Negative
Negative

Interview

Dass wir von Metal.de uns nicht gegen die Welle neuer finnischer Glamgoth Bands wehren können, war abzusehen. Die ungeheure Steigerung, die NEGATIVE mit ihrem aktuellen Album "Anorectic" hingelegt haben, hat mich dann aber doch ziemlich positiv überrascht. Ein Grund, Gitarrist Larry (der für einen Finnen schon erstaunlich viel mit unübersetzbarem RocknRoll Slang um sich warf) mal ein wenig auszuquetschen…

NegativeHi Larry!
Ihr habt vor kurzem eure neue Platte „Anorectic“ veröffentlicht! Was wollt ihr damit erreichen? Ich meine, euch kennt sowieso schon jeder!

Hey, die Welt ist ziemlich groß! Und wir wollen überall hin. Mehr neue Städte, Leute, Gigs, RocknRoll – was gibt es besseres? We won’t stop ‚till we die!

Ich war ganz schon beeindruckt vom Opener „Glory Of The Shame“. Nicht nur dass ihr ganz anders als auf „Sweet And Deceitful“ klingt – wo habt ihr die tiefen RocknRoll Riffs her? Und warum klingt Jonne wie Lemmy Kilmister?

(lacht) Hey, danke! Die Riffs kommen natürlich ganz intuitiv. So, als wenn man sich seine Gitarre holt und damit alle niederschießen will – Jonne macht das dann eben ohne Gitarre.

Und warum kam dann ausgerechnet „Planet Of The Sun“ als erste Single raus?

Ach, in unserem Land sind die Radiostationen voller Weicheier. Sie mögen einfach keinen RocknRoll mit verzerrten Gitarren, und dann gibt es ja auch noch die 3:45 Minuten Obergrenze für die Songlänge. Was für ein Schwachsinn! „Planet“ ist einfach der massentauglichste und wärmste Song der Platte. Mal sehen was wir als nächste Single auskoppeln… (grinst)

Ich muss zugeben, dass ich von eurem letzten Album weniger begeistert war. Deswegen haben mich die Veränderungen in eurem Sound erst recht positiv überrascht. Was denkst du im Nachhinein von eurer letzten Platte?

Ich denke immer noch, dass sie eine Menge hergibt, es ist einfach eine unserer vielen Facetten. „Sweet And Deceitful“ hat eine schöne Stimmung in sich.

Hat die Platte ein bestimmtes Konzept? Der Name „Anorectic“, das versteckte Outro und der Clown auf dem Cover machen irgendwie den Eindruck.

Oh, das wollen wir jedem selbst überlassen. Unsere Musik soll für jeden etwas persönliches haben.

Letztes Jahr hab ich mit Michael Monroe von Hanoi Rocks über neue finnische Glam Rock Bands geredet, und er hat gesagt dass viele – Negative speziell eingeschlossen – noch ihre eigene Identität finden müssten. Glaubt ihr, diese jetzt mit „Anorectic“ gefunden zu haben?

Ja, ein wenig mehr, aber immer noch nicht vollständig. Bands müssen sich mit ihrem Alben einfach in verschiedene Richtungen entwickeln, denke ich. Man soll immer das ehrlich tun, was man gerade tun will – so machen wir das auch.

Okay, nur um es fair zu machen: Gibt es irgendwas, das ihr über Hanoi Rocks sagen wollt? Ich fand die letzte Platte wirklich gut!

Oh, die letzte hab ich nicht gehört, aber ich mag die Band auch. Momentan hör ich oft „Mystery City“ [„Back To Mystery City“, 1983; Anm. des Verfassers].

Du spielst live immer mit ziemlich einzigartigen Gitarren. Wo bekommst du die her? Habt ihr einen Lieblingsfabrikanten?

Ja, haben wir. Wir werden schon seit Jahren vom finnischen Gitarrenbauer Matti Nevalainen unterstützt. Er hat wirklich ein Händchen dafür, künstlerisch hochwertige Dinge aus Holz – und vielen anderen Dingen – zu machen. Außerdem repariert er sie auch immer, wenn irgendetwas kaputt geht. Die Gitarren heißen übrigens „Flying Finn“.

Habt ihr eigentlich irgendwelche lustigen Geschichten von Konzerten auf Lager? Im November kommt ihr ja auch wieder nach Deutschland!

Oh, viel zu viele Geschichten. Wir lieben es überall zu spielen, und das Publikum macht 90% unserer Show aus. Hm… Wie soll ich sagen… Ich frag mich wie wir es nach den vielen Konzerten geschafft haben noch zu leben. Überall sieht man Blut, Messer, Schweiß, Tränen, Emotionen, und jede Menge aufgedrehte Menschen. Wir wissen nicht wo das noch hinführt.

Welche Band, mit der ihr bisher getourt habt, war dir bis jetzt am sympathischsten?

Oh, ich mag die Bandmitglieder von HIM. Das sind ziemlich zuvorkommende und freundliche Menschen. Wir haben zwar nicht so viel Zeit um zusammen herumzuhängen, aber sie demonstrieren immer wieder was es heißt, hart für die Band zu arbeiten und niemals aufzugeben.

Ich hab gelesen, dass ihr – wie viele finnische Bands – ziemlich beliebt in Japan seit! Glaubst du dass sich der japanische Visual Key Fan mit eurer emotionalen Musik und den Glam-Outfits identifizieren kann?

Keine Ahnung. Aber sie scheinen RocknRoll zu lieben! Also sowas wie Guns n‘ Roses oder Aerosmith, die immer noch sehr populär da drüben sind. Vielleicht leben sie so schnell, das sie gar nicht anders können als in ihrer Freizeit die Sau rauszulassen!

Magst du irgendwelche speziellen J-Rock Bands? Viele werden ja auch jetzt in Europa vertrieben.

Nein, ich kenn mich damit nicht wirklich aus.

Ich hab herausgefunden dass es zwei verschiedene Versionen vom „Moment Of Our Love“ Video gibt: Eine deutsche und eine finnische. Was steckt dahinter?

Ach, nichts besonderes. Die Originalversion wurde 2002 oder 2003 gedreht und war deswegen schon ziemlich alt, als die Single in Deutschland erschienen ist.

Plant ihr eigentlich euer erstes Album „War Of Love“ nochmal neu rauszubringen? Viele Fans würden sich sicher freuen!

Nein, denn wenn du die Platte wirklich willst, kannst du sie auch noch bekommen. Von unserem Webstore, oder sonst irgendwo. Wir bewegen uns immer weiter und wollen darin unsere ganze Zeit investieren.

Nebenbei: Glückwunsch dass ihr eure Qualifikationsgruppe für die EM 2008 anführt! Ist es das nächste finnische Ziel Europameister zu werden, jetzt wo Lordi den Grand Prix gewonnen haben?

Ach, ich bin kein Sportfreund, das ist mir relativ egal. Und zu Lordi… Hevillä ei häviä! Schöner Song Contest!

Gut, zum Schluss: Ich weiß dass ihr gerade erst „Anorectic“ veröffentlich habt, aber gibt es schon was zum neuen Album zu sagen?

Nein, es kommt mir komisch vor, schon über das nächste nachzudenken. Aber ich merke dass wir als Band immer heißhungriger werden. Das kann nur gutes bedeuten!

Gut, dann lassen wir das so stehen! Danke für das Interview, die letzten Worte sind dir!

Hey, danke! Und ein „Hallo“ an unsere Seelenverwandten da draußen. Let’s ride this motherfucker to heaven! Danke für all die positiven Mails über unsere letzte Platte. So viel Feedback baut uns richtig auf. Und seid geduldig – der Zug zieht immer weiter…

14.10.2006

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