Cirith Ungol - All The Shadows

Review

Galerie mit 14 Bildern: Cirith Ungol – Keep It True Rising IV 2024

Eigentlich hatten CIRITH UNGOL kurz nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums „Dark Parade“ die Einstellung ihrer Live-Aktivitäten ab 2025 angekündigt, wobei man weitere Studio-Veröffentlichungen aber offenließ. Nun steht fast genau drei Jahre später mit „All The Shadows“ nicht nur ein neues Album in den Startlöchern, auch ein paar ausgewählte Gigs sind bereits für 2026 und 2027 angekündigt.

CIRITH UNGOL hat es noch mal in den Fingern gejuckt

Da hat es Bandleader Robert Garven (Drums) sowie Frontmann Tim Baker also scheinbar doch noch mal gewaltig in den Fingern gejuckt und dass man Bassist, Manager und Super-Fan in Personalunion Jarvis Leatherby nicht lange von einer Rückkehr überzeugen musste, überrascht kaum. Der hat, weil das Gitarrenduo Jim Barraza/Greg Lindstrom scheinbar lieber weiter im Ruhestand bleibt, kurzerhand seinen NIGHT DEMON-Kollegen Armand John Anthony angeworben, um das aktuelle Line-Up von CIRITH UNGOL zu komplettieren.

Wer hinter „All The Shadows“ jetzt aber ein altersmildes Spätwerk vermutet, mit dem sich ein paar betagte Recken unter mithilfe zweier Jungspunde nochmal einen schnellen Taler verdienen wollen, hat weit gefehlt. Denn schon der Einstieg mit dem Titeltrack trifft einen wie ein Ziegelstein in die Kauleiste. Vielleicht nicht ganz CIRITH UNGOLs „Painkiller“-Moment, aber dennoch ein bretthartes Riffmonster mit donnernden Drums, bei dem Tim Baker zudem beweist, dass seine Stimme auch mit 69 noch waffenscheinpflichtig ist. Von Neu-Klampfer Armand John Anthony auch produktionstechnisch toll in Szene gesetzt, klangen die Kalifornier selten so wuchtig.

Und mit Wucht geht es weiter. „This Mortal Sin“ ist ein furztrocken riffender Fist-Raiser vor dem Herrn, bei dem Tim Baker zum Ende hin richtig schön leidet. Was ein wenig fehlt, sind die gefühlvollen, bluesigen Solos von Jim Barraza, wenngleich auch Mr. Anthony fachgerecht die Saiten glühen lässt. Sein Spiel ist allerdings stärker im klassischen Heavy Metal verwurzelt und trägt entsprechend zur (noch) metallischeren Ausrichtung von „All The Shadows“ bei.

„All The Shadows“ garantiert Nackenschmerzen

Für die Nackenmuskulatur gibt es so oder so keine Pause, denn auch das treibende „Turning Point“ und der stampfende, mit ein paar coolen MAIDEN-Harmonien versehene Epic-Doomer „Shallow Reflection“ sind Banger wie aus dem Lehrbuch. Und so geht es Schlag auf Schlag weiter, wobei melodische Ausflüge in die NWoBHM das ansonsten knüppelharte Songmaterial immer wieder auflockern. Dies dürfte sicherlich dem Mitwirken der beiden NIGHT DEMON-Gesellen geschuldet sein, die genau aus dieser Ecke ja einen Großteil ihrer Einflüsse beziehen.

Ein richtiges Schmankerl gibt es im letzten Drittel noch mal mit „On Broken Wings“, welches tatsächlich irgendwie als Power-Ballade durchgeht, bei der Tim Baker tatsächlich zur besinnlich gezupften Akustikgitarre gefühlvollen Klargesang offenbart. Das bleibt natürlich nicht so, denn immer wieder bäumt sich die Nummer mit epischen Riffs, mitreißenden Solos und Bakers gemarterten Schreien auf, bevor das Stück im schwungvollen Gallop ausklingt. Und mit dem zähflüssigen „Hollow Nimbus“ zollen CIRITH UNGOL dann auch nochmal ihrer leicht psychedelischen Seite Tribut.

Ein verdienter dritter Frühling

„All The Shadow“ ist also keinesfalls ein Schnellschuss geworden. Im Gegenteil beinhaltet der siebte Langspieler von CIRITH UNGOL sogar einige der stärksten Songs seit der ersten Reunion im Jahr 2015, wenn nicht sogar insgesamt. Klar wird es ob der schnellen Rückkehr sicherlich auch ein paar vereinzelte Unkenrufe geben, aber seien wir mal ehrlich: Wer in seiner Karriere so oft zur falschen Zeit am falschen Ort war wie CIRITH UNGOL, hat ich einen dritten Frühling durchaus verdient. Vor allem hat die Metal-Szene aber auch mehr CIRITH UNGOL verdient und die kalifornische Legende hat standesgemäß abgeliefert.

23.10.2026

"Musik hat heute keinen Tiefgang mehr." - H.P. Baxxter

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