1782 - 1782

Review

1782 wurde in der Schweiz, wurde in Europa letztmalig eine Frau als Hexe verurteilt. Zu Beginn des Debüts „1782“ der Italiener 1782 hört man die Flammen des Scheiterhaufens knistern. Was musikalisch folgt, lässt sich erahnen. Marco Nieddu (Gitarre, Bass, Gesang) und Drummer Gabriele Fancellu klingen allerdings weniger böse als ACID WITCH, nicht so nach den Siebzigern und auch männlicher als WITCH MOUNTAIN, deutlich weniger rockig als MOUNTAIN WITCH und auch nicht so trippig-verspielt wie J. Mascis‘ WITCH. Den Brasilianern WITCHING ALTAR kommen sie in diesem Zirkel tendenziell noch am nächsten. Doch auch die musizieren noch mit zu viel Schwung.

1782 dröhnen stoisch

Denn maximal stoisch dröhnt der Doom von 1782 aus den Boxen, schleift dabei seine Saiten derart ausgeleiert durch den Morast, dass trotz warmer Klangfarbe Sludge irgendwie näher als Stoner wirkt. Im Zusammenspiel mit dem verfremdeten, verhallten Gesang klingen 1782 damit tatsächlich wie neuere, etwas abgestumpfte ELECTRIC WIZARD, die ergriffen zu den mächtigen SLEEP aufblicken. Sich allerdings auf deren bunt vernebeltes Hochplateau der Kreativität dann doch nicht emporzuschwingen vermögen.

Die Stücke auf „1782“ folgen vielmehr im Wesentlichen demselben Schema, den recht simplen Zeitlupen-Riffs werden nur vereinzelt Orgelklänge zur Seite gestellt. Dazu gibt es einen verschwörerischen Chor in „The Spell“ und Gabriele Fiori (BLACK RAINBOWS, Inhaber von Heavy Psych Sounds) kredenzt ein Solo in „She Was A Witch“ – was so ungefähr das einzige auf der gesamten Platte ist.

„1782“ ist für den kleinen Kreis

Reduktion dieser Art muss bei konsequenter Umsetzung kein Fehler sein, das Genre lebt ja gerade bis zu einem gewissen Grad von der Widerholung und nicht von irgendwelchem Firlefanz. Und „1782“ schafft es tatsächlich, seine Mittel recht effektiv einzusetzen, eine gediegene Atmosphäre im Sinne von Bong, Retro-Grusel und Schlaghose zu erzeugen. Allerdings keine, die einen wach jetzt unbedingt die GANZE Nacht rumbringen lässt. Oder die gar dazu verleitet, irgendetwas Dummes auf dem Friedhof oder so anzustellen.

So bleibt ein Genre-Album, das für die meisten wohl zu berechenbar und unspektakulär ausgefallen ist, das hier und dort bestimmt aber gerade deshalb rotäugige Verehrung erfahren wird. Beides ist nachvollziehbar. Und an dieser Stelle gibt es eine Liebhaber-Wertung.

Für das abschließende Pink-Floyd-Cover mit Raikinas-Frontmann Alfredo Carboni am Mikro gibt es allerdings tendenziell fast eher Abzug.

05.07.2019

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