And Oceans - Cypher

Review

Die Finnen von And Oceans sind wegen ihrer extremen Wandlungsfähigkeit immer für eine Überraschung gut, und das haben sie in der Vergangenheit auch zu genüge bewiesen. Sie haben von Album zu Album ihren Stil verändert, keins glich dem anderen. Und dennoch war immer klar erkennbar, von wessen Hand die Kunst erschaffen wurde, immer gab es da dieses gewisse etwas, immer waren And Oceans die augenscheinlichen Schöpfer hinter den einmaligen Klangkreationen. Ebenso verhält es sich mit dem neusten ihrer Werke, wieder eine sehr eigenwillige Kreation und dennoch eine klare und logische Weiterentwicklung zum Vorgänger „AMGOD“. Der Titel, so prägnant, kurz und aussagelos er auf den ersten Blick scheint, so vielschichtig und beschreibend ist er für das komplette Album. Cypher bedeutet so viel wie „ein geheimer Code“, „leer“, oder bezeichnet auch einfach das mathematische Symbol der leeren Menge, und steht somit für die Null. Dabei scheint dieser Titel anfangs gar nicht so passend gewählt, denn musikalisch gesehen ist das Album sehr vielschichtig und ungemein abwechslungsreich ausgefallen. Die auf dem Vorgänger eingeschlagene Richtung wurde noch weiter ausgebaut, noch ein ganzes Stück mehr hat man sich der elektronischen Klänge angenommen und das Soundspektakel um einige Industrialparts angereichert. So beginnt z.B. „Picturesque“ mit den Klängen stampfender Fabrikmaschinen und zischender Produktionsgeräusche, „Comatose“ wird fast durchgehend von einer „spacigen“ Synthesizermelodie begleitet, was man in „Debris“ noch um einiges hypnotischer und „abgehobener“ umgesetzt hat. Songs wie „Angelina“ oder „Aphelion“ hätten aber auch genauso gut auf dem Vorgänger ihren Platz finden können, die Handführung des Keyboarders ist hier im Stil unverkennbar. Dennoch, obwohl die Elektroeinflüsse doch um einiges zugenommen haben, erwartet uns auf „Cypher“ trotzdem weitgehend steinharter Metal! Knallharte Gitarrenriffs zersägen immer wieder das Geschehen und lassen wohl keine Gehirnummantelung ungeschüttelt und ungerührt. Dabei kann man das ganze aber auch metaltechnisch keineswegs eindeutig kategorisieren, Black Metal der frühen Tage der Band ist es sicherlich nicht mehr, aber auch sonst fällt mir keine klare Kategorisierung ein. „Fragile“ oder „Angelina“ wird von kurzen, prägnanten Riffs voll dynamischer Rhythmik geprägt, „Catharsis“ hingegen ist ein wütender, chaotischer Blastbeat-Kracher und auf „Halcyon“ kriegt man auch mal eine undurchdringliche Black Metal-Gitarrenwand geboten. Die wohl grösste Ausnahme auf dem Album stellt aber zweifelsfrei „Voyage“ dar und ist wohl der Song, den EBM-Fans wohl am meisten begrüssen werden. Stampfende, hypnotische Beats, dezente Drum & Base Einlagen, typische Elektro-Keyboard-Sounds, eine unerwartete, poppig angehauchte Klaviermelodie im Mittelteil, prägnante Gitarrenriffs und die hier gehauchten da leicht verzerrten Vocals bilden hier das Programm. Aber obwohl die Songs auf Cypher sehr eigenwillig, abwechslungs- und einfallsreich ausgefallen sind, haben sie dennoch eins entschieden gemein: Die Atmosphäre! Und hier kommt der perfekt gewählte Albumtitel zum tragen, dessen Allgegenwärtigkeit den Zuhörer durch das gesamte Werk begleitet. Das Album strahlt eine ungemeine Isolation, Einsamkeit und Abgeschiedenheit aus. Oft wird man durch die hypnotischen Songstrukturen in fremde Sphären entführt, verfällt in Trance, lässt sich willenlos fallen und findet sich in den Weiten einer fremden Welt wieder, in den Weiten des luftleeren Raums, nie ist menschliche Nähe auch nur ertastbar, nur annähernd greifbar, immer ist man vollkommen allein, isoliert, die befremdliche, technoide Umgebung lässt einfach keinen Raum für menschlich Wärme und den vertrauten Puls von Mitmenschen zu. Dann wieder spürt man die Kälte einer heissen Fabrikhalle, fühlt die Einsamkeit in einer überfüllten, anonymen Disco, spürt die Leere im Kopf eines Geisteskranken. Es ist einfach fantastisch, was für Gefühle And Oceans durch ihre Klangkreationen frei zu setzen vermögen! Wer also Lust auf eine Album voll geballter Energie, grenzenloser Abwechslung und fantastischer, befremdlicher Atmosphäre bekommen hat, ist bei Cypher unzweifelhaft an der richtigen Adresse. Aber Vorsicht, schon allein wegen dem immensen elektronischen Einfluss sollten Metal-Puristen auf jedem Fall erst mal reinhören. Alle, die hingegen schon immense Freude am Vorgänger verspürten, werden an dieser Veröffentlichung definitiv nicht vorbeikommen!

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21.07.2002

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10 Kommentare zu And Oceans - Cypher

  1. Fenris sagt:

    Das Cover sieht nach Schüler-Gothic Band aus und selbstgezeichnet noch dazu… 😛

  2. Fenris sagt:

    Wieder gut? 🙂

    10/10
  3. gepomuk sagt:

    Also ich finde hier handelt es sich um Techno, der mit einfallslosen, rudimentären, langweiligen Gitarrenriffs und eintönigem gegrowle aufgemischt wurde. Das ganze Album durch Uffta-Uffta-Rhytmus und gelegentlich mal viereinhalb Töne aufm Keyboard… GRAUSLIG!! Alles in allem etwas was Instrumentalisten nach wenigen Monaten der Übung und mit sehr wenig Musikgefühl fabrizieren könnten. Bewertung: unnötig!!!

    1/10
  4. Anonymous sagt:

    Die wohl perfekte Harmonie zwischen Elektronischen Klängen und Metal! Die Band strebt neue extreme Grenzen an und beweißt eindrucksvoll, dass sie alles andere als ein kleines Licht am Himmel des experimentellen Metal sind! Dem Sound hört man an, dass hier ein Tägtgren am Werke war, was ihm sehr gut steht! Ein geniales Album, das ich jedem ans Herz legen möchte, der Spass am etwas anderen Sound hat! And Oceans werden sich schwer tun, dieses Album zu toppen! Aber das dachte ich schon bei "Am God", dass mit dem Hammersong "Tears have no name" mehr wie einen positiven Eindruck hinterlassen hat! Ein speziellen Song aus "Cypher" kann man nicht als Einspieltip heraus fischen, weil das Album als Ganzes gerade zu seinem vollen Glanz kommt!

    10/10
  5. Anonymous sagt:

    Vorneweg: Das Wort "Black Metal" muss man im Zusammenhang mit diesem Dreck direkt einmal streichen. Die Band hat definitiv zu viel am LSD genascht, wie man´s auch schon live "eindrucksvoll" erleben durfte, wo die Typen im Techno-Pop outfit und Frischhaltefolie um die Murmel gewickelt einen auf harte Jungs machten. Diese Band ist pure Trend-Kacke und will den Metal jetzt auch für Techno-Freaks schmackhaft machen. Elektronisches Gedudel, ätzendes, weil nicht vorhandenes Feeling und pseudoinnovativer (wie witzig) Anstrich vermitteln einem das Gefühl, gleich kotzen zu müssen. Null Punkte, da kein richtiger Metal und schon gar kein Black Metal! P.S.: Und dass auf dem Cover ´ne Frau ist spricht in hinsicht auf die Zielgruppe ja Bände.

  6. Anonymous sagt:

    Tja, da sieht man wieder, wie sehr sich die Geschmäcker unterscheiden. Meines Erachtens ist\’Cypher\‘ ein recht abwechslungsreiches, technisch ausgereiftes Album. Natürlich provozieren die Elektroeinflüsse alle ach so ursprünglichen, bösen Blackmetalfans. Traurig jedoch, wenn null Punkte verteilt werden, nur weil der Musikstil der Band nicht in die eigene(natürlich einzig wahre) Definition des \"Blackmetal\" passt. Für alle, die sich nicht einengen lassen wollen in Punkto reinrassige Stilrichtung eröffnet sich ein teils mitreissendes, aber auf alle Fälle hörenswertes Album.

    9/10
  7. Alarmist sagt:

    Hier kann man zum Reviews wieder nichts anfügen, weil wieder alles berichtet wurde, was man zu dieser CD sagen könnte. Ich finde den wandel der band sehr gut und von Album zu Album haben sie sich sehr verbessert, wobei ich ihre anderen Alben nicht schlecht reden will, und diese durch aus auch exzellente Songs aufweißen können, aber auf Cypher passt einfach alles. Im Prinzip kann man sagen, dass die Band sich um 180° gedreht hat und nun so gut wie garnichts mehr mit BM zu tun hat! Trotzdem sollte man da einmal reinhören, aber Schwachköpfen, die meinen Metal sei eine Rohe Masse, die man nicht bearbeiten kann und die nur aus Gitarren und Drums zu betsehen hat, sei hier abgeraten! Ein bisschen Tolleranz muss schon sein!

    9/10
  8. Anonymous sagt:

    verblendete!

    macht mal euren kopf auf für was neues, kann ja nicht sein das aufgrund von elektro-einflüssen (die immens genial sind) es gleich schlecht ist. nur weil euer burzum \"verwöhntes\" gehör und eure voreingenommenheit einfach nicht akzeptieren das es auch was anderes gibt als den True black metal. ich höre …and oceans und ich höre underground BM und mag beides sehr, menschen die einfach nicht fähig sind sich in andere arten von musik/kunst einzufühlen sollten sich in ihren eviln kellern einsperren und einen auf ignorant machen und den anderen welten der weitaus weitreichenderen musik einfach fern bleiben.

    das album ist genial! konstruktive kritik ok, aber so oberflächlich und voreingenommen zu sein zeugt nur von armesligkeit!

    toK!

    9/10
  9. doktor von pain sagt:

    Mimimi, untrue, mimimi, Elektro, mimimi! Rumgejammer beiseite: Das Album ist origonell, experimentell und ausgesprochen gelungen. Mein Gott, dann isses halt kein Black Metal. Und? Schiss der Hund drauf!

    8/10
  10. Anonymous sagt:

    "Origonell" ist übrigens noch eine Stufe über "originell".

    8/10