast „Scheiße, das isses noch nicht“ und dann wurde das vertagt. Dann irgendwann mal wieder das Ding rausgekramt und probiert, passte aber immer noch nicht. Dann gibt es aber auch Songs, die schreibst du an einem Tag, fügst die Teile einfach zusammen und es passt.

Abortio: Manche Parts werden dann halt auch nicht besser und die verwirft man dann auch. Beim neuen Album war ich aber überrascht wie fließend und organisch das Songwriting abgelaufen ist. Da gab es band-intern auch keine großen Diskussionen drum. Bei „Urere“ schwebten sehr viele Ideen im Raum, die es letzten Endes nicht geschafft haben, hier beim neuen war es irgendwie in einem Rutsch: Plötzlich ist das Ding da. Mich hat es überrascht, wie schnell es ging.

Shardik: Ich hab in GuitarPro die groben Schlagzeugspuren vorgegeben, so dass die Gitarristen da dann drüber arbeiten konnten und damit konnten wir alle gut arbeiten, wir haben auch ein Demo vor-produziert. Deshalb gehen wir dann mit einem guten Gefühl in die eigentlichen Aufnahmen voraussichtlich im Februar nächsten Jahres.

Wird erst ein Song ausgearbeitet und dann kommen die Texte dazu? Oder kommen erst die Texte und dann wird entschieden auf welchen Song die passen?

Abortio: Ich schreibe nie Texte am Stück. Ich schreib eher mal einen cool klingenden Titel auf. Da ich auch ein begeisterter und häufiger Konzertgänger bin, werde ich auch oft von anderen Bands inspiriert. Dann sammle ich erst mal Ideen und hab dann später in meinem Handy seitenlange Notizen von losen Textfetzen. Zuhause fällt einem auch manchmal was ein oder auf der Arbeit, das schreibt man dann auch auf. Bisher war es aber eher weniger der Fall, das daraus dann ein kompletter Songtext wird. Bei „Urere“ und „Nocebo“ war es genauso, wobei bei „Nocebo“ meist ich einfach nur ein paar Sachen aus den Ideenblöcken raus gestrichen habe und das dann gereicht hat. Oft notiere ich nur eine grobe Idee aus welchem Blickwinkel ich schreiben will. Ich denke mir immer, Texte müssen wie ein Faustschlag sein, jede Zeile eine „Punch-line“. Ich hasse Füllstoff. Hinter jeder Silbe muss etwas stehen, was den Hörer mitnimmt und auch mich mitnimmt, sonst kann ich live hinterm Mikro auch nicht ausrasten. Wenn ich aufnehme, brauch ich wirklich lang. Früher habe ich es auch immer super lang rausgezogen, mein Arbeitsethos war auch zum Kotzen. Wenn ich heute aufnehme, schreie ich einfach alles auf mal hinaus, hör es mir später an und entscheide, an welchen Stellen noch gearbeitet werden muss.

Shardik: Man muss dazu sagen, auf „Urere“ waren echt alte Ideen, die verarbeitet wurden. Die Schlagzeugspuren wurden schon 2012 aufgenommen und Abortio hat, meine ich, über ein Jahr gebraucht, nachdem eigentlich schon alles stand, um Vocals aufzunehmen. Wir hatten auch andere Probleme, wie ein passendes Label zu finden, einen Mixer, der abgesprungen ist, und anderes. Wir mussten zwischenzeitlich auch das Studio wechseln. „Urere“ war fast fertig, dann ist aber nix mehr passiert und notgedrungen mussten wir uns dann nach was anderem umschauen, um endlich mal ans Ende zu kommen.

Wie sieht es denn mittlerweile bei Eisenwald aus? Läuft es wenigstens mit denen?

Abortio: Definitiv. Mit Eisenwald haben sich uns auch neue Horizonte geöffnet, was Labelarbeit angeht.

Shardik: Ich glaube, die haben sich beim Label ein wenig mehr erhofft. Die Digi-Auflage ist glaube ich mittlerweile ausverkauft, also das passt alles. Die Platten aber nicht. Sie haben sich gewundert, dass eine Platte, die fast überall gute Reviews hatte, so einen geringen Absatz hatte.

Abortio: Das hat mich auch gewundert. Bei „Nocebo“ war das auch schon so. Da waren Reviewer, die aufgrund alter Label-Geschichten uns vorher boykottiert haben und auf mal waren wir dann bei denen Jahreshighlight und haben 9/10 bekommen. „Urere“ war für mich ein Album, hinter dem ich 100% stehe, wo alles gepasst hat. Auch wenn das verrissen worden wäre, wäre mir das scheißegal gewesen. Ich rechne gar nicht mit nur positiven Reviews. Es muss auch nicht jeder abfeiern. Es gibt so viele Meinungen wie Arschlöcher und ich hab da auch keinen objektiven Blick mehr drauf. Wenn es gut ankommt ok, wenn nicht auch ok. Um den Bogen zum neuen Album zurück zu spannen: Ich könnte auf kein Lied singen, wohinter ich nicht 100% stehe. Ich muss bei den Aufnahmen mich gehen lassen können. Ich denke, das ist auch einer der Gründe, warum wir bei manchen unserer Fans halt ankommen. Die spüren diese Vehemenz, die spüren, das ist was ehrliches und nicht einfach nur „da“.

Shardik: Meine Lieblingformulierung war in einer Review zur „Nocebo“, wo es hieß, dass sich das anhört wie ein „persönlicher Angriff auf den Hörer“. Das soll ja irgendwie auch rüber kommen. Wenn du bei den Aufnahmen deine Aggressionen raus lässt und die Hörer nehmen das wahr, ist das super.

Abortio: Das war bei anderen Reviews auch so. Fast überall stand, dass das was wir machen nicht wirklich neu ist, aber man uns die Leidenschaft abkauft.

Das ist mir eigentlich fast auch lieber: Bands mit gutem Songwriting, als welche die nur Experimente auf Teufel komm raus machen und damit eine richtige Bauchlandung machen. Da drängen sich mir nun schon andere Fragen auf: Woher kommt die Inspiration? Wie kommt ihr bei den Aufnahmen vorher „in Stimmung“? Gibt es bestimmte Rituale bei euch als Band?

Abortio: Also ich war bei den Gesangsaufnahmen schon mal immer nüchtern. Ich brauch aber auch, um es mal so blumig auszudrücken „keinen Schlüssel, um das Tor aufzuschließen“. Das ist bei mir dauerhaft „offen“. Die Musik als Grundbasis und dann kommt der Rest. Ist bei den Aufnahmen auch so. Wenn ich das beim Später-anhören nicht spüre, wird es gelöscht und nochmal probiert. Ich brauch keine Narkotika für Texte oder Aufnahmen, auch wenn vielleicht ein Song mal drüber handelt. Es soll jetzt auch nicht so rüber kommen als wenn ich das verurteile „wie, du kannst deine Songs nur fühlen, wenn du dich ins Delirium begibst?“, aber darauf kannst du dich zum Beispiel spätestens live ja nicht mehr drauf verlassen. Kannst du das dann auch ohne zusätzliche Mittel aufs Publikum transportieren? Davon lebt die Musik ja letzten Endes. Auch wenn du ein super Album machst, du live aber beim Publikum nichts auslöst, weil du die Stimmung nicht transportieren kannst, ist es auch leblos.

Shardik: Ich könnte keine zwei Bier trinken und dann ein Konzert mit 220 bpm durchspielen, weil dann schon die Konzentration nachlässt nach den ersten zwei Songs. Rituale so hab ich eigentlich keine, allerdings bin ich Perfektionist und dadurch, dass wir alle ja getrennt aufnehmen können mit der Technik heute, kann ich da alleine dran arbeiten. Manchmal hab ich kurze Parts, mit denen ich nicht zufrieden bin und die ich dann zwei bis drei Stunden versuche neu aufzunehmen, ohne dass mir jemand genervt auf der Pelle hockt. Ich will da niemand dabei haben und brauch auch einfach die Zeit da für mich. Hab ich auf „Urere“ so gemacht, wird beim neuen Album definitiv auch wieder so.

Stichwort Album, gab es 2017 irgendwelche Veröffentlichungen, die ihr abgefeiert habt?

Abortio: Die neue WOLFBRIGADE.

Shardik: BODYCOUNT? Die haben definitive am meisten rotiert dieses Jahr bei mir.

BODYCOUNT? Lustig, ihr als Black Metaller. Das geht ja schon eher in Richtung Nu-Metal bzw. Rap

Shardik: Ja, na und? Es ist einfach aggressive Musik und die hat einfach ordentlich in die Fresse geschlagen. Die meiste Mucke höre ich im Auto auf dem Weg zur Arbeit.

Seid ihr so in eurem Mikrokosmos, also ihr macht eure Mucke, aber alles außen rum interessiert erst mal nicht sonderlich?

Shardik: Ne, ich bin schon sehr interessiert an neuem Zeug. Manche Sachen hörst du halt nur einmal und das war es dann. Die Dauerbrenner sind dann eigentlich wirklich die alten Sachen. Momentan ist das bei mir echt viel PINK FLOYD und LED ZEPPELIN.

Abortio: Letzte VENENUM oder auch GOATH fallen mir grad noch ein. YOB auch, die hab ich live gesehen, kannte die vorher gar nicht und hab die dann für mich entdeckt.

Shardik: Oh, die neue THE GREAT OLD ONES fällt mir grad auch noch ein! Und auf unserem Label Eisenwald ist was neues von THE FLIGHT OF SLEIPNIR rausgekommen! Ist so doomig, psychedelisches Zeug.

Ich glaub dann brechen wir hier jetzt auch mal ab. Vielen Dank und weiterhin noch viel Erfolg!

Galerie mit 7 Bildern: Krater - De Mortem et Diabolum 2017
Quelle: Krater, backstage (Shardik & Abortio)
14.02.2018

"Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann." - Wau Holland -

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