Cirith Ungol - Paradise Lost (Re-Release)

Review

Mittlerweile dürfte es jeder wissen: CIRITH UNGOL sind zurück. Die Nachricht hat im Underground eingeschlagen wie eine Bombe, keine Frage. Für viele Fans erfüllt sich damit ein quasi lebenslanger Wunschtraum – die Chance CIRITH UNGOL wenigstens einmal live erleben zu können. Passend zur Reunion haben Metal Blade Records das vierte und damit bislang letzte Studioalbum “Paradise Lost” aus dem Jahr 1991 erneut veröffentlicht.

Schichtwechsel am Spinnenpass

Was soll man zu dem Rundling (gibt es auch als schmuckes 180g Vinyl inkl. Poster, etc.) sagen? Fans der Band lieben das Album, und alle, die bis dahin nichts mit dem Sound der Amerikaner anfangen konnten haben es auch hier schwer. CIRITH UNGOL mussten zwischen ihrem dritten Album “One Foot In Hell” und “Paradise Lost” zudem einen für den Bandsound schmerzhaften Abgang verkraften. Das signifikante Gitarrenspiel von Jerry Fogle würde den Kaliforniern nicht länger zur Verfügung stehen. Sein Nachfolger Jim Barraza brachte eine etwas andere Färbung in den Bandsound und modifizierte das typische Riffing seines Vorgängers ohne den Spirit von CIRITH UNGOL zu verändern. Das ist auch heute noch gewöhnungsbedürftig, wenn man die drei vorangegangenen Alben als Vergleich heranzieht. Auf der anderen Seite hat Barraza der Band damit neue Türen geöffnet, die “Paradise Lost” von seinen Brüdern abhebt.

Das Magnum Opus?

Es ist nämlich keinesfalls so, dass die Qualität der Songs unter dem Wechsel an der Gitarre gelitten hätten. Gegenteiliges ist der Fall, denn CIRITH UNGOL haben 1991 mit “Paradise Lost” nicht nur ihr stärkstes Album (Die-Hard-Fans mögen es mir nachsehen), sondern gleichzeitig auch ein spätes Referenzwerk in Sachen Epic Metal veröffentlicht. “Fallen Idols”, der Titeltrack, “Heaven Help Us” oder das famose “Chaos Rising” sind epische Metalsongs in Vollendung. Die kauzige Stimme von Tim Baker ergänzt sich hervorragend mit den Riffs von Barraza, sodass hier eine faszinierende Symbiose aus alten Trademarks und neuen Aspekten im Sound von CIRITH UNGOL entsteht. Dazu gehen die Songs durch die Bank sofort in die Gehörgänge und verweilen dort mit einer beinahe schon brutalen Vehemenz. Das Quartett war 1991 definitiv auf seinem kreativen Zenit angelangt. Hierfür spricht auch, dass eine eher unspektakuläre Nummer wie “Go It Alone” das Niveau des Albums nicht um einen Millimeter herunterzieht, und selbst die Coverversion des THE CRAZY WORLD OF ARTHUR BROWN-Klassikers “Fire” fügt sich perfekt in den Albumkontext ein als wäre sie eine Eigenkomposition. Rechnet man noch das perfekt gesetzte Opening-Doppel “Join The Legion” und “The Troll”, sowie das alles niederwalzende “Before The Lash” mit ein, kommt man unter dem Strich zu dem Schluss, dass es auf dem vierten CIRITH UNGOL Werk keinen Ausfall gibt. Jeder Song hat seinen eigene Charakter und weiß auf seine ihm eigene Weise den Hörer für sich einzunehmen. Das haben CIRITH UNGOL so auf noch keinem der Vorgängeralben geschafft.

Ein Epic Metal Klassiker

Ich weiß, dass mir hier so mancher Jünger der Band widersprechen und sicherlich eifrig auf “King Of The Dead” verweisen wird. Aber meiner Meinung nach ist eben “Paradise Lost” das homogenste Album der Band. Hier stimmt einfach alles. Songmaterial, Sound, sowie das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Instrumenten. Jeder, der mit dem Begriff Epic Metal etwas anfangen kann, sollte sich “Paradise Lost” ins Regal stellen. Ich mag auch “King Of The Dead” sehr, aber “Paradise Lost” ist das CIRITH UNGOL-Album, das für mich auf einer Stufe mit “The Deluge” oder “Crystal Logic” steht.

17.01.2017

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