Omnium Gatherum
Unsere Herzen können im Untergrund bleiben, aber physikalisch sind wir längst über dieses Stadium hinaus

Interview

OMNIUM GATHERUM sind wieder da! Ungefähr ein Jahr nach ihrem letzten Album haben sie nicht nur mich mit ihrem Neuling „The Redshift“ regelrecht überrascht und überfahren – eine wirklich geniale Scheibe. Grund genug in Finnland nachzuhorchen wo der Hammer hängt und was bei dieser Combo im Moment so angesagt ist.

Omnium Gatherum

Was sagen die Fans und die anderen Magazine zu „The Redshift“? Ich schätze ihr habt bisher schon einiges an Rückmeldungen bekommen.

Wir hatten eine bessere Stimmung, als wir dieses Album produzierten und der Rest der Welt scheint zufrieden zu sein. Die positiven Rückmeldungen und das Interesse an uns scheinen mit diesem Album exponentiell zu wachsen. Es wurde ein paar Mal zum Album des Monats und der Woche und das Album selbst startete sogar in den finnischen Album-Charts bis auf Position 24 durch! Ich schätze, dass diese Dinge etwas beweisen. Nachdem es etwas bergab ging, sind wir jetzt zurück, machen mehr melodisches und trotzdem hartes Zeug, da das die Art ist, wie wir es gern haben. Es ist also wie zurück zu unseren Wurzeln, mit einer Menge neuem Zeug, das wir über dem Alten anbieten. Mikael Åkerfeldt würde sagen, dass es wie ein Wendepunkt (auf Englisch „watershed“; Anm. d. Red.) für uns sei… Aber wie immer bei einem neuen Album: Es ist bei weitem die beste und ehrlichste OMNIUM GATHERUM-Veröffentlichung, sie schlägt sogar die „legendäre“ Scheibe „Spirits And August Light“. Natürlich sind wir zufrieden! Und das ist sogar die Wahrheit.

Wofür steht „The Redshift“? Ist da eine tiefere Bedeutung hinter, vielleicht auch in Zusammenhang mit den einzelnen Titeln? Ist es etwa sogar ein Konzeptalbum?

Nun, „The Redshift“ steht zugegebenermaßen für viele Dinge. Zuallererst geht es um Glauben/Vertrauen und (dunkle) Stille (auf Englisch „Dark Tranquillity“; Anm. d. Red.) in schneller, gewaltfreier Vorwärtsbewegung. Also sagt das Album: „Sei mit dir im Reinen und lass die Anderen dich nicht aufmischen!“ Die andere Bedeutung, die es beinhaltet, ist die Tatsache, dass „The Redshift“ eine astronomische Bezeichnung ist, die für das Auseinandertreiben von Galaxien im Universum steht. Also nichts spezielles, nur alltägliches Zeug eben. Es ist kein Konzeptalbum, wie man es sich normalerweise vorstellt. Es gibt Verbindungen zwischen den Liedern, auf kompositorische und lyrische Art, aber es gibt kein sichtbares, zusammenhängendes Ganzes… Oder vielleicht doch. Untersucht das Album und findet es für euch selbst heraus.

Zwischen eurem zweiten Album „Years In Waste“ und dem dritten „Stuck Here On Snake’s Way“ hattet ihr nahezu drei Jahre gefühlter Abstinenz, zumindest ging es mir so. Was habt ihr in diesen Jahren getrieben? Ihr hattet zwei Besetzungswechsel in der Zeit, euer Keyboarder Jukka und euer Sänger Antti verließen die Band. Was passierte zu der Zeit? Hat es etwas damit zu tun, dass euer zweites Album sich nicht so gut verkauft hat (zumindest schien es mir so) und alles etwas stagnierte?

Entgegen der Wahrscheinlichkeit die du ansprichst: „Years In Waste“ hat sich gut verkauft und war ein guter Schub vorwärts. Wir tourten eine Menge in Finnland nach dem Album, spielten in Deutschland und hatten eine UK-Headliner-Tour und ein paar Festivals. Das einzige Betrübliche, das ich eingestehen muss, waren die schlechter ausfallenden Reviews als zu „Spirits And August Light“, da dieses Album überall wirklich großartige Kritiken eingefahren hat. Wir wollten auf „Years In Waste“ etwas Neues und wirklich Anderes ausprobieren, als auf unserem Debutalbum. So wurde es recht progressiv und war ein nicht so leicht zugängliches Album. Aber es gibt dort auch ein paar gute Momente, nur in Sachen Produktion fiel es etwas schlecht aus. Der Gesamtklang ist komisch, zu klar, zu sauber und wirklich kalt. Unsere Besetzung war zu dem Punkt wirklich in Aufruhr und das hat natürlich die neuen Albumsachen ganz schön verlangsamt.
Unser Keyboarder verließ die Band und unser Sänger wurde gefeuert, aufgrund von ein paar Eigenheiten bezüglich der Chemie untereinander. Glücklicherweise stießen Jukka (der neue Sänger hat den gleichen Vornamen wie der gegangene Keyboarder; Anm. d. Red.) und Aapo zu uns und wir hatten schnell den neuen Gang drin und die Dinge begannen wieder zu rollen. Die Bandaktivitäten machten wieder Spaß, was schon recht wichtig ist, nicht?

Eure ersten beiden Alben waren großartig, ich mag sie immer noch. Aber meiner Meinung nach klingt das dritte unterschiedlich. Ich denke, es ist nicht so eingängig, während ihr versucht habt euren Stil weiterzuentwickeln, ohne die alten Tage aus den Augen zu lassen. Euer neues Album klingt wiederum anders. Ich denke ihr habt euch auf neue, positive Wege begeben. Was hat sich dieses Mal verändert und warum?

Das „Stuck Here On Snake’s Way“-Album war gewissermaßen zweigeteilt, da wir es mit zwei Besetzungen komponiert haben. Die eine Hälfte wurde mit Antti und die andere mit Jukka an Bord komponiert, also ist das Album als Ganzes nicht so ausbalanciert. Außerdem wurden die Lieder auf „SHOSW“ über eine lange Zeit geschrieben, das ist auch eine Sache, die das Album beeinflusst hat.

„The Redshift“ ist eine andere Geschichte. Es dauerte nicht lange es zu erschaffen und die Chemie untereinander war dieses Mal wesentlich besser, wir hatten sogar Diskussionen, wo wir nach „SHOSW“ hin wollten. Wir wollten das neue Album melodischer und eingängiger gestalten. Also war es der natürliche Weg auf „The Redshift“ aufzuspringen und es den ganzen Weg entlang zu reiten.

Meiner Meinung nach hatte „Stuck Here On Snake’s Way“ größere Wechsel zwischen den harten und melodischen Teilen, als die ersten beiden Alben. Auf „The Redshift“ seid ihr diesen Weg weitergegangen und dieser Wechsel ist sogar extremer geworden. Habt ihr gezielt darauf hingearbeitet, mehr Unterschiede und mehr Abwechslung in eure Lieder und euren Stil zu bekommen?

Die Lieder vom neuen Album sind völlig natürlich gewachsen, so wie sie eben sind, und es gab keine Art von Plan für jedes Lied. Es gibt eine Menge Abwechslung und unterschiedliche Stimmungen auf dem Album, das ist alles…

Wie denkst du im Nachhinein über die Arbeit mit Nuclear Blast? Wie sieht es mit Candlelight aus? Geht es dort genauso zu, funktioniert alles besser, ist es sogar komplett anders im Vergleich mit NB?

Das ist das zweite Album, das wir mit Candlelight veröffentlicht haben, die Dinge laufen gut und werden ständig besser. Es gibt über Nuclear Blast nichts zu sagen, dieses Thema gehört der Vergangenheit an.

Verglichen mit anderen finnischen Bands: Wo siehst du euch mittlerweile? Ich meine nach zehn Jahren Bandgeschichte und vier Alben auf zwei bekannten Metallabels kann man euch wohl kaum als eine Band beschreiben, die mit dem tiefsten Untergrund verwurzelt ist.

Wir haben hart gearbeitet und gespielt und sind in der glücklichen Position Alben veröffentlichen zu können. Unsere Herzen können im Untergrund bleiben, aber ich schätze physikalisch sind wir längst über dieses Stadium hinaus. Ich schätze wir haben den „Untergrund-Status“ verloren. Zumindest jetzt, nachdem unsere letzten beiden Alben die Top 40 der finnischen Album-Charts erreicht haben… Es ist eine natürliche Entwicklung für eine Band, die gewillt ist, hart zu arbeiten und Opfer für die Götter des Metal zu bringen.

Was sind eure Pläne für die nächste Zukunft? Gibt es sogar konkrete Pläne für eine Europa-Tour inklusive Deutschland?

Wir haben gerade eine große und erfolgreiche Europa-Tour als NILE- und GRAVE-Support hinter uns und sitzen im Moment auf der Fähre zurück nach Finnland. Das Nächste was ansteht, ist die „Riding The Redshift In Finland“-Tour und danach gibt es ein paar Pläne für mehr Touren in der nächsten Zukunft. Und das neue Album ist auch in Sicht! Alles ist ausgelastet und das ist gut.

Welche Bands sind denn momentan in Finnland total angesagt?

Die BEATLES, PAVAROTTI, BEETHOVEN und natürlich BEHEMOTH.

Was sind die Alben, die ihr momentan am Meisten mögt?

Unsere Tour-Favoriten im Bus waren: 80er AOR und 90er, sprich KANSAS, JOURNEY, ASIA, TOTO, TEARS FOR FEARS, TOM PETTY, ERIC CLAPTON, SIELUN VELJET und das obligatorische Metal-Zeug wie BLACK SABBATH, die neue ENSLAVED, die neue THE HAUNTED und IN FLAMES…

Die letzten Worte gehören dir:

Der Fluch von King Kong kommt, um euch alle zu töttöröö! Man sieht sich auf Tour, kauft die Alben damit wir uns etwas zu essen kaufen können. Over and out!

Galerie mit 20 Bildern: Omnium Gatherum - Rockharz 2019
17.10.2008

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