Spere
"Die Synthies machen, was sie wollen."

Interview

Wenn ihr live spielt, seid ihr mit Masken unterwegs. Fühlt sich das für euch anders an? Macht man Sachen, die man sonst nicht machen würde?

Niklas: Eher weniger. Das Konzept hinter den Masken ist deutlich bedeutungsärmer, als man es vielleicht gern hätte. Für uns liegt das viel an der praktischen Umsetzung. Die Art von Masken, die wir haben, erfordern nicht viel Aufwand.

Angefangen haben wir mit unterschiedlichen Sachen. Erst Schminke, dann hatte ich eine Vollmaske. Bei den ersten vier Gigs sahen wir jeweils komplett anders aus.

Dann habe ich einmal unsägliche Probleme gehabt. Wir haben einen Gig im Sommer auf dem Mahlstrom Festival gespielt und wir hatten Pigmentschminke in metallic-bronze dabei, mit der ich mir das Gesicht komplett vollgeschmiert habe. Dann sind mir diese Metallpigmente durch den Schweiß in die Augen gelaufen.

Das war die absolute Hölle, ich konnte nichts mehr sehen. Zwei Tage lang habe ich mich gefühlt, als würde ich durch ein Mattglas schauen. Ich wollte gerade zum Arzt gehen, da wurde es wieder besser. Da habe ich gedacht: Nie wieder sowas.

Diese Masken sind auf Bennis Mist gewachsen. Er wollte gerne diesen Steampunk-Vibe mit Zahnrädern, Schlüsseln, Bronze und Gold. Mit dieser schmierigen Öl-Optik.

Benjamin: Bei der Schminke hat das nicht so gut funktioniert. Wir haben uns das cool vorgestellt und bei Fotoshoots sah es auch mal ganz brauchbar aus, aber auf der Bühne – und wenn du bei einem Festival Pech hast, auch noch bei Tageslicht – da siehst du einfach nur aus, als wärst du mit dem Gesicht in der Pfütze gelandet. Das sieht nicht cool aus.

Bei Black-Metal-Corpsepaint ist es anders. Das ist super easy, weil der Kontrast da ist, das ist ja einfach schwarz-weiß, das sieht immer cool aus. Aber bei Gold, Schwarz und Braun… Das ist dann nur noch Brei.

Niklas: Das ist der eine Aspekt. Der andere ist die praktische Umsetzung. Ich bin überhaupt kein Fan davon, mir die Finger mit Farbe vollzuschmieren. Jetzt setzen wir einfach die Masken auf, das dauert 30 Sekunden.

Diese Steampunk-Nummer ist auch bei „Eight – Led To The Beam“ sehr stark vorhanden. Da haben wir uns gesagt: Wir lassen das jetzt so mit den Masken. Ganz normal in Straßenklamotten ist es auch langweilig, aber wir wollen auch nicht alle Klischees bedienen. Schwarzweiße Masken oder Blut, das macht ja jeder.

Spere photo 2026 by Necros Horns

Was ist eure Vision für die Zukunft? Habt ihr schon etwas geschrieben?

Niklas: Das erste große Ziel war es, die Tour vernünftig zu spielen. Wir wussten noch gar nicht, wie das ganze Album live klingen würde. Das war das erste Mal, dass wir jetzt wirklich alles davon spielen, vorher waren es nur einzelne Stücke.

Also war das Ziel, zu gucken, ob das überhaupt zündet, was wir hier machen. Bisher sind die Abende richtig gut gelaufen und unsere Verkäufe laufen auch gut. Ich würde sagen, wir stehen den anderen Bands in nichts nach. Der Sound scheint gut zu funktionieren.

Das war erst einmal die große, wichtige Erkenntnis. Darauf wollte ich im nächsten Schritt aufbauen und schauen, ob und in welcher Form wir überhaupt weitermachen. Wenn die Tour totaler Käse gewesen wäre, hätte ich wenig Motivation gehabt, mich ans zweite Album zu setzen.

Ansonsten haben wir die Tour jetzt abgehakt und das nächste große Ding ist, dass wir dieses Jahr noch in Kanada spielen, auf einem Festival in Montreal. Das wird auch eine schöne, große Erfahrung werden. Ansonsten werde ich ab nächstem Jahr langsam wieder anfangen, etwas zu schreiben.

So, wie es vorhin schon angeklungen ist, möchte ich das, was wir jetzt haben, noch mehr verfeinern. Wir haben uns aber auch selber noch gar nicht intensiv darüber unterhalten. Was wir besser machen wollen, ist zum Beispiel, im Vergleich zum aktuellen Album ein bisschen kohärenter zu werden. Auf „Blotters In Saline Water“ ist immer noch viel Experimentiererei drauf.

Die neuen Songs sollen tempotechnisch kohärenter und insgesamt stimmiger werden, sodass sich ein klares Gesamtbild ergibt. Aktuell haben wir sehr langsame und sehr schnelle Songs miteinander vermischt. Wir wollen zukünftig noch deutlich mehr in Richtung Rhythmus gehen als in Richtung Schreddern – und vielleicht noch das eine oder andere lustige Element aus dem elektronischen Bereich einbauen.

Das sind die Pläne und da habe ich auch wirklich Lust drauf.

Galerie mit 20 Bildern: Spere - Walpurgisnacht 2025 Vol. 4 in Berlin

Seiten in diesem Artikel

123
19.10.2026

"Es ist gut, aber es gefällt mir nicht." - Johann Wolfgang von Goethe

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38837 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Off Topic
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare