Sinner
40 Jahre in diesem Business überlebt!

Interview

Unglaubliche 40 Jahre gibt es bereits SINNER! Pünktlich zum Jubiläum erscheint auch mit „Brotherhood“ ein neues, zwanzigstes Studioalbum. Wir sprachen darüber im Interview mit Gitarrist Tom Naumann.

Sinner – Brotherhood – Cover Artwork, Artwork by 123RF GmbH / W. Cliff Knese (Terrafolio)

Zunächst die wichtigste Frage – wie geht es Mat? Er war ja leider in acht verschiedenen Krankenhäusern für über ein Jahr. Ist er wieder Zuhause? 

Danke der Nachfrage. Mat geht es soweit gut und er ist endlich wieder nach langer Zeit zu Hause. Ich gehe davon aus, dass wir bald wieder regelmäßig von ihm hören werden.

Mit „Brotherhood“ habt ihr gerade ein neues Album rausgebracht, pünktlich zum 40. Bandjubiläum! Wie geht’s euch damit? Wie fühlt es sich an, bereits so lange mit SINNER Teil der Szene zu sein?

Erst einmal denke ich, dass das schon ein ganz schönes Brett ist, wenn man 40 Jahre in diesem Business überlebt. Es ist natürlich schön, wenn man in dieser Rock- und Metal-Community sein Standing hat und man so viele schöne Dinge erleben durfte. Wir haben ja auch unzählige Freunde und wundervolle Personen kennenlernen dürfen. Wir freuen uns natürlich darüber, dass wir immer noch ein Teil der Szene sind, gehen aber mit Demut damit um.

Was waren aus deiner Sicht die Höhepunkte, was die Tiefpunkte in 40 Jahren SINNER?

Wenn man so lange dabei ist, gibt es natürlich viele Up and Downs. Es kann ja leider nicht immer nur nach oben gehen. Warum eigentlich nicht? Was die Höhepunkte und Tiefpunkte in all den Jahren waren kann ich natürlich nur aus meiner Sichtweise beschreiben. Bei Mat gehe ich davon aus, dass mein Einstieg in die Band sein Höhepunkt war. Na ja, vielleicht auch eher Tiefpunkt hahaha! Für mich war natürlich der 4. Januar 1988 ein Höhepunkt, da dies meine erste SINNER Show auf der „Dangerous Charm“ Tour in Kopenhagen war. Weitere Höhepunkte waren sicherlich die Tourneen mit MR. BIG und DEEP PURPLE, so wie unser erster Chart Einstieg mit „Nature Of Evil“. Mein persönlicher Tiefpunkt war damals, dass ich die Band 2006 aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste.

Das neue Album „Brotherhood“ zeigt SINNER, nachdem auf „Santa Muerte“ noch Sängerin Giorgia Colleluori sehr viel vom Gesang übernommen hatte, wieder als Quartett. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Das war ursprünglich überhaupt nicht so geplant. Wir hatten ja aber seit Mitte 2020 die Pandemie und so musste jeder erst mal schauen wo er persönlich bleibt. Giorgia hat in Italien ihre eigene Band und leider haben sich diesmal unsere Termine überkreuzt, so dass es nicht möglich war, Giorgia öfters in die neue Scheibe zu integrieren. Ich gehe aber davon aus, dass man sie bald wieder öfters bei uns hören wird.

Der Titel „Brotherhood“ ist Programm und bezieht sich auf eure Freundschaft innerhalb der Band. Was macht eure Beziehung untereinander aus und wen zählt ihr da alles dazu?

Der Titel „Brotherhood“ bezieht sich nicht nur alleine auf die Freundschaft innerhalb der Band. Ich kenne Mat natürlich jetzt auch schon fast 40 Jahre und mache auch mit Markus (Kullmann, Schlagzeuger bei SINNER, Anmerkt. d. Verf.) seit zehn Jahren gemeinsam in einer anderen Band Musik. Und wir verbringen nicht nur, wenn es um Musik geht, unsere Zeit miteinander, sondern sind auch viel im Privatleben zusammen unterwegs. Der Titel beziehungsweise das Album entstand ja auch während der Pandemie. Da hatten wir ja praktisch Berufsverbot, was die Live Spiel Situation anging. Das hat nicht nur die Band betroffen, sondern die ganze Musik Szene. Das ging von den Musikern über die Techniker, die Busfahrer und die Nightliner Firmen bis hin zu den Booking-Agenturen, Catering, Plakatierer und Security. In diesen Branchen haben wir mittlerweile eben auch Freunde und Bekannte. Da hat man dann schon gespürt, dass die ganze Szene etwas enger zusammenrückt und man hat auch versucht sich gegenseitig zu helfen. Was ich sehr beeindruckend fand.

Seit „Tequila Suicide“ und danach „Santa Muerte“ sind Cover und teilweise auch Texte von Mittelamerika geprägt. Auch das Cover von „Brotherhood“ erinnert an den Tag der Toten, einem mexikanischen Feiertag. Fühlt ihr euch mit Mittelamerika/Mexiko besonders verbunden? Welche Idee steckt dahinter?

Die Idee zu „Tequila Suicide“ kam eher nach einer durchzechten Nacht an der Hotelbar während der „Rock Meets Classic“ Tour. Am nächsten Morgen als wir alle etwas verkatert am Frühstück saßen, fiel eben diese Spruch. „Man, that was a Tequila Suicidal last night“. So ist immerhin der Titel entstanden. Zu diesem Zeitpunkt hatten Mat und ich auch eine Serie namens „Dark Tourist“, die wir gerne angeschaut haben. Dabei geht es eben um mysteriöse Plätze und Dinge, Die man normalerweise als Urlaubsorte nicht unbedingt auswählt. Da gab es dann auch einen Bericht über den Tag der Toten in Mexiko. Das hat uns sehr inspiriert. Als wir nun musikalisch eine etwas andere Richtung als auf den letzten beiden Scheiben eingeschlagen haben, wollten wir aber nicht gleich alles komplett ändern. Daher sind wir, was das Cover angeht, unsere Linie erst mal treu geblieben.

Sind die drei Alben konzeptionell irgendwie miteinander verbunden?

Nein, bis auf die drei Cover und der Band, sind die drei Alben nicht miteinander konzeptionell verbunden. Wir haben ja auch mit „Brotherhood“ eine andere musikalische Richtung eingeschlagen und auch textlich sind wir weg von den letzten beiden Alben. Dieses Mal sind die Texte sehr positiv aber auch nachdenklich gehalten.

Haben die Texte auf „Brotherhood“ auch einen Bezug auf Mittelamerika? Wovon handeln die Songs?

Die Songs auf dem neuen Album handeln von Freundschaft, Zusammenhalt und niemals aufgeben. Das Album wurde ja auch geschrieben, als wir mitten in der Pandemie waren. Das war für viele unserer Mitmusiker und auch Mitmenschen eine verdammt schwere Zeit. Wir wollten da mit positiver Energie etwas bei unseren Freunden und Umfeld bewirken. Daher handeln die Texte vom nicht unterkriegen lassen und immer wieder aufstehen. Positiv denken und nicht aufgeben sollte allerdings auch in der DNA jedes Menschen stecken, genauso wie sich gegenseitig zu helfen, wenn es jemandem mal nicht so gut geht und er Hilfe benötigt.

Dieses Mal haben Mat und du zusammen produziert. Was könnt ihr uns von den Aufnahmen und der Produktion erzählen?

Ursprünglich war es geplant, im Mai 2021 ins Studio zu gehen. Dies wurde aber leider hinfällig, sodass wir uns zeitlich neu orientieren mussten. Wir gingen dann Anfang Oktober nach Kempten ins Backyard Studio unseres Tour-Managers Basi Röder und haben dann dort die Drums aufgenommen. Dann haben Alex Scholpp und ich unsere Rhythmus-Gitarrenspuren in unseren Studios daheim aufgenommen. Für die Leadgitarren sind Alex und ich Anfang November dann wieder nach Kempten gefahren. Dort haben wir vier Tage zusammen verbracht und hatten eine sehr produktive, kreative aber auch sehr lustige Zeit. Gott sei Dank hatten wir vor den Aufnahmen schon richtig gute Demoversionen von allen Songs vorliegen und so konnten wir die Bass- sowie Gesangsspuren von Mat übernehmen. Dabei haben uns Mitch Kunz vom Apollo 13 Audio in der Schweiz und Ralf Scheepers beim Editieren geholfen. In der Zeit zwischen Oktober und Dezember haben unsere Gastmusiker ihre Parts gesendet. Danach haben wir alle Spuren zu Jacob Hansen nach Dänemark geschickt um das Album abzumischen.

Wie beurteilt ihr selbst „Brotherhood“ innerhalb eurer langen Liste an Alben?

Ich denke, dass wir wieder ein sehr starkes Album an den Start gebracht haben und es sich sicherlich nicht vor den anderen Alben in unserer langen Historie verstecken muss. Da ist natürlich unser neuestes Ding ist, ist man im Moment auch etwas stolzer auf das Album als auf die älteren Scheiben. Ich denke aber, dass das ganz normal ist und wir freuen uns schon darauf, die Songs live präsentieren zu können und natürlich auch auf die Reaktionen unserer Fans.

Wieder haben zahlreiche Gäste am neuen Album mitgewirkt. Nach welchen Gesichtspunkten hattet ihr diese ausgesucht und welchen Beitrag haben diese?

Da wir ja schon etwas länger im Musik Business unterwegs sind haben wir natürlich auch jede Menge Freunde unter den ganzen Musikern und Bands. Wir haben dann einfach ein paar von ihnen gefragt, ob sie Lust hätten auf unserem neuen Album mitzuwirken. Die Anfrage stieß auf große und positive Resonanz und zu haben wir nun ein paar wirklich gute Musiker und Sänger auf „Brotherhood“ vereint. Wobei ich sagen muss, dass die Zusammenarbeit sensationell gut und sehr entspannt ablief.

Was habt ihr in nächster Zukunft alles geplant?

Das Album kommt ja Mitte Juli raus und dann schauen wir mal, wie die Reaktionen sein werden. Mittlerweile laufen schon die ersten Gespräche bezüglich einer Tournee im Herbst/Winter, aber da müssen wir erst mal abwarten, wie sich alles weiterhin entwickelt und ob es überhaupt möglich sein wird auf Tour zu gehen.

Danke an unsere Fans für den jahrelangen Support. Hört euch das neue Album an. Ihr werdet nicht enttäuscht sein.

Stay safe, stay sane and celebrate life

Galerie mit 22 Bildern: Sinner - The Santa Muerte Release Shows 2019 in Mannheim
11.08.2022

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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1 Kommentar zu Sinner - 40 Jahre in diesem Business überlebt!

  1. TrVeManSchoh sagt:

    Kleine Korrektur: Mexiko liegt in Nordamerika.