Machine Head
The Eighth Plague Tour

Konzertbericht

Billing: Bring Me The Horizon, Darkest Hour, DevilDriver und Machine Head
Konzert vom 2011-11-30 | Turbinenhalle, Oberhausen

Machine Head

„Unto The Locust“, das kürzlich erschiene MACHINE-HEAD-Album Nummer sieben, wurde mit Lob und positiven Medienreaktionen überhäuft. Obwohl sich das Werk an dem übermächtigen Vorgänger „The Blackening“ messen lassen musste, gab es – zurecht – kaum kritische Stimmen. Mit der „The Eighth Plague Tour“ wird das gute Ding nun auf die Bretter gebracht. Mit dabei – ein fast perfekt geschnürtes Paket an Supportbands. Metal.de war für euch in der Turbinenhalle Oberhausen, dem letzten Termin in Deutschland. Was für ein Fest!

 

Galerie mit 27 Bildern: Darkest Hour - Machine Head - Tour 2011

 

Bereits zu DARKEST HOUR, der ersten Band des Vierergespanns, ist die Halle prall gefüllt. Das „Ausverkauft“-Schild hängt zwar noch nicht an der Kasse, doch viel Platz ist in dem für 3.000 Personen ausgelegten Konzertsaal auch nicht mehr. Natürlich tummeln sich noch viele Metaller an der Theke oder beäugen misstrauisch die saftigen Merch Preise. 30 € für ein Shirt – die Headliner sind eindeutig ganz oben angekommen, im guten und im schlechten. Wer mehr Lust auf Musik hat, bekommt eine sehr schöne Vorstellung geboten. Die fünf Amis können mit ihrer Mischung aus melodischem Death Metal und Metalcore sofort punkten. Der Sound ist vor allem im hinteren Bereich sehr verwaschen, was sich in der viel zu knappen halben Stunde Spielzeit auch nicht deutlich bessert. Der Band kann man im Gegenteil nichts Negatives vorwerfen.

 

Galerie mit 20 Bildern: DevilDriver - Machine Head - Tour 2011

 

Kurze Umbaupause, unveränderte Bühnenoptik. Die Chefs von MACHINE HEAD haben ihren Supports scheinbar jegliche Deko, einschließlich Backdrops, verboten. Davon lassen sich die Energiebolzen DEVILDRIVER aus Santa Barbara nicht beirren. Mit Strobo und einer Riffwand zur Begrüßung wird hier von der ersten Minute an Vollgas gegeben. Leider bleibt der Sound auch diesmal recht frontal. Vorne drückt das Ganze ordentlich, nach hinten hin verkommt es leider erneut zu einem Geräuschebrei. Bradley Fafara zeigt sich souverän und charismatisch und punktet unter anderem mit seinen sympatischen Ansagen. „You are a family. So when someone falls in the pit, you pick him up like a brother or sister. No violent dancing shit!“ Word. Sowohl optisch (was für eine zugehackte Rampensau am Bass!), als auch handwerklich sind DEVILDRIVER eine gute Live Band. So auch heute.

 

Galerie mit 18 Bildern: Bring Me The Horizon - Machine Head - Tour 2011

 

BRING ME THE HORIZON sind die Exoten des Abends. Theoretisch müsste ihr moderner Metal gut ins Billing passen – praktisch erweisen sie sich als Fehlbesetzung, vor allem als Co-Headliner. Dabei bemüht sich die junge Band sehr darum, das Publikum für sich zu gewinnen. Eine energiegeladene Show gepaart mit wuchtigen Riffs – alles was ein Metal-Herz begehrt? Heute scheinbar nicht. Denn in jeder ruhigen Stelle des Sets werden Headliner-Chöre laut und oftmals recken sich auch ausgestreckte Mittelfinger in die Luft. Vor allem die elektronischen Passagen kommen beim Turbinenpublikum gar nicht gut an. Mit allgemein zu vielen Bässen verlieren die Songs viel an Eingängigkeit. Nicht einmal Hits wie ‚Blessed With A Curse‘ können die Masse bewegen. Ein kleiner Pit mit eingeschworenen Fans brodelt beständig vor sich hin, ansonsten geht kaum etwas. Dadurch wirken die wiederholt erfolglosen Aufforderungen zu einer Wall of Death seitens Oliver Sykes noch eine Nummer peinlicher. Mag es an seinem Glubschaugen-Plüschhase-Augenkrebs-Shirt liegen? Schwer zu sagen. Eindeutig bleibt jedoch, dass BRING ME THE HORIZON als eindeutige Verlierer des Abends die Bühne verlassen.

 

Galerie mit 38 Bildern: Machine Head - Machine Head - Tour 2011

 

Was nun folgt, ist kaum in Worte zu fassen. Das Licht geht aus – ‚Sangre Sani‘ erklingt aus den Boxen und die über die gesamte Stage aufgestellten Videoleinwände präsentieren ein blutdurchtränktes MACHINE-HEAD-Logo. Wie erwartet wird das Konzert mit der Pyromanenhymne ‚I Am Hell‘ eröffnet. Feuerwände flackern über die Bildschirme und die Manschaft um Robb Flynn ballert den Song mit einer unglaublichen Heftigkeit und Intensität in die Menge. Was für ein Auftakt! Hier gibt es nichts, was sich nicht bewegt – weder auf, noch vor der Bühne. Und ohne auch nur den Hauch einer Verschnaufpause geht es mit ‚Be Still And Know‘ weiter. Die ganze Halle singt die neuen Stücke lauthals mit. Durchgehend! Schnell wird klar, dass diese Band mittlerweile ein Liveset ohne jegliche Schwächen auf die Beine stellen kann. Dabei paart sich brachiale Härte mit eingängigen Mitsingpassagen. ‚Aesthetics Of Hate‘ wird nicht nur gewohnheitsgemäß Dimebag Darrell gewidmet, sondern auch Robbs großen Vorbildern EXODUS. Der Frontman mit dem unwiderstehlichen Charisma zeigt sich an diesem Abend sehr gefühlsbetont. Mehrmals richtet er längere Ansagen an das Publikum. Vor ‚The Darkness Within‘ gibt es sogar eine ausführliches Dankeschön. Die Turbinenhalle dreht komplett durch – gebangt wird bis in die letzten Ecken. Dort ist der Sound zwar immer noch nicht optimal (manchmal versteht man nur Basedrum), etwas weiter vorne wird man jedoch von einer absoluten Wucht erschlagen.

Ein Gänsehautmoment jagt den nächsten. Teilweise gibt es noch leichte Untightness bei den neueren Stücken, doch fällt dies kaum ins Gewicht. Denn wenn ein emotional kaum zu überteffender Song wie ‚Who We Are‘ den krönenden Abschluss des regulären Sets bildet, steht fest: METALLICA können gerne weiterhin mit Lou Reed ihre Superstar-Langeweile vertreiben, der Nachwuchs für die Stadienshows ist da. Zur Zugabe gibt es die obligatorischen ‚Halo‘ und ‚Davidian‘. Genial, intensiv, unbeschreiblich – MACHINE FUCKING HEAD!

05.12.2011

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1 Kommentar zu Machine Head - The Eighth Plague Tour

  1. Frida sagt:

    Untightness… meine Güte! Wie wär’s mit „Abstimmungsprobleme“? Egal. Das mit dem Sound scheint ein permanentes Problem bei Machine Head zu sein. Im Palladium in Köln letztes Jahr war dieser so mies, dass ich mir geschworen hab, nie mehr zu einem Machine Head-Konzert zu gehen. Flynns ständiges „motherfucker“-Gelaber damals kam noch dazu. Aber bei dieser Lobeshymne hier bin ich ja fast geneigt, das noch mal zu überdenken.