August Burns Red - Found In Far Away Places

Review

Galerie mit 15 Bildern: August Burns Red - The Final March Tour 2018

Klar, US-Amerikaner hauen gern auf die Kacke. So bewerben selbst dilettantischste Highschool-Truppen aus Übersee ihre zusammengestümperten Platten völlig selbstverständlich als das nächste „Masterpiece“, das natürlich „boundary-crushing“ und außerdem von der Fachpresse „long-awaited“ ist. In den meisten Fällen entpuppen sich die Scheibchen bestenfalls als kümmerliche Durchschnittsware, was die „Credibility“ so manches Promo-Blättchens und großspuriger Label-Rundmails durchaus infrage stellt. Aber auch gestandene Metalbands lassen sich in puncto Marketing heuer nicht lumpen: Wer dieser Tage auf der Facebook-Seite der Metalcore-Veteranen AUGUST BURNS RED unterwegs ist, kann sich vor bunten Bildchen ebenfalls nicht retten. „Yeah! Unsere neue Platte ist draußen! Hol sie dir jetzt!“ Und da die Kids heutzutage natürlich keinen blassen Schimmer haben, wo sie sich das Teil besorgen sollen, gibt es die Links zu einschlägigen Portalen gleich obendrauf – sowie einen flackernden Banner mit der Information, dass das Album beim Discounter Target für 9,99 US-Dollar zu haben ist. „Du hast unser neues Album auf Vinyl bestellt?“ Bäm! „Erfahre hier, wie du drei Bonustracks downloaden kannst!“

Was am Ende zählt, ist allerdings aufm Platz, oder besser: auf Platte. Denn Platten lügen nicht – einmal veröffentlicht, rückt alles Tamtam in den Hintergrund und die Musik muss ihre Qualitäten allein unter Beweis stellen. Im Falle der neuen Scheibe AUGUST BURNS REDs bewahrheitet sich der diesbezüglich beliebte Ausspruch „Große Fresse, nix dahinter“ allerdings nicht. Denn „Found In Far Away Places“ stellt sich als absolute Killer-Scheibe heraus – ernsthaft.

Natürlich ist auch die neue Platte aus dem Hause AUGUST BURNS RED in erster Linie ein Metalcore-Album. Das bedeutet: „Found In Far Away Places“ wird jene Puristen, die das Genre bisher verteufelten, auch nicht hinterm Ofen hervorlocken. Breakdowns, stoisches Gebelle und eingängiges Geriffe ist für so manchen eben ein rotes Tuch. Dass die US-Amerikaner auf ihrem siebten Studioalbum wesentlich variabler agieren als der Durchschnitt ihres Segments, fällt dabei aufgrund beharrlich gepflegter Ressentiments leider unter den Tisch.

Denn „Found In Far Away Places“ ist beileibe kein lieblos zusammengeschriebener Tonträger, sondern überzeugt mit frischen Ideen und bemerkenswerter Tiefe. Ob nun Streicher und überraschende Klezmer-Anleihen in „Separating The Seas“, die Rock-’n‘-Roll-getränkten Soli in „Martyr“ und „Identity“ oder der Country-Einschlag im Mittelteil von „Majoring In The Minors“ – AUGUST BURNS RED beweisen erneut, dass sie auch links und rechts des Weges schauen. Eine äußerst erfreuliche Entwicklung, die sich auf den Vorgängerwerken ja bereits angedeutet hatte.

Metalcore-Freunde müssen sich übrigens keine Sorgen machen – es wird auch ordentlich gehauen, beispielsweise im mit jazzig angehauchtem Zwischenpart und Wahnsinns-Solo ausgestatteten „Everlasting Ending“, dem rasanten „Broken Promises“ sowie dem überragenden „Blackwood“, bei dem packendes, melodisches Hochgeschwindigkeitsriffing à la AS I LAY DYING mit verträumten, post-rockigen Parts eine beispielhafte Symbiose eingeht. Bereichert wird das Ganze von dissonantem ARCHITECTS-Gewüte in „Twenty-One Grams“ sowie nahezu post-metallisch anmutenden Momenten wie im Schlusstrack „Vanguard“. Selbstverständlich arbeiten AUGUST BURNS RED über weite Strecken auch mit bewährten Metalcore-Stilmitteln, als da wären: flotte Doppel-Leads, rhythmisch-brachiale Riffarbeit und griffige Hooks.

Kleine Spannungsabfälle treten lediglich im vielversprechend düster beginnenden „Ghosts“ sowie beim Gesang Jake Luhrs‘ zutage: Der Fronter brüllt sich zwar wie besessen durch die Songs und agiert mit schierer Urgewalt, punktet dabei aber nicht immer mit großer Abwechslung. Für diese sorgt dann wiederum Gastsänger Jeremy McKinnon (A DAY TO REMEMBER), der in letztgenanntem Track einen überzeugenden Clean-Part beisteuert.

Bezeichnete Kollege Fabian Just den Vorgänger „Rescue & Restore“ noch als das „wahrscheinlich beste Album“ der US-Amerikaner, besteht im Falle von „Found In Far Away Places“ nicht der geringste Zweifel, an welcher Stelle der Diskografie sich das siebte Studiowerk einreiht: AUGUST BURNS RED ist die Synthese von Brachialität und Melodie noch nie besser gelungen als auf ihrem neuen Album. Genauso muss Metalcore anno 2015 klingen – der Genre-Thron scheint daher für dieses Jahr in fester Hand.

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30.06.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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2 Kommentare zu August Burns Red - Found In Far Away Places

  1. ayzee sagt:

    Schön geschriebenes Review! Und mal wieder eins dieser Reviews, von dessen Schreibstil und Inhalt sich einige Kollegen mal ein Scheibchen abschneiden könnten/sollten. Zumindest bei Anton und Alex (Klug) weiß ich immer, dass ich auf der richtigen Seite bin – also weiter so!

    Zum Album: Tja, mal schauen. Ich bin zwar kein Metalcore Fan, aber die offenbar sehr kreative und wohl auch teils experimentelle Umsetzung macht mich nun doch neugierig. Werd mir das Teil mal anhören..

  2. Tomash sagt:

    Eigentlich war der Plan, mich hier über die über 9/10 Punkte zu beschweren, weil ich nicht glauben konnte, dass ne ABR-Scheibe soviel reißt. Aber was soll man sagen, nach vielen Durchläufen halte ich 8-9 Punkte definitiv für gerechtfertigt. Wahnsinns-Songs gepaart mit dem fettesten Soundgewand, das ich mir für diese Musik vorstellen kann. Und was Shouter Jake Luhrs hier abdrückt ist einfach sic! Defintiv eines der Highlights 2015, dafür verzeihe ich den Jungs sogar die Weihnachtsplatte!