Architects
Livebericht zur Tour 2014

Konzertbericht

Billing: Architects und Northlane
Konzert vom 02.04.2014 | Strom, München

Innerhalb der metal.de Redaktion herrschte eine Einigkeit, die es schon lange nicht mehr gab: Das neue Album der ARCHITECTS „Lost Forever // Lost Together“ ist bärenstark und lässt potenzielle Konkurrenten meilenweit hinter sich. Das wirft natürlich die Frage auf, wie das Album in der Live-Situation umgesetzt wird und wie es mit älterem Material harmoniert. Gut, dass die Band aus Brighton kurz nach dem Release auf ausgedehnte Tour gegangen ist und wir die Möglichkeit hatten uns in München ein Bild davon zu machen. Mit im Tour-Tross waren die US-Boys STRAY FROM THE PATH, die sich mit ihrer aktuellen Platte „Anonymous“ anschicken das RAGE AGAINST THE MACHINE Erbe anzutreten, die australische Metalcore-Hoffnung NORTHLANE und die wiedervereinten Briten von MORE THAN LIFE.

 

MORE THAN LIFE


Architects

 

Vor etwas über einem Jahr hatten die Engländer von MORE THAN LIFE mit einer groß angekündigten Abschiedstour eigentlich ihren Hut genommen. Jetzt sind schon wieder mit neuer Platte auf Europa-Tour und machen im halb gefüllten Strom den Anheizer. Die beste Live-Band waren MORE THAN LIFE noch nie, und auch heute wirken sie etwas lustlos. Zwar starten sie mit „Faceless Name“ gleich stark und mit gutem Sound, aber wirklich Stimmung kommt nicht auf. Einziger Aktivposten ist der Sänger, der die hüftsteife Performance seiner Instrumentalisten ein wenig auffängt. Beim zweiten Song pellt er sich aus seinem Hoody und sucht den Publikumskontakt im Graben. Sofort ist die erste Reihe da, zeigt sich textsicher und die ersten Singalongs sind auch für den Rest des Publikums der Startschuss um sich in Bewegung zu setzen. Der Pit bleibt aber äußerst überschaubar obwohl mit „Fear“ und „Never Ender“ eindringlich nachgelegt wird. Nach dem kurzen Aufbäumen flacht die ganze Chose schon wieder ab. Erst zum Schlusspunkt „Love Let Me Go“ geht noch ein bisschen was, das war es dann aber auch.


Setlist:

  • Faceless Name
  • Weight Of The World
  • Fear
  • Never Ender
  • What’s Left of Me
  • I’ve Lost Track of Everything
  • Do You Remember
  • Love Let Me Go

 

NORTHLANE

 

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Die darauf folgenden NORTHLANE waren mir bis zu diesem Abend kein Begriff, schienen aber durchaus einige Anhänger ins Strom gelockt zu haben. Die Australier setzen auf eine interessante Mischung aus Metalcore-Sound und abgedrehten Effektspielereien. Darüber singt Sänger Adrian Fitipaldes sehr variabel. Vom tiefen Growlen bis zum Cleangesang kommt alles auf den Punkt. Auch der Sound ist richtig gut – wie im Übrigen den ganzen Abend über – und obwohl die Rahmenbedingungen passen, die Band gut eingespielt ist und die Leute mitgehen, reißt mich NORTHLANE kein bisschen mit. Irgendwie ist mir das Ganze ein wenig zu zerfahren, um hängen zu bleiben. Es folgt Part auf Part, ohne den wirklich fetten Punkt mitzunehmen. Im Großen und Ganzen zwar eine gute Show, aber einfach nicht meins.


Setlist:

  • Genesis
  • Scrab
  • Aspire
  • Dream Awake
  • Worldeater
  • Windbreaker
  • Quantum Flux

 

STRAY FROM THE PATH

 

Architects

 

STRAY FROM THE PATH konnte mich im letzten Jahr auf der Tour mit DEEZ NUTS und THE GHOST INSIDE nicht wirklich überzeugen. Meine Erwartungen waren demnach deutlich runtergeschraubt. Was die New-Yorker dann aber in ihrer knappen halben Stunde Spielzeit in München abfeuern, ist einfach grandios. Gleich mit dem ersten Song „Badge & A Bullet“ ist das Energielevel unglaublich hoch. Sänger Drew York macht mächtig Action und kotzt seine Texte extrem inbrünstig ins Mikro. Gitarrist Tom Williams entlockt seinem Sechssaiter wahnwitzige Effekte in der Tradition eines Tom Morello und Drummer Dan Bourke verprügelt sein Kit, dass es eine wahre Freude ist, zu zusehen. Mittlerweile hat der Mischer den Lautstärkeregler um einige Dezibel nach oben geschoben, dass es ohne Gehörschutz kaum noch erträglich ist. Auch das Publikum lässt sich nicht lange bitten. Man merkt, dass STRAY FROM THE PATH in den letzten Jahren öfter in Europa unterwegs waren und sich einige Anhänger erspielt haben. Der Club ist jetzt proppenvoll und einige Mosher haben ein riesiges Loch in die Mitte der Tanzfläche gerissen. Es beteiligen sich nicht unbedingt viele am Pit, aber die, die dabei sind, schonen sich kein bisschen. Kein Wunder, dass dementsprechend die ersten Opfer zu beklagen sind. Blutige Nase hier, blaue Flecken dort. Die Band bietet kaum Gelegenheiten für eine Verschnaufpause. Ein Song nach dem anderen wird ohne Pardon in die Menge gefeuert. Beim fulminanten Schlusspunkt „Bring It Back To The Streets“ ist die Menge komplett ausgepowert und Schweiß getränkt. Starker Auftritt!

 

Setlist:

  • Badge & A Bullet
  • Mad Girl
  • Negative And Violent
  • Death Beds
  • Radio
  • Damien
  • Black Friday
  • Bring It Back To The Streets

 

ARCHITECTS


Architects

 

Nun ist es endlich Zeit für die ARCHITECTS, die aber ein bisschen auf sich warten lassen. Die Stimmung beim Soundcheck ist sichtlich gelöst, es wird viel gescherzt und gelacht, während sich das Strom immer weiter füllt, bis es sehr gedrängt ist. Der Club ist ausverkauft und das merkt man. Dann geht es endlich los. Die Band braucht nicht viel Anlauf, um auf 180 zu kommen. Nach einem kurzen Intro prescht „Gravedigger“ los, und was auf Platte funktioniert, funktioniert auch live. Der Song ist der perfekte Opener. Das darauf folgende „C.A.N.C.E.R“ planiert im Midtempo durch das Strom und die Leute rasten kollektiv aus. Von Beginn an hat Sam Carter die Menge im Griff. Egal ob er Mitsingen oder einen Circle-Pit fordert, wird dem sofort nachgekommen. Stimmlich ist er voll auf der Höhe. Sowohl die Shouts, als auch der Clean-Gesang kommen genau auf den Punkt und ganz nebenbei ist der Gute auch noch ziemlich bodenständig und sympathisch.


Architects

 

Man glaubt es kaum, aber es ist noch lauter, noch brachialer als zuvor. Der Bass drückt massiv in der Magengegend, aber trotzdem ist der Sound insgesamt transparent und differenziert. Das kommt dem technisch anspruchsvollen Material natürlich sehr entgegen. Über die Hälfte des Songs kommen vom neuen Album „Lost Forever // Lost Together“, dazu das Beste von „Daybreaker“, „Hollow Crown“ und nur „Day In, Day Out“ von „The Here And Now“, ergibt ein Set ohne Durchhänger. Schön zu sehen und zu hören, wie gut altes und neues Material zusammen harmonieren. Highlights zu benennen, wäre müßig. Klar, für das Ende des regulären Sets, haben sich die ARCHITECTS mit „Broken Cross“ einen Brocken aufgehoben, aber die Zugabe mit „Red Hypergiant“, als Überleitung zum abschließenden „These Colours Don’t Run“ und dessen übermächtigen Schlussbreakdown ist schon ein Klasse für sich. Nach etwas über einer Stunde ist es vorbei. Über die volle Länge mehr als überzeugend, auch wenn es noch einige Stunden nach dem Ende immer noch in den Ohren klingelt.


Setlist:

  • Gravedigger
  • C.A.N.C.E.R
  • Alpha Omega
  • Even If You Win, You’re Still A Rat
  • Day In, Day Out
  • Naysayer
  • The Devil Is Near
  • Follow The Water
  • Colony Collapse
  • Dead Man Talking
  • Devil’s Island
  • Early Grave
  • Broken Cross

Zugabe:

  • Red Hypergiant
  • These Colours Don’t Run

Fotos: Claudio Nadalutti

15.04.2014

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