Isvind
ISVIND live in Berlin 2013

Konzertbericht

Billing: Isvind und Nebiros
Konzert vom 07.11.2013 | K17, Berlin

Isvind

Der Wind aus Norwegen ist heute Abend angenehm eisig. ISVIND haben ihren neuesten Langspieler „Daumyra“ unlängst veröffentlicht und statten auch Deutschland im Zuge ihrer Tour wieder einen Besuch ab. Dabei war man erst im August nahe der Ostsee beim Barther Metal Open Air. Schön zu wissen, dass sich die traditionellen Black Metaller in hiesigen Breitengraden wohlfühlen. Zwar mag die Ansage von Goblin, Berlin sei ihre zweite Heimat, ein wenig überzogen sein, doch das multipliziert den eh schon stark ausgeprägten Sympathiefaktor von ISVIND nur. Aber dazu später mehr.

Der Hof im K17 ist heute gut gefüllt, doch der zweite Blick verrät: Bei den Versammelten kann es sich unmöglich um Leute handeln, die sich auf eine Schwarzwurzel-Ernte freuen. An der Abendkasse die Erleuchtung: Im großen Bereich steht ein komplett anderes Musikgenre auf den Brettern. Also müssen die Schwarzmetaller wieder Treppen steigen, um sich ihre Idealvorstellung musikalischer Unterhaltung im gemütlichen Kabuff reinzufahren. Genau da, wo ISVIND schon im September letzten Jahres eindrucksvoll abgeräumt haben!

Um 20:00 Uhr sollte es losgehen, um Viertel nach lodert der erste richtige Ton in der Dunkelheit. Auch Black Metal hat ein Recht aufs akademische Viertel! Nachdem Slipknot ganz unpassenderweise den Konserven-Entertainer gegeben haben, fällt der Auftakt nach einem etwa zehn Sekunden umfassenden Soundcheck geradlinig schwarz aus. Die Berliner MDCLXVI schieben ihre Akkorde ohne Umwege, tappen dabei aber nicht in die Belanglosigkeits-Falle gemäß Schema X. Der Sound ist gut, das Corpsepaint sitzt, die Songs machen Laune, die wenigen Ansagen sind bestenfalls holprig und Überraschungen gibt es nicht. Zumindest keine, die der Musik zuzuschreiben sind. Es gibt diesen Moment, als der Sänger kurz aus dem teuflischen Korsett ausbricht und ein Lächeln zeigt. Danach ist wieder infernalisches Kreischen angesagt. Alles in allem ein ordentlicher Auftritt vor gar nicht so wenig Interessierten.

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Auch NEBIROS entern die Bühne mit Leichenbemalung, verleihen ihrem Black Metal aber immer wieder eine amtliche Prise Groove. Das macht die Stücke „headbangbarer“ und das Publikum beweglicher. Manche Riffs sind eher vom klassischen Metal geprägt, sodass einzelnen Songs eine zündende Heavyness innewohnt und das Set insgesamt ausgewogener ist. Auch die Musiker wirken agiler, wenn auch nicht übermütig – im Ursprünglichen handelt es sich ja immer noch um Black Metal. Trotzdem: Der Bassist verbiegt sich schon mal mit seinem Instrument und wirkt wie ein enthusiastischer Rockstar auf Yoga-Kurs. Nein, im Ernst: NEBIROS sind heute Abend ein klasse Anheizer und zu Recht die vorletzte Band.
Schmunzeln musste man übrigens, als der Frontmann von MDCLXVI unmittelbar nach Beginn des ersten Songs noch fix mit einem Kasten Bier über die Bühne huscht und Backstage verschwindet. Am Ende bekommt der Drummer vom Bassisten sogar einen Kuss auf die Wange. Süß – und schon muss man wieder an Pandabären denken.

Isvind

Apropos Drummer: Es war nicht zu übersehen, dass bei beiden Vorbands dieselbe Person auf dem Schemel saß. Ein nettes Gespräch mit dem Schlagzeuger ergibt, dass der regional recht engagierte Fell-Verdrescher erst seit Juni bei NEBIROS zuhaut. Das erklärt auch die Absprachen vor jedem Song. Umso beeindruckender, dass das Schlagzeugspiel keine hörbaren Unfeinheiten zeigt, sondern zu jeder Zeit präzise und druckvoll ist.

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ISVIND! Die Norweger sind eine unbeschreibliche Macht und das wird auch heute wieder deutlich. Zum Anfang geht’s in die frostige Vergangenheit: mit „Over Blaamyra Steg Kongen“ vom 1993er-Demo „Nivelheimen“, von dem auch die Zugabe (Titeltrack) stammt. Per Doppelschlag reisen wir mit ISVIND 20 Jahre in die Zukunft, denn „Kast Loss, Brenn Alt!“ und „Speculum“ fegen wie ein rasanter Nordwind von der Bühne ins Publikum. Das übrigens ordentlich mitgeht – angesichts der Nackenmuskel zermürbenden Riffs auch kein Wunder (vor allem „Speculum“ mit seinem Jahrhundert-Riff in der hinteren Song-Hälfte!). Mehr wird vom aktuellen Langspieler nicht präsentiert, und so fällt auch „Burn The Kings“ mit seiner sensationellen Reid durchs Raster – schade.
Es folgt ein stimmiges Potpourri aus Songs der zwei anderen Alben mit vereinzelten Demo-Ausflügen, und zwischendurch wird zugeprostet und angestoßen – die erwähnte sympathische Ader der Norweger pulsiert ordentlich. „Kjølhalt“ vom „Intet Lever“-Album ist erneut ein Paradebeispiel für erstklassige Hooklines im Black-Metal-Gewand. Wer kann den Kopf da ruhig halten? Am Ende macht’s obligatorisch „Ulv! Ulv!“, bevor eine Zugabe den starken Auftritt beendet.
Es fällt noch auf, dass die Felle neuerdings von einer jungen Frau verhauen werden – und das amtlich. Sieht man ja auch nicht allzu oft im Knüppel-Genre. Nun, das Fazit wurde dem Absatz schon vorangestellt: ISVIND waren mächtig, ISVIND sind mächtig – sowohl auf Platte als auch auf der Bühne!

Setlist:

  • Over Blaamyra Steg Kongen
  • Kast Loss, Brenn Alt!
  • Speculum
  • Kjølhalt
  • En Gjennområtnet Hytte
  • Isvind
  • Intet Lever
  • Dommedags Grimmtunge Slegge
  • Stille Sjel
  • Pisslunka Kjøtt
  • De Dødes Maskerade Af Synd
  • Ulv! Ulv!
  • Nivelheimen (Zugabe)
Isvind
12.11.2013

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