Alkaloid - The Malkuth Grimoire

Review

Wenn aktive und ehemalige Mitglieder erlesener Truppen wie unter anderem OBSCURA, ABORTED und NECROPHAGIST gemeinsam an einer Platte werkeln, schreibt sich der geneigte Frickel-Jünger den Release-Termin natürlich dick mit Todesbleier ins Notizheftchen. Gleichzeitig erwartet er – wie viele andere auch – wohl nicht weniger als ein Meisterwerk des technischen Death Metals. ALKALOIDs „The Malkuth Grimoire“ mit ein paar lobesschwangeren Sätzen als ein solches abzutun, würde der ganzen Angelegenheit allerdings nur bedingt gerecht. Denn was die – nennen wir das Kind doch einfach mal beim Namen – neue Supergroup auf ihrem Debüt abliefern, ist wesentlich subtiler und komplexer – schon allein deswegen, weil bei vielen Kompositionen in Morean ein Songschreiber seine Finger im Spiel hatte, der mit seiner Stammkapelle DARK FORTRESS eigentlich in anderen Gefilden als eingangs genannte Formationen unterwegs ist. Übrigens: Auch alle Fans Christian Münzners, die sich einen OBSCURA-Klon mit Fokus aufs obere Griffbrettdrittel erhoffen, werden enttäuscht – denn der Saitenhexer stellt sich voll und ganz in den Dienst einer Band mit einer konkreten Vision: ein Album zu schaffen, welches jede erdenkliche Spielart des modernen Death Metals in einem homogenen Klangbild vereint. Und – verdammt nochmal – WIE ihnen das gelungen ist!

Die große Stärke der Platte ist dabei ihre schier endlose stilistische Vielfalt: Hannes Grossmann und Kollegen verkochen klassischen Todesmetall der 90er Jahre, vertrackten Progressive Metal, eingängigen Melodic Death sowie diverse Elemente aus Folk, Black Metal und Experimental zu einem Gebräu, das mal zäh fließend und übel stinkend, dannaber wieder wie eine rasende Sturmflut über den Hörer hinwegrollt. Hätte mir beispielsweise ein Kollege die ersten anderthalb Minuten des Openers „Carbon Phrases“ vorgespielt und behauptet, dies sei das Intro der neuen Platte aus dem Hause BLIND GUARDIAN – ich hätte es ihm geglaubt. Natürlich ist dieser Vergleich ein wenig an den Haaren herbeigezogen – eben diese lassen sich in der Folge des Tracks dann zu fiesem Mid-Tempo-Riffing und derbem Groove allerdings bestens schwenken: BLOODBATH auf zwölf Tassen Kaffee und mit Pagan-Schlagseite. Großartig.

Anschließend lullt „From A Hadron Machinist“ den Hörer zunächst mit betörenden Clean-Gitarren ein, bevor die wilde Reise beginnt: unmenschlich flottes Picking, dezent schwarzmetallisch gefärbte Melodien und trümmernde Double-Bass-Attacken – immer wieder unterbrochen von geradlinigeren Kopfnicker-Parts. Im Finale – vorbereitet von wunderbaren Bassläufen Linus Klausenitzers – servieren ALKALOID dann sogar noch einen (finnisch-)schwermütig rockenden Schlusspart. Phänomenal.

Spätestens jetzt wird außerdem klar: Was Fronter Morean auf „The Malkuth Grimoire“ gesanglich leistet, ist mindestens ebenso beeindruckend wie die instrumentale Performance: Der Mann liefert nicht nur äußert fiese Growls und überzeugenden Klargesang, sondern arbeitet sich durch das komplette dynamische Spektrum – kehlig-angeraute Schlachtgesänge inklusive.


In der Folge jagt ein Highlight das nächste: Das fett stampfende „Cthulhu“ mit seinen gemeinen Growls und flirrenden Tapping-Einlagen dürfte sich live als absoluter Kracher erweisen, die Münzner-Komposition „Alter Magnitudes“ hingegen bietet nicht nur versiertes Riffing mit dezenter OBSCURA-Note, sondern auch einen mächtigen Groove und mitreißende Melodien – wohl einer der besten Songs, die es in diesem Bereich je zu hören gab. Und dann gibt es – neben dem abgefahrenen Gitarren-Interlude „C-Value Enigma“ und dem überlangen, gegen Ende in eine epische Solo-Orgie ausartenden Schlusstrack „Funeral For a Continent“ – noch das herausragende Titelstück. Komponist Christian Münzner erklärt dazu: „Hier habe ich all mein Theoriewissen aus dem Fenster geschmissen und die naive Herangehensweise der Bands der 90er verfolgt.“ Das Resultat ist entsprechend roh ausgefallen: Schwere, bitterböse Riffs transportieren hier mit Vehemenz eine Verzweiflung und einen Hass, die förmlich greifbar sind – definitiv kein Song für zart besaitete Gemüter.

Dass „The Malkuth Grimoire“ nicht die Höchstwertung abräumt, ist vordergründig folgender Tatsache geschuldet: Kann der in Stil- und Strukturfragen entfernt an SCARVE erinnernde erste Teil der „Dyson Sphere“-Song-Tetralogie zunächst auf ganzer Linie überzeugen, kommen die beiden mittleren Teile („II. Assembly“, „III. Kardashev II. 1 – The God Oven“) weniger zwingend und hochklassig daher – die einzige, leichte Schwächephase der Scheibe. Zudem sind die Drums (insbesondere die Toms) für meinen Geschmack ein wenig zu spitz abgemischt – aber gut, wenn der Aufnahmeleiter Hannes Grossmann heißt, dann soll natürlich jeder Trommelschlag zu hören sein.

Abgesehen davon bietet „The Malkuth Grimoire“ durchgängig höchste Qualität und die Essenz des zeitgenössischen Death Metals in all seinen Extremen – gleichzeitig ist das Album auch ein Manifest der Musikalität, Virtuosität und Innovation. Folglich ist klar: Bei der Frage, wer den Genre-Thron in diesem Jahr besetzt, geht der Weg zweifelsfrei nur über ALKALOID.

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25.03.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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