Ainur - War Of The Jewels

Review

AINUR sind ein achtzehnköpfiges, italienisches Prog-Ensemble, das sich ganz und gar der Huldigung Tolkiens verschrieben hat. Das haben die Damen und Herren auch direkt mit ihrem 2007er Album „From Ancient Times“ klar gemacht, ein Konzeptwerk über das Silmarillion. Und wer sich für sein Debüt mit dem Silmarillion auseinandersetzt, macht keine halben Sachen, weshalb die Band auch mit ihren folgenden Alben weiter am Tolkienschen Quellenmaterial festgehalten haben. An dem hier vorliegenden Werk „War Of The Jewels“ hat die Band nach eigener Aussage extrem lange schrauben müssen – praktisch seit 2009. Nun ist es aber da und dreht sich im Kern um Fëanor.

Tolkien-Prog-Vollbedienung mit AINUR

Und Prog-Metal-Fans, die auch mal etwas mehr Kitsch und Cheese verdauen können, werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Was AINUR kredenzen, ist eine mit Kammerorchester bombastisch inszenierte Tour de Force, die – typisch italienisch eben – vor Pathos und Theatralik nur so trieft, wobei gelegentliche Synths aushelfende Arbeit leisten wie in „Spirit Of Fire“. Die Italiener leisten sich spieltechnisch praktisch keine Fehler, gelegentlich stoßen die SängerInnen an die Grenzen ihrer Stimmen, aber kaum etwas fällt dahingehend unangenehm auf. Teilweise gerät das Vergnügen allerdings ein bisschen sehr schmalzig wie in „Wars Begin“, das bisweilen wie ein Neal Morse-Track für die Sonntagsmesse klingt, während der Refrain von „Kinslaying (The First)“ fast wie käsiger Charity-Pop aus den Neunzigern klingt.

Zudem sind die hier und da platzierten Spoken Word-Interludes, beigesteuert von Ted Nasmith, mit ihrem Reimschema sehr cheesy geraten. Und wo wir gerade dabei sind: Das Intro von „The Broidress“ ist schon ein bisschen zum Fremdschämen. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig: Nicht immer sind die Songs sonderlich elegant durchkomponiert. Der Tempowechsel in „Hell Of Iron“ vom Intro hin zum ersten Vers beispielsweise ist so unbeholfen, dass man meinen könnte, versehentlich auf die Skiptaste gerutscht zu sein. Und irgendwie wirken die Tracks produktionstechnisch nicht sonderlich aufgeräumt, teilweise hupt jedes Instrument so laut wie möglich gegen das andere an, sodass man als Hörer förmlich überrollt wird. Nicht im positiven Sinne leider.

Für starke, Cheese-erprobte Mägen

Aber irgendwie wirkt „The War Of The Jewels“ trotz dieser Schnitzer wie ein charmantes Passionsprojekt, in dem zweifelsohne eine Menge Arbeit der Beteiligten steckt, ein Album außerdem, das nicht vor krummen Takten hier und da zurückschreckt. Das Kammerorchester fügt den Songs in seinen lebendigeren Momente gerne mal eine verspielte, folkige Note bei, wenn das Klavier nicht gerade bedeutungsschwanger und klischeebehaftet dahin plätschert. Und die mehrstimmigen Gesangslinien, angeleitet von Elena Richetta, Roberta Malerba, Max Clara und Alex Armuschio, machen vor allem in den filigranen Passagen ordentlich etwas her.

Wenn man das weiter oben erwähnte Fremdscham-Intro von „The Broidress“ überlebt hat zum Beispiel, dann erweist sich der Track tatsächlich als einer dieser magischen Momente, zu denen AINUR imstande sind. Dem Album kann man seine Patzer also aufgrund der stilsicheren Durchführung wohlwollend verzeihen. Ist natürlich nicht für Jedermann geeignet. Aber wer mit diesen Mankos leben kann und eben einen starken Magen hat, der bei einer Überdosis von Saccharose nicht umgehend kapituliert, könnte hiermit tatsächlich glücklich werden.

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06.03.2021

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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