So Much For Nothing
Interview mit Erik Unsgaard zu "Livsgnist"

Interview

So Much For Nothing

Dass SO MUCH FOR NOTHING keine gewöhnliche Black Metal-Band ist, hat das Duo bereits auf der Split mit ANGST SKVADRON bewiesen. Der dort begonnene Mix aus melancholischem Black Metal, Rock und einer gewissen Poppigkeit wurde auf „Livsgnist“ weiter ausgebaut, und zudem hat man ein überaus brauchbares Album abgeliefert. Grund genug, ein paar Fragen zu Erik Unsgaard (SARKOM) nach Norwegen zu schicken.

Hallo nach Norwegen und erstmal Gratulation zu „Livsgnist“!

Ihr beide spielt ja noch in anderen Black Metal Bands, die eher den traditionellen Weg gehen. Ich muss sagen, mich hat seinerzeit schon die Split mit ANGST SKVADRON überrascht. Wie kamt ihr auf die Idee, Black Metal mit Pop und etwas Rock zu mischen und quasi recht neue Wege zu beschreiten?

Das war eigentlich eine ganz natürliche Entwicklung, da ich hauptsächlich Pop Musik, Black Metal und Soundtracks höre. Die meisten Leute, die auf Extreme Metal stehen, hören normalerweise auch Bands wie KISS, IRON MAIDEN, METALLICA, MOTÖRHEAD, BLACK SABBATH und so weiter, aber das tue ich nicht. Wenn ich Metal höre, dann nur Black Metal und nichts anderes. Die einzige Band, die nicht in den extremeren Bereich des Metal fällt und die ich schon als Kind mochte, sind GUNS N‘ ROSES.
Als ich mit SO MUCH FOR NOTHING anfing, wusste ich noch nicht genau, wie sich die Musik anhören sollte. Die Songs haben sich einfach in diese Richtung entwickelt. Aber ich wusste, dass ich nicht ein weiteres typisches Black Metal Album machen wollte! Anstatt irgendwelchen Trends zu folgen, habe ich einfach das gemacht, was ich wollte und ich denke, das Ergebnis ist großartig.

Mal kurz zu den Labels. Die Split mit ANGST SKVADRON erschien über Folter Records, eurer Debütalbum nun über My Kingdom Music. Wollte Folter nicht, war das andere Angebot besser, oder weshalb habt ihr euch für ein doch recht kleines Label aus Italien entschieden?

Ich war mit einer Handvoll Labels in Kontakt, aber einer der Gründe, warum ich letztendlich bei My Kingdom gelandet bin, ist, dass der Manager mir sagte, dies wäre eines der besten Alben, die er in den letzten paar Jahren gehört hätte und er bot mir ohne Zögern einen Deal an. Und nachdem ich mir ihr Angebot angesehen hatte, fühlte es sich einfach richtig an, es anzunehmen. Wir hatten die selben Vorstellungen und Ziele für die Band, und ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Zusammenarbeit in Zukunft entwickeln wird. Bis jetzt hat My Kingdom ausgezeichnete Arbeit geleistet. Und was Folter Records angeht, sie waren vielleicht interessiert, aber sie hatten schon eine lange Liste an zukünftigen Veröffentlichungen und konnten mir daher zu diesem Zeitpunkt nichts versprechen.

„Livsgnist“ ist ziemlich vielfältig ausgefallen, was nicht zuletzt an vielen verschiedenen Instrumenten liegt. Wie entstanden die Ideen, die Songs u.a. mit einem Saxophon zu bereichern?

„Suicide-Syndrome“ enthält gleich zwei Saxophon-Parts, aber ohne das Saxophon wäre es eigentlich ein ganz typischer Song. Ich wusste also, dass ich noch etwas hinzufügen musste, damit der Song aus der Masse heraussticht, außerdem hatte ich das Gefühl, dass noch etwas fehlte. In meiner anderen Band SARKOM haben wir ein Saxophon auf dem ersten Album, und ich denke, dass ich die Idee daher habe. Ich denke, ich werde auch weiterhin solch untypische Instrumente auf zukünftigen Veröffentlichungen benutzen, aber ich habe da noch nichts genaues geplant. Aber ich werde bestimmt kein Instrument hinzufügen, nur um anzugeben, oder um “originell” zu sein, sondern nur, wenn ich denke, dass es auch zum Song passt. Manche Songs sind so toll, ohne irgendeinen Zusatz. Also Leute, versaut es nicht nur, um schlau zu wirken.

Ihr habt eine ganze Reihe von Gastmusikern mit an Bord. Eigentlich alle spielen in anderen wohlbekannten Bands. Ich nehme mal an alles Freunde von euch, wie schätzt du selbst ihre Leistung und ihren Anteil an „Livsgnist“ ein?

Ich bin wirklich dankbar für den Beitrag, den diese talentierten Musiker geleistet haben, ohne ihre Arbeit wäre das Album nicht das selbe.

Mir ist gerade bei „Suffer In Silence“ mit u.a. Niklas Kvarforth aufgefallen, dass der Song einen gewissen SHINING-Touch hat und auch „My Precious“  mit Trondr Nefas Solo hat ein gewisse URGEHAL-Note. Ist das beabsichtigt oder ein reiner Zufall?

Ich denke, dass die Ähnlichkeit zwischen „Suffer in Silence“ zu „Låt Oss Ta Allt Från Varandra“ hauptsächlich auf dem Sample in der Mitte des Songs beruht. Es ist also nicht so, als hätte ich die Idee geklaut, sondern ich habe einfach Niklas gefragt, ob er ein paar Vocals besteuern und ein paar Wörter auf Schwedisch schreiben wolle, was dann zu den Parallelen zu „Låt Oss Ta Allt Från Varandra“ führte. Es ist also nicht nötig hervorzuheben, wie sehr der Song nach SHINING klingt, das weiß ich nämlich schon! Ich muss sagen, dass die Vocals von Mr. Kvarforth absolut umwerfend sind!
Was „My Precious“ angeht, da findest du wirklich Ähnlichkeiten mit URGEHAL? Das finde ich nicht und es war auf jeden Fall nicht beabsichtigt! Aber da Nefas ein paar Gitarren-Soli übernommen, hat kann ich schon verstehen, dass es für den Hörer ein wenig nach URGEHAL klingt. 

Eure Musik sowie die Texte wirken durchaus depressiv, aber auch ironisch und unterhaltend. Kannst du uns einen Einblick in das Dasein von SO MUCH FOR NOTHING geben?

Nun, es gibt immer etwas, über das man sicht beschweren kann, nicht wahr? Ich schreibe einfach, was mir gerade in den Sinn kommt, aber ich denke auch, dass es wichtig ist, dass alle Lyrics auf dem Album zu einem Ergebnis kommen, dass sie einen Sinn ergeben und zusammenpassen, oder wie immer man es auch nennen will. Ich denke in der Hinsicht ist „Livsgnist“ auch ein sehr passendes Wort, um das Album zu beschreiben, da es mit „Lebensfunke“ übersetzt werden kann.

Promotexte sind immer eine Sache für sich, aber euer Label empfiehlt euch für Fans von u.a. LIFELOVER, MY DYING BRIDE und JOYLESS. Kannst du damit leben oder anders gesagt, wo siehst du eure musikalischen Einflüsse und an wen richtet sich eure Musik?

Ja sicher, aber keine dieser Bands hat mich in irgendeiner Weise beeinflusst. Mein Haupteinfluss für dieses Album waren verschiedene Arten von Pop Musik und ein bisschen Black Metal. Da ich ein großer Fan von Shining bin, nehme ich an, dass sie mich auf die eine oder andere Art auch beeinflusst haben, obwohl ich in keinster Weise versuche, sie zu kopieren! Ich will mit der Musik gar keinem speziellen Publikum gefallen, sondern alle ansprechen, die einen Sinn für gute Musik haben! Ob fröhlich oder traurig, betrunken oder nüchtern, weiß oder schwarz, Muslim oder Satanist, das ist mir egal. Aber es wird natürlich manche Leute mehr ansprechen als andere… Ich denke/hoffe zum Beispiel, dass diejenigen, die sogenannten „Depressive Black Metal“ mögen, das Album interessant finden.

So Much For Nothing

Daran direkt anschließend, SO MUCH FOR NOTHING klingt nicht nur nach Metal, hört ihr denn privat auch Musik abseits der harten Töne? Wenn ja, welche?

Dafür werde ich jetzt wahrscheinlich aus der Metal-Szene ausgeschlossen und gelyncht, aber ich höre Bands/Musiker wie beispielsweise DEPECHE MODE, MADONNA, A-HA, SMASHING PUMPKINS, ROXETTE, MICHAEL JACKSON und wohl noch anderes „normales“ Zeug… Davon abgesehen werden GUNS N‘ ROSES aber immer meine Lieblingsband bleiben!

Wie bereits erwähnt spielt ihr ja noch in anderen Bands. Daher die Frage: Welchen Stellenwert nimmt SO MUCH FOR NOTHING bei euch ein? Eher den eines Projektes, oder doch einer ernsthaften Band, die in Zukunft noch mehr von sich hören lässt?

Als ich mit SO MUCH FOR NOTHING anfing, wollte ich einfach nur ein Soloalbum machen, aber in Zukunft hat das Projekt für mich definitiv Priorität. Ich weiß nicht, wie Uruz  das sieht, aber das wird sich mit der Zeit zeigen… Wir haben vor, das zweite Album im Sommer aufzunehmen,da ich auch schon 7-8 Songs fertig habe. „Livgnist“ haben wir ja schon vor eineinhalb Jahren fertiggestellt, ich hatte also jede Menge Zeit, neues Material zu schreiben.

Hast du dir schon darüber Gedanken gemacht, SO MUCH FOR NOTHING auch mal live zu präsentieren? Wenn ja, gibt es schon konkretere Pläne?

Ja, wir werden wahrscheinlich live spielen. Wir kennen ein paar Leute, die uns bei Live-Auftritten auf der Bühne unterstützen wollen, das wird also definitiv passieren. Ich hoffe, wir können dieses Jahr schon auf Tour gehen, aber bis jetzt gibt es noch keine bestätigten Gigs. Also, wenn das hier irgendjemand liest, der für eine Booking Argentur arbeitet und es mit SO MUCH FOR NOTHING versuchen möchte, meldet euch bei mir!

Das Jahr 2011 ist ja gerade erst zu Ende gegangen. Gibt es Alben, die dir aus dem vergangenen Jahr besonders in Erinnerung geblieben sind? Vielleicht magst du dazu, jeweils noch 1-2 Sätze schreiben.

Ich höre mir kaum neue Veröffentlichungen an, daher ist die einzige, an die ich mich erinnern kann, SHININGs „VII: Född Förlorare“. Diese Band wird einfach immer besser (mit Ausnahme von „VI – Klagopsalmer“) und ich denke, dass sie den „Ruhm“ der letzten Jahre wirklich verdient haben. Ich freue mich schon darauf, ihr nächstes Werk zu hören, das sie zur Zeit aufnehmen Wenn ich mich richtig erinnere, hat Huss gesagt, er würde mir das Album schicken, sobald es fertig ist, ich muss also nicht auf den Veröffentlichungstermin warten!
Außerdem war ich von BURZUMs „Fallen“ positiv überrascht, da ich „Belus“ nicht so toll fand. Ich habe mir auch die „From the Depths of Darkness“ auf Vinyl gekauft, aber ich hatte noch nicht die Zeit, es mir richtig anzuhören. Auf jeden Fall bin ich schon gespannt auf sein nächstes Album!

Das war es dann auch schon von meiner Seite. Vielen Dank an dich, die letzten Worte gehören selbstverständlich dir.

Ihr könnt uns auf www.facebook.com/somuchfornothing adden und hört euch auf alle Fälle „Livgnist“ an! Ich hoffe, es ist das Geld wert, aber hier ist noch ein Tipp für den optimalen Effekt: Hört euch das Album an, wenn ihr allein seid und unter starkem Alkoholeinfluss steht.
Außerdem wäre noch zu erwähnen, dass SARKOM nächsten Monat eine 7″ Split mit URGEHAL herausbringen, und wir im Moment unser drittes Album aufnehmen!

24.02.2012

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