Tarot
Interview mit Marco Hietala zu "Crows Fly Black"

Interview

TAROT, die Band um den NIGHTWISH-Bassisten und Sänger Marco Hietala, ist mit einer neuen Scheibe am Start, die sehr stark ausgefallen ist. Ein Grund also, um den sympathischen Finnen ein paar Fragen zu stellen…

Tarot

Bevor wir mit dem eigentlichen Interview anfangen, möchte ich dir zu der neuen Scheibe gratulieren, welche richtig geil geworden ist! Was die meisten Metalheads da draußen vielleicht nicht wissen ist, dass es TAROT schon seit über 20 Jahren existiert. Was denkst du ist der Grund dafür, dass TAROT so lange im Untergrund verweilen mussten? Mangelnde Promotion?

Erst mal danke für das Kompliment! Tja, fehlende Promotion hat auf jeden Fall dazu beigetragen, war aber nicht der gesamte Grund für die Misere. Wir wurden von unserem damaligen Label Ende der 80er gedroppt. Und es hat über vier Jahre gedauert, um einen neuen Deal zu ergattern, weil jedes verdammte Label zu der Zeit nur Thrash-Metal-Bands anheuerte. So mussten wir unsere Alben in den 90ern bei einem sehr kleinen Laden veröffentlichen, wobei die zwar sehr engagiert waren, aber die nötigen Kontakte fehlten, für einen großen Vertrieb z.B. Nun, darauf hin veröffentlichen wir die Alben noch über ein japanisches Label, welches aber pleite ging. Zwei Wochen bevor wir bezahlt werden sollten!!! Die Plattenfirma Spinefarm hier in Finnland machte einen guten Job, als wir „Suffer Our Pleasures“ 2003 veröffentlichten. Die Kontakte zu Universal brachten uns außerhalb von Finnland jedoch auch nicht weiter. Wir bekamen keinerlei Promotion oder ähnliches. Doch ich verurteile die nicht, große Firmen sind wie sie sind. Wir wären jedoch bei einer kleinen, unabhängigen Firma besser aufgehoben gewesen.

Siehst du in TAROT eine Full-Time-Band oder eher ein weiteres Projekt?

Auf jeden Fall ist es eine Band! Hmm, nur vielleicht nicht so ein Full-Time-Ding…

Es liegt natürlich auf der Hand, dass TAROT aufgrund deiner Tätigkeit bei NIGHTWISH, mehr Medieninteresse erhalten wird als so manch andere Band. Denkst du, dass das eher ein Fluch als ein Segen ist?

Wir haben uns sehr bemüht, dass wir mit der Band die Musik machen, die die Persönlichkeiten der Band widerspiegelt. Natürlich würden wir uns darüber sehr freuen, wenn TAROT das Interesse der Medien und Fans aufgrund der Musik erlangen würden, anstatt durch bekannte Musiker. Am Schluss wird es aber auf das Wesentliche ankommen: Finden die Leute uns geil oder mögen sie uns nicht? Sie werden es selbst entscheiden!

Deine Stimme hat natürlich eine sehr große Überzeugungskraft, da sie ziemlich einzigartig und sehr markant ist. Hattest du von Anfang an bei TAROT den Sängerposten?

Die richtigen Wurzeln der Band entstanden als ich 14 Jahre alt war. Zac war 17. Als wir damals zusammen in der Band spielten war ich schon der Sänger… also ja, ich war es von Anfang an.

Die musikalische Richtung von TAROT geht schon in die klassische Metal-Abteilung. Dennoch vereint ihr diesen Sound mit modernen Songwriting-Elementen. So kreiert ihr eine sehr spezielle Atmosphäre in der Musik, besonders „Messenger Of God“ ist sehr düster und bedrohlich. Stimmst du dem zu?

Das ist schon wahr! Wir haben alle diesen klassischen Background des 70er Heavy Metal und progressiven Rocks. Uns macht es sehr viel Spaß, diese Elemente mit dem Modernen zu vereinen. Etwas Industrial, donnernde Metal Riffs und hier und da eine Hammond-Orgel als Kontrast.

Seid ihr bei „Crows Fly Black“ mit einem bestimmten Konzept im Hinterkopf an die Sache herangegangen?

Nöö, es gibt kein gesamtes Konzept, dass sich in allen Songs wiederfindet. Vielmehr sind die einzelnen Songs jeweils eine Geschichte für sich.

Das absolute Highlight auf „Crows Fly Black“ ist meiner Meinung nach „Before The Skies Come Down“. Sehr theatralisch umgesetzt, heavy und gleichzeitig ein toller Ohrwurm. Wer hat solche Stücke eigentlich zu verantworten? Oder sind die Songs eher ein Gemeinschaftswerk der Band?

Das ist wirklich kurios, denn die Demoversion von „Before The Skies Come Down“ klang für uns eigentlich nicht so toll. Wir dachten eigentlich, dass wir damit einen Lückenfüller geschaffen haben. Doch glücklicherweise entwickelte es sich ganz anders, als wir es schließlich neu aufnahmen. Wir spielen diesen Song auch live und er funktioniert großartig auf der Bühne!
Normalerweise arrangieren Tommi und Pecu die Tracks, doch die eigentlichen Songwriter der Band sind Zac, Janne und meine Wenigkeit. Wir handhaben das schon sehr demokratisch. Wir drei bringen eine Menge in die Musik ein. Ich schreibe zwar die gesamten Texte, doch das ist kein Grund darauf in irgendeiner Weise eifersüchtig zu sein, denn ist schon eine verdammte Arbeit!

Hast du denn irgendwelche speziellen Einflüsse, wenn du die Songs schreibst? Musikalisch gesehen seid ihr zwar eher eine Band, die Einflüsse gibt, als eben solche erhält.

Hmm, also bewusst habe ich eigentlich keine Einflüsse. Doch manchmal affektiert sich die Musik, die man selber hört, schon in den einzelnen Songs. Natürlich mögen wir eine Menge anderer Musiker und Bands. Wie ich eben schon sagte, jedes Bandmitglied bringt seine eigene Persönlichkeit ein und wir zeigen das auch in allem, was wir musikalisch anfassen. Verhindern möchten wir natürlich, dass einer von uns ein aufgeblasenes Arschloch wird. Das sind so die Hauptsachen, die Fans bei uns finden werden.

Wer hat den Silberling denn produziert? War dieser Kich-Ass-Sound euer eigenes Werk?

Janne hat ein kleines Studio. Dort hat er die ganzen Aufnahmen bearbeitet und die Scheibe produziert. Ich habe hier und da ausgeholfen bei verschiedenen Sachen. Alles in allem war es ein Inside-Job.

Mit Nuclear Blast habt ihr natürlich einen guten, alten Bekannten im Rücken. Hattest speziell du, nicht Lust, nach einem anderen Label zu suchen?

In Finnland haben wir die Scheibe über King Foo veröffentlicht. Wir haben es denen überlassen, die Lizenzen für den Rest der Welt zu beschaffen. Und sie brachten uns Nuclear Blast. Diese Firma versteht Metal und den ganzen Business um ihn herum und wir sind froh, dass wir einen Vertrag bei dem Label haben. Klar, ich kenne da auch ein paar Leute schon seit ein paar Jahren. Für NIGHTWISH und „Once“ haben sie richtig geile Arbeit geleistet. Und mit TAROT mache ich so viele Interviews wie nie zuvor. So, nein, wir haben uns erst gar nicht weiter umgeschaut.

Wie schaut es denn mit touren aus? Gibt schon Pläne „Crows Fly Black“ dem Rest der Welt zu präsentieren?

Wir kommen nach Deutschland rüber, um acht Shows zwischen dem 5. und 15. Februar zu zocken. Mit dabei haben wir eine weitere finnische Band, DIABLO. Die sind verdammt gut! Im April und Mai sind wir bei der Earthshaker Road Shock Tour dabei. Dieses Unterfangen wird uns dann noch durch zentral Europa führen, 17 Shows in einer Reihe! Das wird ein verdammter Survival-Trip, ha ha. Außerdem buchen wir derzeit auch noch ein paar Festivals, aber das steht noch in den Sternen.

Ich denke mal, dass der Back-Katalog von TAROT ausverkauft ist. Habt ihr irgendwelche Pläne für einen Re-Release der alten Scheiben?

Wir haben die sechs ersten Alben und das Livealbum bereits letzten Februar neu veröffentlicht und noch ein paar Specials als Bonus draufgepackt. Wenn es jemanden interessiert, dann schaut euch doch www.wingsofdarkness.net an. Wir habe da einen Shop eingerichtet, außerdem ein paar Links, bei denen man die alten Scheiben finden kann.

Marco, danke für das Interview!

Ich habe zu danken! Passt auf euch auf!

17.01.2007

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