Aeternam - Al Qassam

Review

Nur ein paar kurze Trommelschläge auf der Darbuka, und schon starten die Frankokanadier AETERNAM ihr viertes Album „Al Qassam“ mit einem richtigen Paukenschlag: Der Titeltrack nämlich, vorab ausgekoppelt und mit einem stimmigen Video versehen, ist ein echtes Highlight, wenn es um vertonte Orientalistik geht: Mystisch, mysteriös raunend, beschwörend – „Al Qassam“ behandelt textlich eben auch nichts anderes als eine Beschwörung. Was die Band also auszeichnet, findet sich hier in konzentrierter Form wieder: Eine Mischung aus harsch-raunendem Extremmetal, technischer Präzision, orientalischen Melodien, sinfonischen Elementen und Texten über Altägypten und den Orient.

„Al Qassam“ ist ein echtes Highlight, wenn es um vertonte Orientalistik geht

Dabei wird die Richtung im Verlauf des Albums immer wieder variiert: Ist der Titeltrack eher eine gelungene Symbiose aller vorhandenen Stilmittel, unterscheidet sich die Gewichtung dieser Elemente bei anderen Tracks. „Ascension“ beispielsweise steht für den extremen Metalanteil, bringt Blastbeats, Tremoloriffs und harsche, raunende Vocals, und „Ithyphallic Spirits Of Procreation“ addiert noch jede Menge Epik hinzu.

Was bereits die vergangenen zwei Alben „Moongod“ und „Ruins Of Empires“ geprägt hat, findet sich auch auf „Al Qassam“ wieder: Schlagzeuger Antoine Guertin hat für die Songs sinfonische Arrangements ausgearbeitet, und das bedeutet jede Menge Streicher, Bläser, Keyboards, Melodien. Diesmal hat sich Frontmann Achraf Loudiy weiter davon inspirieren lassen und wagt mehr Klargesang als zuvor – einzelne Tracks wie beispielsweise „Lunar Ceremony“ setzen sogar ganz auf Clean Vocals. Das rückt die Musik auf „Al Qassam“ noch ein ganzes Stück weit in Richtung Oriental Metal, und passenderweise gibt ORPHANED LAND-Frontmann Kobi Farhi beim Track „Palmyra Scriptures“ ein Stelldichein.

AETERNAM liefern schlüssige und perfekt arrangierte Songs

Die stilistischen Rahmenbedingungen sind damit also beschrieben, aber das Wichtigste sind natürlich die Songs – und die begeistern. Ob das jetzt der Opener „Al Qassam“ oder die längeren Stücke „Ithyphallic Spirits Of Procreation“ und „Hanan Pacha“ sind; AETERNAM haben nicht nur schlüssige Songs geschrieben, sondern diese gleichzeitig liebevoll wie bombastisch arrangiert und dabei so einige Melodien herausgearbeitet, die berühren, wie im eher straighten „Celestial Plains“. Allerdings zieht das Quartett immer wieder Tempo und Härtelevel an und setzt damit stimmungsvolle Kontrapunkte. Und auch hier überzeugen die Kanadier auf ganzer Linie.

Um noch ein paar Bilder im Kopf zu erzeugen: Stellt euch den Gang über einen Markt irgendwo im Orient vor – gleichzeitig fremdartig und mysteriös, aber auch bunt und wunderschön – wohlwissend, dass ihr euch nur wenige Kilometer weiter mitten in der Wüste wiederfindet, wo die erbarmungslose Hitze euer Wahrnehmungsvermögen langsam, aber sicher trübt und ihr bald nicht mehr zwischen Realität und den Geschichten längst vergangener Zeiten unterscheiden könnt. Gebt euch dieses Erlebnis: „Al Qassam“ ist rund, stimmig und richtig gut.

Alle Infos, wie ihr an das Album kommt, findet ihr auf der AETERNAM-Bandcamp-Seite.

20.05.2020

- Dreaming in Red -

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1 Kommentar zu Aeternam - Al Qassam

  1. RTF sagt:

    Ich bin allgemein großer Fan von Metal Bands mit orientalischen Klängen wie Myrath oder Orphaned Land. Das hier ist klar ne schippe Härter und übermittelt eine ganz andere Atmosphäre als die oben genannten Bands aber es bockt einfach.

    Bei den 8/10 kann ich definitiv mitgehen. The Bringer of Rain, Celestial Plains und Lunar Ceremony sind meine Highlights.

    8/10