August Burns Red feiern mit ihren Fans im Live-Stream
Christmas Burns Red

Konzertbericht

Billing: August Burns Red
Konzert vom 12.12.2020 | Rock Lititz Studio, Lititz, PA, USA

Die Idee, Live-Gigs im Streaming-Format anzubieten, war eigentlich schon im vergangenen Sommer ein alter Hut. Anfangs boten in diesem Rahmen aber vorwiegend Solo-KünstlerInnen ihren Content auf den gängigen Social-Media-Plattformen für umme an. Damals ging es in erster Linie darum, Fans und Freunden ein wenig Verbundenheit während des Lockdowns zu signalisieren und im intimen Rahmen der eigenen vier Wände in eine Kamera zu singen.

Allzu lange dauerte es freilich nicht, bis auch bekanntere Acts ihre vermeintlichen Live-Shows dem Mainstream erstmals zugänglich machten, und so mutierte eine kleine, dem Underground vorbehaltene Geste zu einem ertragreichen Großformat. Hand in Hand wurden Wohnzimmer-Festivals  zur Primetime ausgestrahlt und die ersten Fake-Performances über Live-Streams angeboten. Zwar sind die Kosten für den Code zum Online-Event meist recht erschwinglich („Christmas Burns Red“ konnte man beispielsweise für 15 $ streamen) , eine gewisse Restskepsis bleibt aber bestehen. So wird man im Vorfeld nicht selten dazu gedrängt, in Event-Shirts oder Special-Bundles zu investieren. Es ist nicht so, dass hierbei ein unverhältnismäßig hoher Preis ausgerufen wird, zu einem intensiveren Live-Erlebnis führt das per Post zugestellte T-Shirt aber auch nicht zwangläufig.

AUGUST BURNS RED bieten eine Live-Performance ohne Live-Performance

Das heutige Set wurde mit einer Cover-Version von „Chop Suey!“ aus dem Hause SYSTEM OF A DOWN eingeläutet, allerdings nur aus der Konserve. Dazu blendete man die Bandmitglieder als Comic-Figuren ein, ehe der Vorspann in eine gesprochene Einleitung aka Weihnachtsgeschichte mündete. Zu diesem Zweck lümmelte Rennfahrer Bubba Wallace bräsig in einem Ohrensessel herum, während im Hintergrund der brennende Kamin knisterte. Relativ mühelos verlas er aus einem Buch, was die Streaming-Kunden in den kommenden achtzig Minuten zu erwarten hätten.

Da war die Rede von Flip-Flops-tragenden Gitarristen und einem gleichzeitig bärtig wie muskelbepackten Sänger und viel Energie und Party. Und genau so war es dann auch. Die Band präsentierte sich gut gelaunt und imitierte einen Auftritt vor tausenden Menschen, ungerührt von der Tatsache, dass bis auf das anwesende Studiopersonal niemand anwesend war.

War früher alles besser?

Mit dem stimmungsvollen Instrumental-Stück „Flurries“ wurde das Set fulminant eingeläutet, ehe Jake Luhrs im offenen Jeans-Hemd auftauchte und vollbrünstig in „King Of Sorrow“ einstieg. Dabei ließ der Sänger keinen vermeintlichen Pathos-Patzer aus und gab wirklich jede erdenkliche Emo-Pose zum Besten. JB Brubakers Füße steckten übrigens tatsächlich in besagtem Strand-Schuhwerk, was ihn aber nicht davon abhielt, von einem Bühnenrand zum nächsten zu flitzen.

Eingerahmt wurden die Musiker von einem tollen Set-Design, das thematisch natürlich voll in die Weihnachts-Kerbe schlug. Es brannten viele Lichter an Spalier stehenden Nadelbäumen, während die Kulisse mit einer überragenden Light-Show garniert wurde.

Alles in allem erinnerte das Setup dennoch an unzählige Video-Clips aus einer längst vergessenen Ära, als Hair-Metal-Bands auf der Bühne einer leerstehenden Arena herumhüpften und dem Zuschauer damit Live-Action vorgaukelten. Der Unterschied: „Unskinny Bop“ von POISON dauert gerade mal dreieinhalb Minuten, während AUGUST BURNS RED sechzehn Tracks in diesem unnahbaren Format präsentierten.

War es das wert?

Der Sound war erste Sahne, selten kamen die filigranen Gitarren-Parts so ausdrucksstark zur Geltung. Eine perfekte Balance zwischen den Kanälen wurde auch dann gehalten, wenn Luhrs besonders aggressiv ins Mikro bellte. Musikalisch betrachtet, gibt es an dem Auftritt wahrlich nichts zu bemängeln. Der Band gelang es auch in Sachen Spielfreude und Bühnenpräsenz ein professionelles Ergebnis zu liefern. Auch aus wirtschaftlicher Sicht, wird die Veranstaltung sicherlich schwarze Zahlen geschrieben haben und die unzähligen Kommentare auf der Facebook-Seite der Band lassen vermuten, dass alle Beteiligen den Browser am Ende glücklich und zufrieden geschlossen haben.

19.12.2020

Left Hand Path

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