Textures
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Interview

TEXTURES haben genug Hitpotential in der Blutbahn, um damit sogar ein vernachlässigtes Stiefkind wie Death Metal ins Pop-Pantheon zu hieven. Nach großen Erfolgen und zahllosen Ritterschlägen in der Heimat, konnten sie sich spätestens mit ihrem letzten Album "Drawing Circles" auch hierzulande einen Namen machen. Ihr drittes Werk "Silhouettes" wird dafür Sorge tragen, diesen Status noch weiter auszubauen: Gitarrist Bart Hennephof schaut jedenfalls zuversichtlich in die Zukunft.

Textures„Silhouettes“ steht in den Startlöchern – der Release wurde auf den 5. Mai verschoben, die Promo-Apparatur läuft auf Hochtouren, ein Interviewtermin folgt dem nächsten, und doch blieb euch noch die Zeit für eine kleine Reise durch England.

Haha, mir gefällt der Trubel! Das ist genau das, was ich zurzeit brauche. Und richtig, wir sind gerade erst wieder von einer kleinen Tour aus England zurückgekehrt: Drei Shows als Support von ARCH ENEMY. Das war eine sehr bewegende Woche, kann ich Dir sagen! Die Shows waren unglaublich. Wir haben noch nie vor so großem Publikum spielen dürfen. Kürzlich spielten wir in Paris eine Show vor über 1500 Leuten, die nach allen Regeln der Kunst ausgetickt sind. Dieses Konzert werden wir so schnell nicht mehr vergessen!

Die ewigen Vergleiche mit anderen Bands, derer auch ich mir nicht zu schade bin, werden die Sechs sicher noch eine Zeit lang verfolgen, das Potential damit umzugehen steckt aber bereits in sämtlichen Songs auf „Silhouettes“. Große Veränderungen hat euer Stil nicht erfahren und doch hat er an Nuancen und Blüten gewonnen. Inwiefern unterscheidet sich euerer Meinung nach das neue Album von eueren älteren Veröffentlichungen?

Unser Ziel war es diesmal, uns von unseren großen Einflüssen endgültig abzukapseln und eigenständige Songs zu schreiben, die abwechslungsreich und straight-forward zugleich sind. Zudem wollten wir Eric eine musikalische Folie schaffen, auf der seine Stimme richtig zur Geltung kommt. Er hat sich in den letzten Monaten einem harten Training unterzogen; sein Gesang hat sich seit den Aufnahmen zu „Drawing Circles“ bemerkenswert verändert und gesteigert.

Im Grunde ist aber „Silhouettes“ die natürliche Fortsetzung dessen, was wir schon immer gemacht haben. Wir sind mit jedem Album stets versucht, die Musik auch für uns in einem hohen Maße interessant und spannend zu halten; daher werden wir auch nicht müde, mit neuen Rhythmen und Melodien zu experimentieren, um diese in unseren Sound einzuweben. Zugegeben, „Drawing Circles“ war weitaus experimenteller, aber auch unser neues Album schöpft aus einem großen Repertoire an verschiedenen Musikstilen und -einflüssen. Die Songs sind weniger schnell, mehr fokussiert auf Midtempo-Passagen und besitzen stärkere Melodiebögen, aber sie sind immer noch roh und LAUT. Und das ist doch letztlich entscheidend, haha.

Habt ihr das Gefühl, dass ihr eueren Sound, diesen signifikanten TEXTURES-Sound, gefunden habt? Oder beginnt die Suche mit jedem weiteren songschreiberischen Prozess aufs Neue? Gibt es nennenswerte Beispiele für Referenzen, die euch während der Arbeit an dem neuen Material beeinflusst haben?

Die Suche beginnt mit jedem Mal aufs Neue. Keine Frage. Musik machen bedeutet für uns in erster Linie, sich aus dem Fenster zu lehnen, Sachen auszuprobieren, neue Sounds zu entdecken. Wir zwingen uns zum Experiment, um mit einem Ergebnis vorstellig zu werden, das uns selbst überrascht. Wir wissen nie wohin uns unsere musikalische Reise hinführen wird. Wir wissen nur, dass wir uns immer wieder selber überraschen müssen, haha. Niemals würden wir auf die Idee kommen, uns musikalisch zu limitieren und uns einschränkende Barrieren in den Weg zu legen. Bei uns im Tourbus laufen die verschiedensten Musikstile, viel Pop, viel Rock und viel Fusion. OCEANSIZE und KATATONIA waren beispielsweise – um nur zwei Bands zu nennen – bei uns in letzter Zeit schwer angesagt.

Das Arbeiten im Studio ist in der Regel immer mit großem Stress verbunden und jeder meist froh, wenn das ganze Prozedere hinter einem liegt. Wie dürfen wir uns euer Vorgehen vorstellen, wenn ein Studiotermin naht? Kannst du uns einen Einblick gewähren, wie ihr euch euren Songs annähert?

Haha, wir haben da eine Art natürlichen Kompensationsfilter entwickelt, der uns vor Schlimmerem bewahrt. Natürlich rastet man ab und an mal aus, aber bislang hat jeder von uns das Studio wieder lebend verlassen. Und natürlich ist man froh, wenn alles im Kasten ist. Bevor wir das Studio entern, sind so gut wie alle Songs bereits fertig austariert und müssen nur noch aufs Band gehämmert werden. Auf diese Weise lassen sich Anflüge von Stress im Keim ersticken; und wir haben genug Zeit für Soundtüfteleien und Experimente.

„Silhouettes“ ist im Laufe des letzten Jahres entstanden, zwischen Tourneen und Einzelshows. Einzelne Riffs und Versätze wachsen nach und nach zu einem Song-Ganzen zusammen, wie das so üblich ist. „Fertige“ Songs werden dann im Laufe der Songwriting-Periode immer wieder aufgebrochen, verbessert, teilweise ganz über den Haufen geschmissen. Einige Parts entsprechen schon nach wenigen Proben unseren Vorstellungen, an anderen arbeiten wir solange, bis sie uns schließlich in den Kram passen. Viele Ideen brechen einfach hervor, andere kommen nur unter großen Mühen ans Tageslicht. Melodien und Groove sind uns sehr wichtig, und stehen in der Regel als erstes.

Songtitel wie „The Sun’s Architect“ und „Laments Of An Icarus“ lassen auf eine ausgeprägte Affinität zur Griechischen Mythologie schließen.

Ja, der Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, die Opposition Tag und Nacht, war eines unserer zentralen Leitkonzepte, welche unser Album durchziehen. Die alten Mythen und Erzählungen waren Ausgangspunkt für unsere Texte, da sie diesen Zwist auf eine spannende Weise symbolisieren. Daraus haben wir uns dann eine eigene Symbolik geschaffen. Alltagsgeschichten und Begebenheiten aus unserem nahen Umfeld haben wir in eine kunstvolle Sprache gekleidet, angelehnt an den verspielten Duktus von einem Edgar Allan Poe, der sehr gut zu unserer musikalischen Ausrichtung passt.

Euer Debüt „Polars“ von 2004 schlug ein und bescherte euch zahlreiche Auszeichnungen wie den in den Niederlanden sehr renommierten Essent Award als „Most Promising Act“; zudem wurdet ihr auf das Lowlands Festival eingeladen, was auch einem Ritterschlag gleichkommt. Was für Ziele hat eine Band, die bereits mit dem Debüt in ihrer Heimat soviel Erfolg hatte, wie kaum eine andere extreme Metal-Band zuvor? Weltherrschaft??

Haha, nein. Dieses Ziel hatten wir bislang noch nicht im Auge – Wir wollen weiterhin Musik aufnehmen, für die sich Leute begeistern können, die anregt oder gar auf manchen einen inspirierenden Einfluss hat. Die Leute sollen zu unseren Konzerten kommen und einen schönen Abend verbringen. Wenn wir auf der Bühne stehen, unser Set spielen und die Leute zu unseren Songs austicken, dann macht uns das glücklich. Das Lowlands war riesig! Auf Festivals spielen zu dürfen, ist für uns jedes Mal eine große Ehre. Auch in diesem Jahr werden wir einige größere Festivals beackern, u.a. in Deutschland, Tschechien und Slowenien.

Wo seht ihr euch dann mit TEXTURES in ein paar Jahren? Träumt ihr von dem ganz großen Durchbruch?

Natürlich baut man sich Luftschlösser, aber in erster Linie wollen wir zufrieden sein und so wie es zurzeit läuft, können wir uns nicht beschweren. Wir werden niemals Stadien füllen können, das wissen wir und sind auch nicht unbedingt darauf erpicht. Unsere Musik ist speziell, nicht unbedingt radiotauglich und spricht daher nur eine bestimmte, kleinere Zielgruppe an. Obwohl wir mittlerweile eine recht große Fanbase haben, die stetig wächst, und unsere Platten einen reißenden Absatz finden, wirft TEXTURES nicht genug ab, um davon leben zu können. Aber das ist, wie ich schon erwähnte, nicht unser Ziel. Wenn es so bleibt wie es ist, könnt ihr mit uns noch eine Weile rechnen.

Auch der Mobilfon-Riese Nokia hat früh von eurem Talent Wind bekommen und euch als Werbefiguren inszeniert: www.youtube.com/watch?v=e_eSJ8D4Jr0

Nun, das war schon eine sehr außergewöhnliche Sache – sehr, sehr cool. Es war eine gute Promo für beide Parteien. Diese kurze Werbeschaltung hat uns nochmal einen extremen Popularitätsschub gegeben, und für Nokia war es eine besondere, ja, eine andere Möglichkeit eines ihrer Produkte zu bewerben. Es war ein komisches Gefühl, uns da im Fernsehen „Swandive“ spielen zu sehen; stell dir das mal vor, dein Song in einem Nokia-Werbespot, haha.

Euer Sänger hatte auf der letzten THE OCEAN einen kleinen Gastauftritt. Gibt es einen Musiker bzw. Sänger mit dem ihr unbedingt mal zusammen arbeiten wollt?

Eine Kollaboration mit anderen Musikern ist immer eine Bereicherung. Für unser erstes Album „Polars“ konnten wir unseren guten Freund, den Wahnsinns-Saxophonisten Wouter Wierda gewinnen, der einen kleinen Part auf einem der Songs eingespielt hat. Wir bemühen uns immer die Songs mit einem Extra an Brillanz und Glanz zu versehen; wer weiß, wir suchen für unser kommendes Album wieder einen außergewöhnlichen Musiker, der unsere Musik um weitere Nuancen bereichern kann. Wer bzw. was das sein wird, wissen wir selbst noch nicht und hängt auch davon ab, ob ein Song es auch verträgt. Für „Silhouettes“ hatten wir auch ein Saxophon- oder Posaunen-Solo, und verschiedene Gitarren-Effekte vorgesehen; aber es hat letztlich nicht reingepasst. Spontan fällt mir kein Musiker oder Sänger ein, mit dem ich mir eine fruchtbare Zusammenarbeit vorstellen könnte, da gibt es aber gewiss welche.

Bislang konntet ihr nur für das Summer Breeze verpflichtet werden. Sollte das gar die einzige Möglichkeit bleiben, euch in Deutschland zu sehen?

Nein, weitere Termine wurden diese Woche bestätigt. Ende Mai werden wir in Berlin im Magnet spielen, im August machen wir einen kurzen Abstecher nach Höchstenbach und es werden mit Sicherheit noch einige weitere Konzerte folgen, versprochen! Also, definitiv! Das letzte Mal haben waren wir bei euch zusammen mit ALL THAT REMAINS unterwegs. In Deutschland zu spielen ist immer eine Wucht!

Wenn du nicht bei TEXTURES spielen würdest, was würdest du dann tun?

Ich würde Gitarrenunterricht geben und mich als Mischer bei Konzerten und Theateraufführungen versuchen, dasselbe was ich auch zurzeit hauptberuflich tue. Aber ein Leben ohne TEXTURES oder Musik könnte ich mir niemals vorstellen. Ich würde definitiv nach anderen Wegen suchen, mich musikalisch zu betätigen und zu verwirklichen. Musikmachen mit Freunden macht unglaublich viel Spaß!

Vielen Dank für das Gespräch! Dein Schlussplädoyer:

Danke für dieses Interview! Ich hoffe, dass wir noch mehr Konzerte auf die Beine gestellt bekommen, um euch dann in Deutschland so richtig einzuheizen!

Galerie mit 8 Bildern: Textures - Euroblast Festival - The Ninth Coming
28.04.2008

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