Misery Index
Misery Index

Interview

Das dritte Album der amerikanischen Death/Grind-Monster entpuppt sich einmal mehr als brutales Brett, das allerdings inhaltlich einige Entwicklungen aufzeigt, die MISERY INDEX in der letzten Zeit durchgemacht haben. Über das neue Album, Politik und dies in Verbindung mit Metal befragten wir Frontmann Jason Netherton, der in vielerlei Hinsicht etwas Licht ins Dunkel brachte.

Misery IndexMoin Jungs! Ich hoffe ihr seid am Ball, wie geht’s?

Hallo! Alles sonnenklar bei uns!

Zu Beginn wäre es super, wenn du uns einfach mal die Unterschiede zwischen “Retaliate“, “Discordia“ und “Traitors“ erläutern könntest. Was ist dein Favorit?

Sicher…auf “Retaliate“ konnte man die Band in ihrer aufkeimenden Phase erleben. Es waren wirklich nur Ich und Sparky, die sich getroffen und komponiert haben – heraus kamen Songs mit wesentlicher Crust/Punk und Old School Death-Schlagseite. Zu dieser Zeit haben wir viel gejammt, woraus ein solider Brocken ohne viel Tiefgang und Variation entstand. Generell sind wir sehr zufrieden damit, da es unsere Anfangsphase als 3-Mann-Band repräsentiert und somit ein wichtiger Bestandteil unserer Geschichte ist. “Discordia“ kann als eine Art Übergangsalbum gelten – wir bekamen Gitarrist Mark und Drummer Adam dazu und nahmen die Scheibe recht schnell nach “Retaliate“ auf, weshalb auch noch deutliche Parallelen zu erkennen sind…Wir mögen viele der enthaltenen Ideen und Ansätze, aber insgesamt ist das Album noch nicht das, was wir wollten. Mit “Traitors“ sind wir endgültig zum Leben erwacht, weil wir viel Zeit hatten uns besser kennen zu lernen, miteinander zu spielen und zu touren, womit wir auch erkannten, zu was wir musikalisch fähig sind. Demzufolge verlief der Songwriting-Prozess Ende des Jahres 2007 reibungslos und sehr produktiv…und das Ergebnis kann sich sehen lassen…die Produktion, um die sich Kurt Ballou(CONVERGE) gekümmert hat, stellt uns zufriedener als wir je zuvor waren.

In meinen Augen ist “Traitors“ metallischer als jedes andere MISERY INDEX-Album bisher. Wie kam es dazu? War es beabsichtigt diesmal mehr nach Metal zu klingen oder hat sich das schlichtweg mit dem Songwriting ergeben?

Primär sind wir schon immer eine Metal-Band gewesen – das zeigt sich deutlich in unserem Sound. Allerdings ist unser Interesse, insbesondere Old School Death Metal-Einflüsse einzubauen in der letzten Zeit enorm gestiegen. Wir entwickeln uns eben auch, aber die Grind und Crust-Parts werden ebenso immer mehr oder minder vorhanden sein. Ich denke mal, das ist einfach eine natürliche Widerspiegelung unsere Einflüsse und ich kann mir gut vorstellen, dass Adam und Mark einen wesentlichen Teil beigetragen haben.

Auf “Traitors“ habt ihr auch einen Gast-Auftritt vom Tomas Lindberg eingebaut. Woher rührt diese Zusammenarbeit?

Wir haben Tomas auf einer Tour mit DISFEAR im Jahr 2006 kennen gelernt…das waren 21 Shows in den USA…es hat viel Spaß gemacht und wir haben den Kontakt weitestgehend gehalten. Als wir dann im Mai 2008 eine weitere Tour in den USA hatten, haben wir ihn in Boston, wo wir aufgenommen haben, gefragt, ob er nicht Lust hat, ein paar Zeilen einzusingen. So entschied er sich dann dafür und es ist wohl überflüssig, wenn ich erwähne, dass es eine große Ehre für uns war.

Neben den gewichtigeren Metal-Passagen, ist “Traitors“ auch deutlich eingängiger ausgefallen als seine Vorgänger. Es beißt sich sehr schnell im Ohr fest – bestand bei euch niemals die Sorge, das Teil könnte vielleicht etwas zu kurzweilig ausfallen?

Ich würde sagen, wenn es in kurzer Zeit gut ist, ist es das auch auf Dauer. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass sich nach mehrmaligem Hören noch einige Details auftun, die man erst nach und nach aufnimmt…trotzdem empfinde ich “catchy“ als keine schlechte Sache.

Würdest du “Traitors“ als typisches MISERY INDEX-Album bezeichnen?

Klar! Wieso auch nicht!?

Hat euer neues Album ein explizites lyrisches Konzept? Wer sind die Verräter?

„Traitors“ ist eine Hetzrede, gerichtet an die permanente amerikanische Angst-Kultur, die jeden Menschen, der Zweifel an dem “Krieg gegen den Terror“ hegt oder diesen in Frage stellt, als un-amerikanisch bezeichnet (Wie Homer sagen würde – „Woo Hoo!“) – oder ,titelbezogener, als Verräter! (DOH!) Wie auch immer, die Klamauk-Geschichte dieser Nation ist eine, die angeblich durch die stete Rebellion und den dauerhaften Widerstand der so genannten Gründungsväter dieser Vereinten Nationen (So wird es uns erzählt) ins Leben gerufen wurde. Ironischerweise würden diese, laut der modernen Definition, selbst als die ultimativen Terroristen gebrandmarkt werden.

Wie viel DYING FETUS ist noch immer in eurer Musik? Ich denke mal, ihr arbeitet noch immer mit vielen Einflüssen dieser Zeit.

Nur noch ich! Ich bin der Einzige, der noch immer in diesem besonderen Stil schreibt, den DYING FETUS damals auszeichnete. Für unser neues Album habe ich drei Songs geschrieben, die womöglich Passagen des typischen DYING FETUS-Stiles aufweisen werden – aber das bin einfach Ich und der Stil, wie ich komponiere. John und Ich, die wir beide einmal bei DYING FETUS aktiv waren, interessieren uns im Kern für dieselbe Musik und fahren auch denselben Stil, wenn es ums Songwriting geht. MISERY INDEX wird kompositorisch mittlerweile größtenteils von Mark kontrolliert – er hat 6 Stücke für die neue Platte geschrieben – womit auch klar sein sollte, dass sich MISERY INDEX wesentlich von DYING FETUS abgekapselt haben sollte.

„Ruling Class Cancelled“ war bereits auf eurer Split mit MUMAKIL zu finden – wie kam das Stück zusätzlich noch auf das neue Album? War das bereits zuvor so geplant?

Nein, wir mochten den Song sehr und Live kam er supergut an. Da die Split sehr limitiert war und, insbesondere in den USA schwer zu bekommen war, haben wir uns dazu entschieden, das Teil neu aufzunehmen und diesem damit noch eine breitere Veröffentlichung zu gewährleisten. Dazu kommt das Lindberg perfekt für den Song ist, hehe.

Ich kenne mich mit der Thematik nur geringfügig aus, aber könntest du mal erklären, was genau der “Misery Index“ ist und warum du dich dafür als Bandname entschieden hast?

Es handelt sich um eine ökonomische Kondition für Nationen…diese nehmen deren Arbeitslosen- und Inflationsrate und kombinieren die beiden Werte für den “Misery Index“. In Wirklichkeit habe ich den Namen aber von der Grind-Band ASSUCK aus den Neunzigern, die tolle Musik gemacht und großartige Lyrics verfasst haben – sie hatten einen großen Einfluss auf uns.

Wir befinden uns ja gerade in der heißen Periode bezüglich des Wahlkampfes in den USA. Es stehen sich Obama und McCain gegenüber. Interessierst du dich dafür – wer hat für dich die Favoritenrolle? Was sollte sich deiner Ansicht nach ändern – was ist überhaupt realisierbar?

Soweit man die Wahlen überblicken kann, ist ein Demokrat immer im Vorteil gegenüber einem weiteren Vertreter von diesem Bush-Ära-Bullshit. Aber die Linke(Obama/Demokratische Partei) hier ist ein schlechter Witz, das sind spießbürgerliche Marionetten, die sich nicht im Geringsten für die Armen interessieren…sie stabilisieren lediglich den Status Quo und greifen den Reichen unter die Arme – und das ist, was man hierzulande als demokratische Politik bezeichnet, die die Klassengesellschaft nur noch weiter fördert. So wird es vielleicht höchstens ein etwas freundlicherer Clinton-Stil, aber in der Essenz wird sich nichts ändern.

Politik und Metal – gehört das deiner Ansicht nach zusammen?

Wenn dich Politik und das alltägliche Leben anpissen, welchen besseren Weg für verbale Frustration und Hass gibt es dann, als den Kanal bösartigen Death Metals? Klingt als ob diese Mischung prima passt.

Da ihr schließlich eine äußerst präsente Live-Band seid, wird es doch sicherlich eine Promotion-Tour für “Traitors“ geben, oder?

Ja, vielleicht für das nächste Jahr, für das Halbe wenigstens…demnach werden wir im Januar und Februar in Europa sein, und zwar mit HATE ETERNAL und AEON – also kommt uns mal besuchen!

Zu guter Letzt, fällt dir etwas besonders Bizarres ein, was dir mal auf der Bühne widerfahren ist?

Hmm, ich bin mir nicht sicher, mir fällt jetzt nichts ein, was sich mit bizarr beschreiben ließe…

Danke für das Interview und Alles Gute für dich, MISERY INDEX und “Traitors“! Die letzten Worte gehören dir!

Vielen Dank!!!

Galerie mit 18 Bildern: Misery Index - Summer Breeze Open Air 2018
28.09.2008

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