Amahiru - Amahiru

Review

Soundcheck November 2020# 18

Es gibt Tage, da verflucht man die Profibands. Oder zumindest die Tatsache, dass die Nebendarsteller*innen großer Bands von den Arbeitgebern bezahlt werden, ohne zum Songwriting beitragen zu müssen und somit zu viel Zeit und Langeweile für Allstar- oder Freundschaftsprojekte haben, auf die die Welt nicht gewartet hat. So im Falle AMAHIRU: Diese sind das Projekt von KREATOR- und SINSAENUM-Bassist Frédéric Leclercq und Gitarristin SAKI der Japanerinnen MARY’S BLOOD. Dabei wäre an dem Zusammenschluss gar nicht so viel auszusetzen. Leclercq bewies neben den genannten außerdem mit LOUDBLAST und DRAGONFORCE, dass er ein vielseitiger Musiker ist. MARY’S BLOOD mögen zwar gewöhnungsbedürftig sein, haben aber zumindest einen sehr eigensinnigen Sound. Und hier beginnt das Problem von AMAHIRU.

AMAHIRU: Hinter der Fassade lauert zu wenig

Wie alle anderen Projekte dieser Machart fahren AMAHIRU eine porentief reine State-of-the-Art-Produktion, die durch plattgedrückten Gitarrensound, zu Tode getriggerte Drums und Keyboards aus der Eurodance-Hölle zu unterzeugen weiß. Hauptsache viel, Hauptsache fett. Aber hey – auf der Songseite findet sich nicht mal unbedingt mehr. AMAHIRU wären wohl gern irgendwie melodischer Power Metal. Der größte Teil ihres selbstbetitelten Debüts ist eher klebriger Modern-Pop-Metal irgendwo zwischen FIVE FINGER DEATH PUNCH und Geschmacklosigkeiten wie SKILLET. Besonders der Gesang von Archie Wilson erinnert an letztere, aber auch an DISTURBED-Shouter David Drainman. Manchmal ist das alles einfach nur vorhersehbar (“Vanguard”, “WTTP”), manchmal nur hemmungsloser Schmalz (“Hours”). Der Gastauftritt von Elize Ryd, Front-Schlumpfine der Pop-Metaller*innen AMARANTHE, in “Lucky Star” (mit einem Chorus, um den sich Timo Tolkki und Helene Fischer gleichermaßen reißen würden!) überrascht in diesem Zusammenhang fast gar nicht. Hier wird so sehr Klischee um Klischee bedient, dass man ein Trinkspiel daraus machen könnte.

AMAHIRU retten sich immerhin vor einer kompletten Katastrophe. Denn zwei Dinge verleihen “Amahiru” einen Hauch Charme: die stabile Gitarrenarbeit von Saki, deren Soli größtenteils zu überzeugen wissen und die ab und an eingestreuten japanischen Folklore-Parts. Letztere wirken zwar inkonsequent und halbherzig eingesetzt, verleihen dem Album aber immerhin einen Farbtupfer inmitten anderer Einheitsbrei-Releases. Das Songmaterial ist zwar weitgehend belanglos und austauschbar, jedoch findet sich auch kein absoluter Totalausfall auf dem Debüt. Die zur Schau gestellte Banalität hingegen tut weh.

Kein Totalausfall, aber auch keine Highlights auf “Amahiru”

So bleibt ein leicht zu vergessendes Album, auf dem viel Talent mit wenig Inhalt vergeudet wurde. Wenn eine Idee mal zündet, wird sie in Sekundenschnelle durch Käse-Synthies oder eine BACKSTREET-BOYS-Vocalline zerdonnert. Leidenschaft und Spielfreude sind hingegen nur schwer erkennbar. Ganz abgesehen davon sind die BACKSTREET BOYS im Original sogar glaubwürdiger.

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20.11.2020

Redakteur

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1 Kommentar zu Amahiru - Amahiru

  1. nili68 sagt:

    > Leidenschaft und Spielfreude sind hingegen nur schwer erkennbar.<

    Finde ich nicht, aber so eine Beurteilung mache ich auch nicht davon abhängig, ob mir was gefällt oder nicht.
    Kann man mal laufen lassen, aber ich mag ja (manchmal) auch sowas wie Dragonforce und Rhapsody (Of Fire).. auch die schmalzigen Sachen. Für die Momente, wo man mit religiöser Andacht und grimmiger Mine dem sacred Steel huldigt natürlich eher ungeeignet..