Transit Poetry
Transit Poetry

Interview

Irgendwie gibt es keinen Weg an ihm vorbei; jeder der sich in irgendeiner Form ernsthaft mit düster/atmosphärischem Metal auseinandersetzt muss irgendwann auf den Namen Sascha Blach stoßen. Spätestens als er das komplette erste Album seines Soloprojektes ‚Eden weint im Grab‘ zum kostenlosen Download angeboten hatte bin auch ich über ihn gestolpert und hatte kurze Zeit später postwendend ebenfalls mit ‚Despairation‘ und dem elektrometallischem ‚Transit Poetry‘ zu tun. Um den Rest kurz zu fassen: Welchen besseren Grund für ein Interview mit Sascha zu letzterem Projekt gibt es, als die Veröffentlichung des neuen Albums? 😉

Transit PoetryHi Sascha!
Nach dem modernen Darkrocker Eden weint im Grab und der philosophisch komplexen Despairation kommt mit deiner neuen Transit Poetry ein weiteres elektrometallisches Werk raus, das obendrein eine Entwicklung von der musikalischen Vertonung des Elementes Wasser zu dem Gegensatz Feuer beschreibt. Kommt man dabei nicht völlig durcheinander?

Och, ich kann noch klar denken, halbwegs zumindest (grinst). Man sollte bei der ganzen Sache den Zeitaspekt nicht vergessen, denn auch wenn es beispielsweise letztes Jahr relativ zeitgleich Veröffentlichungen von Transit Poetry, Eden Weint Im Grab und Despairation gab, entstanden alle drei Werke doch ĂŒber einen sehr langen Zeitraum. Das Despairation Album lag vor seiner Veröffentlichung etwa 15 Monate in der Schublade. Somit war die Veröffentlichungspolitik vielleicht nicht die klĂŒgste und es mochte der Eindruck entstanden sein, dass ich hier Alben im Akkord raushaue. Das ist aber definitiv nicht der Fall, denn in jedem Werk steckt viel MĂŒhe, Zeit und Idealismus. An „Shamanic Passage Though The Embers“, dem neuen Transit Poetry-Album habe ich beispielsweise ein Jahr lang gesessen und in dieser Zeit standen die anderen Sachen ganz klar hinten an. Ich könnte mir jedenfalls nicht vorstellen, die unterschiedlichen musikalischen AnsĂ€tze der drei Bands/Projekte zu einem einzigen zu vereinen, denn sie grenzen sich doch sehr deutlich voneinander ab und sind alle nötig.

Wie vertont man eigentlich Feuer?

Man versucht die Musik schlichtweg etwas feuriger als bei einem Wasseralbum klingen zu lassen… Mehr Leidenschaft, mehr Dynamik, mehr Kraft. Aber das waren eher unterbewusste AnsĂ€tze, denn letztendlich entwickeln die Lieder frĂŒher oder spĂ€ter ihr Eigenleben, so dass es auch dieses Mal wieder ein breites Maß an Abwechslung gibt und nicht nur typische Feuer-Lieder, die man beim ersten Hören als solche klassifizieren kann. Aber wir machen auch keine Programm-Musik, sondern arbeiten die Elemente vor allem lyrisch auf. Welchem Element man einen Song zuschreibt, liegt wohl auch immer im Auge des Betrachters. Deswegen gibt es da keine starren Regeln. Wichtiger ist mir, ein homogenes und schlĂŒssiges Album abzuliefern.

Und wo wir gerade bei Elementen sind: Wie schreibt man eigentlich Texte zum Thema Feuer? Auffallend ist dabei auch der starke Bezug zur griechischen Mythologie, wie schon beim Opener der sich mit – Goethes? – Prometheus beschĂ€ftigt.

Der Bezug zur griechischen Mythologie ist richtig. Statt Goethes Gedicht stand jedoch die mythologische Prometheus-Sage Pate beim Text zu „Retaliation Of Prometheus“. Sie wird allerdings ein paar Stufen weiter gesponnen. Im Mittelpunkt steht der Gedanke, dass Feuer ein Machtinstrument ist und dass die Menschen es missbraucht haben. Deswegen kehrt Prometheus, der dem Menschen einst das Feuer gab, nun zurĂŒck, um es wieder in seine Obhut zu nehmen und uns in die UnmĂŒndigkeit zurĂŒck zu verbannen. Ganz allgemein geht es mir hĂ€ufig weniger um das konkrete Feuer, sondern um den spirituellen Hintergrund, der die komplette Transit Poetry-Tetralogie durchzieht. Das jeweilige Element ist nur ein Vorzeichen. Wir tauchen quasi unter einem bestimmten Motto stehend tiefer in die Seinswelt ein und versuchen die eigentliche Essenz unserer Existenz zu ergrĂŒnden. So kann man in wenigen Worten das Ziel des Gesamtkonzepts umschreiben. Das Ganze ist ein stetiger Prozess, eine Art progressive Universalpoesie ohne wirkliches Ende. Wie man Texte schreibt, kann ich schwer erklĂ€ren. Am besten lĂ€sst man es einfach fließen. Wichtig ist mir jedoch auch der lyrische Aspekt, so dass ich diese Ideen aus dem Unbewussten dann mit Einsatz des Verstandes in eine kĂŒnstlerische Form bringe.

Wie wĂŒrdest du die Entwicklung von ‚Themes from a desolate Ocean‘ zu ‚Shamanic Passage through the Embers‘ beschreiben?

Nun, auf „Themes From The Desolate Ocean“ gibt es viele Stellen, die mir noch heute eine GĂ€nsehaut verursachen und bei denen ich mich frage, wie ich das nur hin bekommen habe. Allerdings gibt es gerade in Bezug auf die Produktion, den Gesang oder die IntensitĂ€t der StĂŒcke noch viele Schwachstellen, die ich diesmal ausmerzen wollte. „Themes…“ war also der Grundstein, durch den ich viel lernte, „Shamanic Passage…“ ist die konsequente Anwendung des Gelernten und eine Weiterentwicklung in dem Sinne, dass die Platte kraftvoller und leidenschaftlicher klingt. Ich habe jedoch versucht, das meiner Meinung nach Transit Poetry-Typische beizubehalten, so dass auch das neue Album eine Mischung aus Electronic, warmem Gothic, tanzbaren Elementen und alternativem Gitarren-Rock ist. Das sind meiner Meinung die prĂ€genden Merkmale unseres Sounds und die sollen auch in Zukunft beibehalten werden.

Was dabei etwas aus dem Rahmen fĂ€llt ist textlich das französische ‚La Grande Mer Silencieuse‘. Worum geht es in dem Lied – unter der Vorkenntnis dass ich absolut kein Französisch kann -, und warum wurde gerade das der Abschluss des Albums?

Das Lied bildet den Abschluss einer Odyssee durch den Feuer-Kosmos und fĂŒhrt uns zurĂŒck in einen eher ruhigen (metaphysischen) Ozean, in dem die Elemente vereint sind. Eine Quelle der Kraft und Ideen. Man hĂ€tte diesen Text selbstverstĂ€ndlich auch auf Englisch schreiben können, aber ich mag die französische Sprache, so dass ich seit jeher einmal einen komplett französischen Song machen wollte. Dieses eher ruhige StĂŒck bot sich dafĂŒr an und ich bin sehr glĂŒcklich, dass es geklappt hat.

Und was fĂŒr ein Element wird als nĂ€chstes vertont?

Das Element Erde. Es gibt sogar schon ein paar neue Texte. Allerdings ist in der Reihenfolge kein tieferer Grund zu sehen, denn kein Element wird dem anderen vorrangig angesehen. Die Dinge passieren einfach.

Wenn man sich die Titel deiner bisherigen Alben ansieht fĂ€llt auf dass du den Hörer nach dem kurzen prĂ€gnanten ‚Music for the Night‘ wieder mit gewohnten BandwĂŒrmern wie ‚Shamanic Passage through the Embers‘ konfrontierst. Ist das der Versuch den Hörer, der unweigerlich ĂŒber den Titel nachdenken muss – sofern er des Englischen mĂ€chtig ist – schon direkt ins Album hineinzuversetzen ohne dass er ĂŒberhaupt ein Lied davon gehört hat?

Naja, eher der Versuch das Album in seiner GĂ€nze zusammen zu fassen und auf den Punkt zu bringen. Ich mag Titel, die etwas ĂŒber die Inhalte aussagen und nicht nur Pseudo-Titel sind, weil man ein Album ja irgendwie benennen muss. Deshalb wird es bei Transit Poetry auch nie einen Titelsong geben, da alle StĂŒcke gleichberechtigt sind und auch auf diese Weise unter einem großen Dach – dem Titel – stehen sollen. Dass die Titel immer etwas lĂ€nger sind, als bei anderen Bands hat einerseits Ă€sthetische GrĂŒnde, andererseits aber auch damit zu tun, dass derartige Namen meist etwas individueller sind als Ein-Wort-Standart-Titel.

Wie schon bei den Despairation Sonetten tauchen mit ‚Shamanic Invocation‘ und ‚Firefly Garden‘ zwei vertonte Gedichte im sonst eher stimmig tanzbaren ElektrogefĂŒge auf. Gibt es irgendwelche Vorbilder im Bereich der geschrieben Lyrik? Und ist vielleicht mal ein kompletter Gedicht- oder Prosaband geplant?

Ja, ein Gedicht-Band ist schon seit Jahren geplant, aber im Moment wechseln die PrioritĂ€ten stĂ€ndig, so dass das Thema seit langem in der Warteschleife hĂ€ngt. Außerdem komme ich im Moment kaum dazu, neue Gedichte zu schreiben, da der Großteil meiner lyrischen Energie in die Songtexte fĂŒr meine drei Bands fließt. Vorbilder gibt es en masse, wobei ich diese lieber als gerne gelesene Dichter bezeichnen wĂŒrde, denn ich versuche nicht bewusst jemanden zu imitieren oder zu sein wie ein anderer Dichter. Ich habe eigene Ă€sthetische und inhaltliche AnsprĂŒche. GeprĂ€gt haben mich aber ganz sicher die Romantiker, ob nun die deutschen wie Novalis, Tieck, Hoffmann, Eichendorff oder ein Brite wie William Blake. Ich wĂŒrde Transit Poetry ganz klar in der Tradition der romantischen Philosophie sehen, denn – auch wenn dies nie so geplant war – kann man in den Transit Poetry-Texten eine ganz Ă€hnliche Weltsicht wieder finden. Und dass man mit einem ‚Poetry’ im Namen seine Gedichte nicht nur singen darf, sondern auch mal spricht ist doch legitim, oder? Ganz nebenbei fördert es schließlich auch die Dynamik des Albums.

Zum Bonustrack ‚Blueprint‘ wurde letztens ein Video gedreht. Warum hat man sich dafĂŒr ausgerechnet das Rainbow Cover ausgesucht, und keine reprĂ€sentative Eigenproduktion des Albums? So wie ‚Vanitas‘ mit ihrer ‚Endlosschleife‘?

Der Song ist kein Rainbow-Cover, sondern ein StĂŒck der Rainbirds. [Uh, peinlich… 😉 Anm. des Verf.] Die Coverversion wurde aus pragmatischen, nicht aus kĂŒnstlerischen GrĂŒnden fĂŒr den Videodreh ausgewĂ€hlt. Das gebe ich ganz offen zu. Schließlich will man auch, dass sein Video gespielt wird und die Chance ist bei einem Titel, den bereits jeder im Original kennt, grĂ¶ĂŸer als bei einem eigenen Song. Auf diese Weise werden vielleicht auch wiederum ein paar mehr Leute auf unsere Eigenkompositionen aufmerksam. Bei solchen Dingen hat schließlich auch die Plattenfirma ein Wörtchen mitzureden und die denken da natĂŒrlich etwas praktischer als wir. Aber wir mögen „Blueprint“ auch innerhalb der Band sehr gerne und waren froh, ĂŒberhaupt mal ein Video drehen zu dĂŒrften, so dass es da keine Diskussionen gab.

Beim Vergleich von ‚Music for the Night‘ und den ‚Shamanic Passages‘ fĂ€llt auf dass dein Gesang auf letzterer ein gutes StĂŒck dominanter und voluminöser wirkt. Ist das einfach eine kĂŒnstlerische Verbesserung oder soll es einen weiteren Unterschied zwischen Despairation und Transit Poetry markieren?

Nein, es soll keinen Unterschied markieren. Auch wenn ich in der Tat bei Despairation mittlerweile etwas höher singe, wohingegen es bei Transit Poetry viel von diesem tiefen Gothic-Gesang gibt und Eden Weint Im Grab ĂŒberwiegend Death Metal-typische Vocals abbekommt. Aber ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich – und auch der Rest der Band – mit dem Gesang auf Despairations „Music For The Night“ Album ganz und gar nicht zufrieden bin. Das liegt vor allem daran, dass die Despairation-Songs harmonisch teilweise nicht ganz einfach sind und wir im Studio viel zu wenig Zeit hatten, den Gesang fĂŒr dieses 80minĂŒtige Mammut-Projekt in Ruhe aufzunehmen. So wurden leider auch viele Takes verwendet, die tonal halbwegs okay, aber vom Feeling her nicht gerade ĂŒberragend sind. Transit Poetry nehme ich komplett in meinem eigenen kleinen Studio auf und kann mir deshalb alle Zeit der Welt nehmen. Deshalb klingt es auch viel besser. Wer Despairation schon mal live gesehen hat oder unser „Song Of Love And Redemption“ Album aus dem Jahre 2002 kennt, wird mir hoffentlich glauben, dass der Gesang auf „Music For The Night“ nicht unbedingt reprĂ€sentativ ist, sondern eher ein Ausrutscher. Sei es drum, ich kann es nicht mehr rĂŒckgĂ€ngig machen und mit Transit Poetry habe ich nun ja gezeigt, dass es deutlich besser geht.

Direkt auf der Indexseite der Transit Poetry Homepage wird der Leser mit ‚gothic CULTure‘ begrĂŒĂŸt. Inwiefern bildet Transit Poetry einen Teil einer Religion?

Religion? Nun, wir gehören keiner Religion an und predigen auch nichts. Wenn dann geht es eher um spirituelle Selbsterfahrung, aber ist eine sehr individuelle Sache und nichts das auf irgendeine Weise zu organisieren wĂ€re. Das mit dem „Gothic CULTure For A New Age“ hatte ich mir zum ersten Album ausgedacht, um einen markigen Spruch zu haben, der meine Vision von Transit Poetry kurz und prĂ€gnant wiedergibt, nĂ€mlich Gothic und Kultur zu verbinden. Ob es dann tatsĂ€chlich mal Kult oder prĂ€gend fĂŒr ein neues Zeitalter wird, mĂŒssen die Hörer entscheiden. Manchmal muss man eben einfach etwas ĂŒberheblich sein, um sich Gehör zu verschaffen. Ich hoffe, dass es noch klappt (breites Grinsen)…

Wie sieht Transit Poetry live aus? Geht das eher in Richtung ‚Sascha Blach legt auf‘ und die Massen tanzen, oder ist das ein klassisches Gemoshe mit Stage Diving und Haargekreise?

Oh, nein es ist ganz gewiss keine One-Man-DJ-Show! Wir sind eine richtige Rockband mit einem Gitarristen, einer Bassistin, einem Mann fĂŒr Keyboards und Samples sowie mir als SĂ€nger. Außer dass die Elektronik vom Mini-Disk kommt, spielen wir also wie jede andere Band auch alles live. Ob das Publikum nun eher mosht oder tanzt liegt weniger an uns als am Publikum. Es kommt eigentlich beides vor, wenngleich wir ja trotz harter Gitarren keine Metal-Band sind und die Anzahl kreisender MĂ€hnen sich eher in Grenzen hĂ€lt.

Kam es schonmal vor dass du Live auch mal Songs von deinen anderen Bands im Set hattest?

Nein, das versuche ich ganz klar auseinander zu halten. Ich habe auch keinen Bock darauf, mit zwei unterschiedlichen Bands am selben Abend zu singen. Eden Weint Im Grab gibt es ja eh nicht live. Meine Transit Poetry Kollegen wollten mich zwar schon öfter ĂŒberreden, das Ding auf die BĂŒhne zu bringen, aber da weigere ich mich beharrlich, solange es da nicht genau die Möglichkeiten gibt, die meiner Idealvorstellung entsprechen. Zudem glaube ich nicht, dass das Interesse an Eden Weint Im Grab-Livegigs tatsĂ€chlich so groß ist, wie mir einige Leute erzĂ€hlen wollen. Nee, nee, das Projekt soll sich mal schön seine JungfrĂ€ulichkeit bewahren.

Welches deiner Projekte scheint eigentlich relativ gesehen den grĂ¶ĂŸten Absatz zu finden? Um mal ein paar Zahlen zu nennen: Unser Eden weint im Grab Review wurde durchschnittlich etwa dreimal so oft gelesen wie die entsprechenden Despairation und Transit Poetry Rezensionen… Wobei man da selbstverstĂ€ndlich noch beachten muss dass man sich ĂŒber eine Band natĂŒrlich lieber informiert wenn man die entsprechenden Lieder kostenlos bekommen kann – und wir von metal.de natĂŒrlich eine der wenigen Onlinemags sind die ‚TrauertrophĂ€en toter TraumtĂ€nzer‘ im Archiv haben – was ich natĂŒrlich nicht sage um anzugeben sondern allein der Relativierung willen! (Allgemeines GelĂ€chter) Wie kommt der ganze Trubel bei dir rĂŒber?

Soweit ich das einschĂ€tzen kann, findet Eden Weint Im Grab den grĂ¶ĂŸten Zuspruch. Einzelne Songs des Albums wurden alleine bei www.mp3.de nun schon von fast 6.000 Menschen herunter geladen – zusĂ€tzlich habe wir das Album auch bei anderen Plattformen angeboten – und auch im GĂ€stebuch gibt es nahezu tĂ€glich neue EintrĂ€ge. Das finde ich schon beachtlich und ich hĂ€tte wahrlich nie mit einem derart großen Erfolg gerechnet. UrsprĂŒnglich war Eden Weint Im Grab nur eine kleine ZwischenbeschĂ€ftigung. Ich wollte lediglich ein Demo machen, da ich sehen wollte, was dabei herauskommt, wenn ich harte Musik mit deutschen Texten auf meine Weise kombiniere und daraus wurde schließlich ein ganzes Album, da die Ideen nur so flossen. Es gratis online anzubieten war eine recht spontane Aktion, da ich keinen Bock hatte, das Ding wieder ĂŒber irgend so ein Winzig-Label zu veröffentlichen, so dass dann wieder kaum jemand da draußen Notiz davon nimmt. Das tut immer sehr weh. Da habe ich lieber auf die 3 Euro 50, die ich vielleicht mal eines Tages fĂŒr ein paar verkaufte CDs bekommen hĂ€tte, verzichtet und jedem, der das will, die Chance gegeben es zu hören. Momentan arbeite ich an einem zweiten Album, da mich der ganze Zuspruch enorm motiviert hat und auch wieder jede Menge neue Ideen da sind. Es brennt mir schon regelrecht unter den Fingern. Mal davon abgesehen, dass die Gratis-Download-Möglichkeit viel mit dem großen Interesse zu tun hat, wird sicher auch der Name Eden Weint Im Grab eher mal jemanden zu einem Klick auf ein Review verleiten, als beispielsweise Despairation, da er leichter neugierig macht. Dieser ausgefallene Name dĂŒrfte also ein großer GlĂŒcksgriff gewesen sein. Hinzu kommt, dass es die Art von Musik und Texten so noch nicht gab. Sicher mögen oberflĂ€chliche Hörer Parallelen zu anderen Gothic/Death/Black-Metal Bands sehen, aber EwiG ist meiner Meinung nach viel verklĂ€rter, tiefsinniger und Ă€sthetischer, wĂŒrde ich sagen. Da den Menschen die Musik gefĂ€llt, erzĂ€hlen sie ihren Freunden davon und so verbreitet sich der Name. Aber letztendlich lassen sich solche Dinge nicht steuern und auch wenn Transit Poetry oder Despairation weniger Leute hören wollen – oder können, weil es die Platten nur zu kaufen gibt und keine große Promotions-Maschinerie dahinter steht – steckt von meiner Seite doch das selbe Herzblut darin.

Mal ganz hypothetisch: Angenommen du wachst eines morgens auf, wirst von einer genialen musikalischen Idee befallen und hast nach mehreren Stunden Komponierens am Abend ein kleines beklemmendes KlavierstĂŒck im Stile von Schubert – was machst du dann damit? Wird das irgendwie fĂŒr Despairation oder Eden weint im Grab in ein modernes Gewand umgeschrieben, oder wĂ€re das fĂŒr dich ein Grund fĂŒr ein neues Solo Projekt? (grinst)

Na, die Gefahr besteht nicht, weil sich meine KlavierkĂŒnste im Vergleich zu von Schubert doch in Grenzen halten. Aber prinzipiell lĂ€sst sich ein derartiges StĂŒck bei allen drei Bands unterbringen. Bei Despairation hatten wir ja schon mal ein rein klassisches Piano-StĂŒck auf der „Music For The Night“ und auch bei EwiG wĂŒrde sich das gewiss gut machen als Auflockerung zwischen all dem LĂ€rm (grinst). Ganz allgemein kann ich sagen, dass mir die drei Bands momentan vollkommen reichen und ich nicht das GefĂŒhl habe, mir fehle noch ein weiteres Projekt, um mich in meiner GĂ€nze ausdrĂŒcken zu können. Despairation, Transit Poetry und Eden Weint Im Grab lassen allesamt genug Platz fĂŒr Experimente und ich scheue mich auch nicht davor, mal etwas Neues zu versuchen, denn gerade das macht es doch spannend. Aber es ist gut möglich, dass meine Weiterentwicklung eines Tages verlangt, dass ich wieder neue Wege gehe und dafĂŒr alte verlasse. Aber das wird die Zeit zeigen.

Und jetzt noch ein kleiner Themensprung: WĂ€hrend die politischen Vertreter Deutschlands aus aktuellem Anlass in ihren Wahlkampfprogrammen jeden ökonomischen Unterpunkt mit penibelster Genauigkeit ausdiskutieren, kommt bei allen Gruppierungen das Thema ‚Kunst‘ zu kurz, und wer ernsthaft Kunst schaffen will, muss das wie schon seit 2000 Jahren ’nebenberuflich‘ machen, oder sich irgendeinen Sponsor suchen. Wie betrachtet man so etwas als Mensch, der mit vollstem Herzblut – und immerhin 3 Bands (grinst) – in der Kultur des Landes veranktert ist?

Oh ja, dem stimme ich ganz ausdrĂŒcklich zu, die Themen Kunst und Kultur kommen in unserem Land ganz eindeutig zu kurz. Wenn man sich die Wahlkampfdiskussionen ansieht, dreht sich immer alles nur um die Wirtschaft und den Kapitalismus – unter dem Deckmantel der Arbeitslosigkeitsbeseitigung natĂŒrlich… Mich nervt es schon lange, dass in unserer Gesellschaft scheinbar nur noch das Geld zĂ€hlt und fĂŒr kĂŒnstlerische oder geistige Werte ĂŒberhaupt kein Mensch mehr eine Lanze bricht. Selbst Themen wie Umwelt- oder Tierschutz, die mir am Herzen liegen, sind absolut unterreprĂ€sentiert. Nahezu alle Parteien passen sich dem „Geld regiert die Welt“ Prinzip an, gucken fast ausschließlich auf den neuen Gott, die Wirtschaft, und sehen tatenlos zu, wie der Mensch seine Mitgeschöpfe die Tiere ausbeutet, quĂ€lt und ausrottet, die Natur zerstört und sich letztendlich sein eigenes Grab grĂ€bt, ohne es zu merken. Ich glaube, wenn die Menschen spirituellen GrundsĂ€tzen wieder mehr Wert zumessen und alles Leben gleichermaßen wertschĂ€tzen wĂŒrden, anstatt ausschließlich vergĂ€nglichen, materiellen Werten verhaftet zu sein, wĂŒrden sich viele Probleme unseres Landes ganz von alleine lösen. Aber da sind sowohl die Politiker als auch der Großteil der Bevölkerung scheinbar zu beschrĂ€nkt und zu weit entfernt vom Sinn des Lebens. Ich fĂŒr meinen Teil sehe den Sinn meines Lebens in meiner KreativitĂ€t, die sich ĂŒberwiegend durch Musik Ă€ußert. Aber das schĂ€tzt unsere Gesellschaft allenfalls als Hobby, nicht als Leidenschaft und Lebenselixier…

Okay, dann betrachten wir das als Schlusswort und kommen zur Ruhe. Ich bedanke mich fĂŒr die immer gut gelaunte und lebhafte Interviewbereitschaft und hoffe demnĂ€chst wohl auch mal ein Live-Review anhĂ€ngen zu können. Die letzten Worte gehören natĂŒrlich dir!

Klar, Live-Reviews sind immer willkommen. Ich bedanke mich fĂŒr die klugen Fragen und die Möglichkeit hier ĂŒberhaupt etwas sagen zu dĂŒrfen. Wie immer gilt der Hinweis auf unsere Homepage www.transitpoetry.de fĂŒr alle die mehr wissen wollen. Ich hoffe man hört sich…

24.09.2005

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