Sadako
Sadako

Interview

SADAKO aus Österreich spielen eine sehr eigenwillige Mischung aus sphärisch rhythmusbetontem Drum’n’Bass und fetten Metalriffs. Klar, dass solch eine Band ideal für ein Interview ist. Marx (v) und Benji_D (b) haben sich freundlicherweise bereiterklärt, mir einige Fragen zu beantworten. Erfahrt mehr über Marx‘ Beziehungsunfähigkeit und dem ausgeprägten Asia Tick der Band.

SadakoHallo Leute!
Nach eurem ersten Demo „Papa’s gonna bomb you…“ (welches mir leider nicht bekannt ist) ist nun eure erste CD „Bedtime Stories“ erschienen. Wie sind die Reaktionen bisher? Ich kann mir bei eurer Stilmischung gut vorstellen, dass ihr die Presselandschaft polarisiert.

Benji_D:
Im Grossen und Ganzen kommt „Bedtime Stories“ sehr gut an. Sowohl bei den meisten Magazinen als auch bei den Leuten. Natürlich gibt es auch Diejenigen die sich an unserer Musik stoßen!

Marx:
Es ist ja an und für sich gut wenn man extreme Reaktionen erhält. Das heißt dann für mich dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es gibt ja nichts Schrecklicheres als wenn die Leute sagen würden „die Musik ist ganz nett“.

Stilistisch ist eure Scheibe also nur schwer zu kategorisieren und kaum in irgendwelche Schubladen zu stecken. War dieser eigene Stil von Anfang an eure Vision von SADAKO oder hat sich dies erst die letzten beiden Jahre herauskristallisiert?

Benji_D:
Wir wollten von Anfang an etwas Eigenes produzieren. Sich von der Masse abheben. Wir sind der Meinung wenn du Erfolg haben willst, musst du eine Stilrichtung, die es schon gibt, so gut spielen wie kein Anderer, oder du spielst so eigen wie kein anderer. Entwickelt hat sich das ganze aus einer Mischung aus New-Metal und Elektro (Papa´s gonna bomb you DEMO). Doch das ganze hat uns nicht vom Hocker gehaun und darum gab es auch kein Release.

Marx:
Tom-Fu und ich spielen jetzt schon 8 Jahre gemeinsam in Bands und es war eigentlich immer das Streben nach Eigenständigkeit unser oberstes Credo – da hat es sich gut getroffen mit Benji_D und neuerdings auch Lei_Da die richtigen „Partners in Crime“ zu treffen denn so was geht natürlich nur wenn du an einem Strang ziehst.

„Bedtime Stories“ hat teilweise eine sehr verstörende Stimmung und macht einen insgesamt surrealen Eindruck. Hattet ihr Probleme eine solch ungewöhnliche Stimmung zu schaffen oder war dies einfach nur das logische Ergebnis eurer Arbeit?

Benji_D:
Die Stimmung auf „Bedtime Stories“ ist gewollt verstört und surreal. Wir haben mit solchen Stimmungen kein Problem. Es ist nur etwas schwierig die Dosierung zu steuern um es nicht zu überladen.

Marx:
Wahrscheinlich sollten wir uns darüber in einer Gruppentherapie Gedanken machen. 😉
Nein, eigentlich geht das alles ganz von selbst. Wir müssen uns oft bremsen dass wir nicht zu sehr in diese Stimmungen absinken damit es für den Hörer nachvollziehbar bleibt.

Auf eine seltsame Art und Weise besitzen einige Songs, trotz der ungewöhnlichen Stimmung, eine gewisse Massenkompatibilität. Wie ist das zu erklären und habt ihr diese Songs „bewusst“ auf ein leicht kommerzielles Potential getrimmt?

Benji_D:
Wir brauchen auch Songs für die Frauenwelt(REDHAT)! Oder? Nein Spaß beiseite! Wir wollten nicht zu abgedreht rüberkommen (z.b.: wie FANTOMAS)!

Marx:
Also ich liebe Fantomas!
Bewusst auf Kommerz haben wir nichts getrimmt. Wir haben unsere klaren Vorstellungen wie unsere Musik zu klingen hat, und wollen diese mit möglichst vielen Leuten teilen, wollen uns aber nicht um jeden Preis anbiedern.

Ich persönlich bin sehr offen für neue Klänge und Ideen. Doch euren rein elektronischen, rhythmischen Instrumentalzwischenstücken „Man on Ether“ und The Fallen“ konnte ich gar nichts abgewinnen. Ich finde auch, dass diese im Gesamtkontext der Scheibe etwas deplaziert wirken. Wie siehst du das und was hat euch dazu bewogen, diese Stücke zu Schreiben und auf „Bedtime Stories“ zu verfrachten?

Benji_D:
Da fragst du den falschen! Ich bin für 98 % der Interludes verantwortlich! (Man on Ether, The Fallen, Absinthe Upgrate, etc). Die Idee war die Songs in 3 er Packs zu splitten und das ganze mit den Interludes zu trennen. Es sollte das Gesamtgefüge der CD auflockern.

Marx:
Diese Interludes sind als Entspannungsphase zwischen den eigentlichen Nummern zu sehen. So wie bei Büchern die zwei Kapitel mit (Auszügen aus) Gedichten trennen. Der Hörer soll dadurch die Zeit gewinnen sich noch mal über das vorher gehörte Dreierpack Gedanken machen zu können. Ich empfehle die Skip-Taste für diejenigen die damit nichts anfangen können!

Was genau steckt hinter den Texten? Grob beschäftigen sich diese ja mit Beziehungsgeschichten. Handelt es sich hierbei um eine Art Vergangenheitsbewältigung oder sind es rein fiktive Gedanken?

Marx:
Die Texte sind hauptsächlich fiktiver Natur. Allerdings lasse ich immer etwas persönliches einfließen. Man kann sie also auch als „Gegenwartsbewältigung“ ansehen. Allerdings müssen die Hörer schon ziemlich tief graben um da wirklich den „realen Kern“ zu erfassen!
Neulich meinte jemand zu mir, dass ich nicht Beziehungsfähig sei – wahrscheinlich schreibe ich deswegen so gerne über dieses Thema! 😉 Es fühlt sich für mich auf jeden Fall besser an als darüber zu schreiben wie hart das Leben ist- wie es momentan viele österreichische Bands tun. Ich kann das nicht nachvollziehen denn eigentlich geht es uns sehr gut hier. Wirkliche Probleme macht man sich doch eh nur selbst und das liebend gern in Beziehungen – wo wir wieder beim Thema wären!

Wie wichtig ist euch diese musikalische Eigenständigkeit?

Benji_D:
Es ist das wichtigste überhaupt. Wenn ich heute den Radio anmache und ich höre Juli, Silbermond oder wie der ganze Mist heißt krieg ich Aggressionen! Alles klingt gleich keiner hat irgendwelche innovative Ideen! Am traurigsten ist es aber das die Plattenfirmen das Ganze auch noch unterstützen! Na ja Leider!

Marx:
Ja was willst du machen, die goldenen 60/70 sind vorbei! Wenige sind noch bereit sich mit der Musik wirklich intensiv zu befassen. Die Leute wollen irgendeinen Flachen Mist der sie in den Schlaf lullt. Die Kunst bleibt da auf der Strecke.
Meines Erachtens ruinieren sich die Plattenfirmen mit der derzeitigen Methode selbst! Sie haben überhaupt keine Stars mehr die konstant gute Scheiben abliefern sondern nur noch diese austauschbaren Sternchen die sie zwei Jahre melken und sie dann frustriert sterben lassen. Da will ich auch ehrlich gesagt nicht mitmachen und liebe daher unsere Freiheit Dinge auszuprobieren ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen!

Wovon handelt eure Phantasy-Story „La Ultima Hora“, von welcher das erste Kapitel auf „Bedtime Stories“ zu hören ist?

Marx:
„La Ultima Hora“ ist an klassische Heldenepen angelehnt. Wir erleben eine Welt die unter der Herrschaft einer Bestie dahinsiecht. Ein Orakel verspricht aber Erlösung durch die Geburt eines Kindes. Und damit wird’s spannend. Der Diktator will natürlich alles daran setzen sich dieser Bedrohung zu entledigen und schickt Truppen aus um nach dem Mädchen zu suchen. Einer der Soldaten erkennt aber die Chance und rettet das Mädchen und dessen Mutter.

Soweit so gut wie es weitergehen wird kann ich noch nicht verraten. Ich verwende für diese Geschichte allerdings sehr viele Zitate aus der Bibel um das Ganze den richtigen „Märchencharakter“ zu geben ohne jetzt zu kitschig zu werden. Außerdem werde ich auch noch ein paar Theorien von Erich von Däniken, der ja meint Gott bzw. die Götter waren außerirdische Astronauten, aufgreifen. Je abgedrehter desto besser.

Wird „La Ultima Hora“ auf der nächsten Scheibe fortgesetzt? Habt ihr schon mal daran gedacht, ein komplettes Konzeptalbum herauszubringen, welches von Anfang bis Ende eine komplette Story erzählt?

Benji_D:
„La Ultima Hora“ wird auf der nächsten Platte fortgesetzt. Die Idee von einem Konzept Album liegt bei uns schon länger im Raum.

Marx:
Ich liebe Konzeptalben über alles! Seien sie nun von KING DIAMOND, GENESIS, AYREON oder zuletzt auch von COHEED AND CAMBRIA und DIARY OF DREAMS. Ich will seit ich Musik mache unbedingt Konzepte ausarbeiten, fand meine bisherigen Ideen allerdings zu schwach. Jetzt bin ich mit „La Ultima Hora“ einfach ins kalte Wasser gesprungen und hab den Grundstein für eine längere Konzeptgeschichte gelegt. Diese Geschichte wird sich über mehrere Alben erstrecken und wird den Abschluss in einem kompletten Konzeptalbum finden. Ich finde diese Lösung einfach spannender für mich und auch für unsere Hörer. Es gibt mir Zeit die einzelnen Aspekte der Geschichte längere Zeit auf mich wirken zu lassen um somit wirklich sicherzugehen keinen halbgaren Schnellschuss abzuliefern. Für Anregungen bin ich allerdings immer offen! Also wenn wer eine abgefahrene Idee hat – schreibt mir bitte.

Woher kommt eigentlich euer unübersehbarer Asia-Tick? Wo liegt die Faszination für die östliche Kultur?

Benji_D:
Das ist so eine Geschichte. Marx (Vocals) und Ich fahren total auf asiatische Horrorfilme ab. Unser Hauptinteresse liegt dabei auf Japan. Mich persönlich Interessiert auch deren Okkulte und Frauen.

Marx:
Einerseits hat Japan diese unheimlich alte furchterregende mit Mystik überladene Geschichte, andererseits versinkt die heutige Kultur dort im Kitsch. Ich finde den Aspekt dieser Gegensätze sehr interessant!

Auf eurer Homepage steht eine Erklärung eures Bandnamens. Dort konnte ich auch erfahren, das es zwei Mädchen Namens SADAKO gibt, die euch dazu bewogen haben diesen Namen anzunehmen (siehe www.sadakomusic.com). Allerdings hat sich mir nicht wirklich erschlossen, warum ausgerechnet diese beiden Mädchen ausschlaggebend dafür waren. Eine Erklärung wär lieb 🙂

Marx:
Wir wollten unbedingt einen Mädchennamen weil wir unsere Band als unser Kind ansehen und das braucht natürlich einen richtigen Namen!

Benji_D:
Die suche nach einen geeigneten Namen war nicht einfach. Warum wir uns für den Namen SADAKO entschieden haben sind folgende:
1. Sadako bedeuted „Tugendhaftes Kind“.
2. Sadako verbindet die zwei Seiten des Seins:

Die Böse Seite (Sadako Yamamura/The Ring)
Die Gute Seite (Sadako Sasaki/Kranichbraut)

Beide, natürlich, Japanerinnen. Man könnte jetzt sagen ist SADAKO eher böse oder eher gut.
Oder vielleicht beides. Das liegt immer im Auge bzw. Ohr des Betrachters bzw. Hörers.
Reine Schizophrenie! Wie unsere Musik eben. Ist sie leicht kommerziell oder nur abgefahren und böse?!?

Marx:
Aber auf jeden Fall tugendhaft! 😉

Ungewöhnliche Musik erfordert eigentlich auch eine ungewöhnliche Show. Wie laufen eure Live Auftritte ab? Spielt ihr überhaupt gerne vor Publikum?

Benji_D:
Das Live spielen ist für uns immer ein Erlebnis und immer mit einem enormen Aufwand verbunden. Da wir sehr viel Synthese verwenden müssen wir immer mit Computern arbeiten. Das macht es nicht einfach! Aber wir spielen sehr gerne live und versuchen immer wieder eine neue Show zu bringen. Momentan arbeiten wir an eine neue Live Show, die wird es in sich haben!

Marx:
Ja und manchmal zündet der benji sich auch an! Auf jeden Fall gibt’s für die ersten Reihen immer Absinth.

Was steht in Zukunft in Sachen SADAKO an?

Benji_D:
Zu Zeit ist es eher ruhig bei uns. Wir arbeiten gerade an unserer nächsten Platte und an unserer Live-Performence. Sind nach wie vor auf der Suche nach einer Plattenfirma die uns produzieren würde.

Marx:
Wir suchen vor allem auch ein Management, vor allem in Deutschland ist es sehr schwer für uns Live-Gigs an Land zu ziehen! Also wenn sich einer berufen fühlt bitte melden!

Zum Ende noch eine Frage, die mich persönlich seit langem beschäftigt. Aus welchem Film ist das Sample am Anfang von „Tides“. Ich kenne es, komme aber seit Wochen nicht drauf woher das stammt. Erlöse mich doch bitte von der Qual des Unwissens 🙂

Benji_D:
Das find ich lustig! Ich quäle gerne Menschen! Nee! Das Sample ist von Leslie Nielsen (Nackte Kanone). Ich hoffe du kannst jetzt wieder ein wenig schlafen!

Marx:
Frank Drebin – der ultimative Retter der Menschheit!

Damit wären wir auch schon am Ende. Danke für das Interview, die letzten Worte sind dein!

Marx:
Vielen Dank auf jeden Fall fürs Interview! Checkt die CD „Bedtime Stories“ an und lasst uns auch bitte über die Homepage Feedback zukommen! Wir versuchen wirklich alles daran zu setzen uns mal live auf deutschen Bühnen zu zeigen!

01.07.2005

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