Slough Feg
Videorekorder mit Laserstrahlen - Interview mit Mike Scalzi

Interview

Slough Feg

SLOUGH FEG ist in der Tat eine der wenigen Bands, die immer hochwertige Alben veröffentlicht, von der breiten Öffentlichkeit aber weitestgehend ignoriert wird. Mit “Digital Resistance” hat das Quartett um Frontmann Mike Scalzi aber wieder einmal völlig eigenständige, kauzige Kost auf den Tisch gezaubert. Keine Frage, dass wir uns den Sänger zum kurzen Interview geschnappt haben und ihm ein paar Fragen zum neuen Album, einer möglichen Tour und den abermals überschwänglichen Reviews gestellt haben. Mike selbst traut den ganzen positiven Reviews nicht so recht über den Weg, dabei hat “Digital Resistance” doch völlig zu Recht so gut abgeschnitten, oder?

Slough Feg

Hat sie? Bislang habe ich einige nicht so prickelnde Reviews gelesen, wirklich schlechte waren aber nicht dabei. Ich bin ganz ehrlich, ich schätze die Loyalität der Leute gegenüber Undergroundbands ungemein. Auf der anderen Seite habe ich manchmal das Gefühl, dass man nicht immer ganz ehrlich ist bei einem Review zu einer Band mit Kultcharakter. Einige Journalisten neigen dazu gleich mit Superlativen um sich zu schmeißen, nur weil diese Band besonders ‘true’ oder ähnliches ist. Was auch immer das heißen mag. Ich weiß, dass es sich immer eigenartig anhört, wenn Bands über ihr neues Album sagen, dass es das bislang beste ihrer Karriere ist, aber ich liebe unsere neue Platte. Allerdings hat das Album, wie die meisten anderen auch, einige Schönheitsfehler. Ich denke, dass manche SLOUGH FEG Fans von der Ausrichtung der letzten Platten nicht sonderlich angetan waren, weil sie weniger ‘Metal’ enthielten. Das soll jetzt nicht zu negativ klingen, denn ich bin wirklich sehr zufrieden mit der Rezeption von “Digital Resistance”. Ich hoffe nur, dass die Leute das Album nicht alleine aus Loyalität bejubeln, sondern weil sie die Musik wirklich genießen.

Worin besteht denn der Unterschied zu den Vorgängern, die zwar allesamt gut, aber keine überragenden Kritiken einfahren konnten?

Siehst Du? Das ist es, was ich meine. Das Album hat gar kein Mehr an positiver Kritik bekommen. Faktisch gesehen hat “Down Among The Dead Men” wesentlich bessere Kritiken eingefahren und das meiner Meinung nach völlig zu Recht. Ich bin der Auffassung, dass dieses Album unser bestes ist und das ganze Lob absolut verdient hat. Allgemein würde ich aber nicht sagen, dass “Digital Resistance” bessere Kritiken bekommen hat. Es läuft bei unseren Alben immer so, dass die Leute ein neues in den Himmel loben…bis die nächste Platte erscheint, dann ist diese die stärkere (lacht). Abgesehen von “Traveller” war das wirklich bei jeder neuen Veröffentlichung seit “Atavism” so. Ironischerweise wurde gerade bei unserem beliebtesten Album “Traveller” überall geschrieben, dass “Down Among The Dead Men” das bessere Album ist. Ich kann Dir also gar nicht explizit erklären, wie die Leute immer wieder darauf kommen. Das ist seltsam, aber auch sehr menschlich und vorhersehbar.

Dann lass uns doch über die Platte sprechen. Neben Deiner Vorliebe für die Siebziger bereichern auch andere Einflüsse den Sound von SLOUGH FEG. Das eröffnende Lick von “Ghastly Appendage” beispielsweise klingt sehr nach VOIVOD.

Ja, da stimme ich Dir zu einhundert Prozent zu. Ich nenne es Voi-Vaudeville und ich finde, es klingt total nach Heavy Metal (lacht). Die Einflüsse aus den Siebzigern kann ich natürlich nicht verleugnen und will das auch gar nicht. Immerhin waren sie schon immer Bestandteil unserer Musik, wobei ich aber nicht finde, dass sie auf dem neuen Album präsenter als auf unseren anderen Platten sind. Ich weiß nicht, wie die Leute darauf kommen (lacht).

Da gebe ich Dir Recht. Würdest Du eure Musik denn weiterhin als Heavy Metal beschreiben oder sind SLOUGH FEG mittlerweile einem anderen Genre zuzuordnen?

Meiner Meinung nach spielen wir Rockmusik, wobei ich Heavy Metal aber als eine Unterart der Rockmusik sehe. Von daher passt Heavy Metal genauso gut wie Rockmusik, aber wen interessieren schon Kategorien?

Naja, gänzlich ohne geht es leider auch nicht.

Stimmt.

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In einem Interview hast Du gesagt, dass Du eure zukünftigen Cover gerne in dem Stil von “The Animal Spirits” hättest. Nun habt ihr aber wieder ein eher typisches Heavy Metal Artwork für die Platte. Wie kam es zu diesem erneuten Stilwechsel?

Die Idee dahinter war, dass unsere Cover etwas rauer und grober aussehen sollten. Ich bin aber mit der Arbeit von Martin Hanford sehr zufrieden. Das Cover zu „The Animal Spirits“ habe ich selbst angefertigt und es drückt genau das aus, was ich mir für die Platte vorgestellt hatte. Ich fand die Idee, unsere Artworks etwas simpler zu halten gut, bin aber für das neue Album davon abgewichen, weil ich mich nicht wiederholen möchte. Das neue Artwork sollte in die Richtung von “Twilight Of The Idols” gehen und ich denke, dass Martin das gut gelungen ist.

Das Cover zeigt die kapitolinische Wölfin, wie sie Romulus und Remus säugt. In Verbindung mit dem Albumtitel könnte man vermuten, dass die Message eine Rückkehr zu den Anfängen der modernen Zivilisation darstellt.

Richtig. Der Untergang einer Zivilisation und der Aufstieg einer anderen vielleicht? In der ursprünglichen Fassung sollten die beiden Kinder wie Cyborgs oder Roboter aussehen. Das fanden wir aber irgendwann einfach dämlich (lacht).

Und der digitale Widerstand selbst…

…ist eine elitäre Gruppe von True-Metallern, die die heutige Technologie durch Angriffe mit Laserstrahlen aus Videorekordern zu Fall bringen wollen, damit aber kläglich scheitern (lacht).

Schönes Bild. Inwiefern stellt das digitale Zeitalter Deiner Meinung nach denn eine Bedrohung für die Menschheit dar?

Es stellt nicht wirklich eine Bedrohung für die Menschheit dar. Eher für die Art und Weise, wie wir früher gedacht haben. Ich habe das Gefühl, dass wir langsam dümmer werden, weil wir viele Dinge nicht mehr richtig hinterfragen und es uns bequem machen. Meine Message hier ist aber nicht wirklich neu. George Orwell hatte in seinem Roman “1984” ähnliche Gedankengänge.

Denkst Du, dass es ein Nachteil ist nahezu jede Information mit nur einem Mausklick im Internet zu bekommen?

Ja, das denke ich. Sicherlich ist es auf kurze Sicht nützlich Informationen sofort und ohne viel Aufwand abrufen zu können. Auf lange Sicht – oder auch schon mittelfristig – wird durch diese Informationsflut die Fähigkeit sich an Dinge erinnern zu können und unser Denkvermögen stark abnehmen. Es wird jedenfalls kein neues Zeitalter des freien Denkens einsetzen. Faktisch bin ich der Ansicht, dass die Menschen schon jetzt anfangen in engeren Bahnen zu denken und das wird durch soziale Netzwerke wie Facebook sicherlich nicht besser werden.

Ein düsteres Zukunftsbild, das Du da zeichnest. Trotzdem ist “Digital Resistance” kein Konzeptalbum geworden, wie beispielsweise “The Price Is Nice” als eine Hommage an Vincent Price.

Da hast Du Recht. Nur etwa die Hälfte der Stücke befassen sich mit dem Thema der digitalen Technologie und den damit verbundenen Gefahren. Vincent Price hingegen inspiriert mich durch sein künstlerisches Schaffen und seine Persönlichkeit. Im Wesentlichen bezieht sich das auf seine Filme, die mich wunderbar unterhalten und mir sehr viele kreative Ideen liefern.

Und wer ist der “Magic Hooligan”?

Niemand Spezielles. Es geht in dem Song einfach um die schwierigen Entwicklungen und Veränderungen, die zu Beginn des Teenageralters eintreten. Ein simpler Song über die Pubertät, wenn man so will.

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Mit Metal Blade habt ihr ein ziemlich großes Label im Rücken. Was versprichst Du dir von dem Deal?

100000000000000000000000000000000 Dollar, hahaha.

Ein realistisches Ziel. Ich drücke Dir die Daumen, dass das so klappt, wie Du es dir vorstellst. Werden Metal Blade es euch ermöglichen länger durch Europa zu touren?

Wenn sie uns darin unterstützen, nehmen wir die Hilfe natürlich gerne an. Aber wir erwarten das nicht von ihnen. Eigentlich planen wir unsere Konzerte immer selbst. Wir haben unsere eigenen Kanäle, werden das Booking selbst übernehmen und diesen Sommer auch etwas in Europa unterwegs sein.

Das lässt mich hoffen, euch endlich mal wieder sehen zu können. Würdest Du zum Abschluss unseren Lesern, die nicht so vertraut mit SLOUGH FEG sind, noch erklären woher der Bandname stammt?

Das könnte ich machen. Tue ich aber nicht. Seid selbst aktiv und gebraucht die Technologie, die euch zur Verfügung steht (lacht).

01.04.2014

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