Atrocity - Okkult

Review

Einen Hang zum Mystischen hatten die süddeutschen Extremmetaller ATROCITY eigentlich schon immer: Sei es mit dem Vampiropus „Blut“, sei es mit „Calling The Rain“ und „After The Storm“, wo sie sich ganz naturverbunden zeigten, sei es mit dem letzten regulären (Metal-) Album „Atlantis“, das ja mittlerweile auch schon knapp neun Jahre auf dem Buckel hat.

Jetzt gibt es mit „Okkult“ also endlich wieder ein neues Album, auf dem die Ludwigsburger textlich und inhaltlich sich wieder dem Unerklärlichen widmen: Die Texte handeln von okkulter Magie, geheimnisvollen Orten, Verschwörungstheorien und Mysterien, die nach wie vor ungelöst sind. Das reicht von John Miltons Visionen von „Pandæmonium“ über schottische Spukschlösser („Haunted By Demons“), die antike Totenbeschwörerin Erictho („Necromancy Divine“), die mystischen Prophezeiungen eines geheimnisvollen französischen Freimaurers aus dem ersten Weltkrieg („When Empires Fall To Dust“), die Mythen um die Antarktis („Beyond Perpetual Ice“) bis hin zu den Taten einer Giftmischerin und Hexe im Paris des 17. Jahrhunderts („La Voisine“).

Natürlich kauft niemand ein Album nur aufgrund der in den Texten und dem Konzept verbratenen Thematik. Viel wichtiger ist ja die Frage nach der auf „Okkult“ enthaltenen Musik, und diese Frage knüpft direkt an das größte Mysterium in ATROCITYs Diskographie an: Wird es die Band wieder ordentlich krachen lassen oder eher einen Reinfall wie „Gemini“ abliefern? Sänger Alex Krull selbst sagt zum neuen Album, es sei „brutal, bombastisch und dunkel“. Klare Sache: Kein „Gemini“, und der Mann hat grundlegend recht.

Da gibt es die Tracks, die gewissermaßen den musikalischen Rahmen von „Okkult“ bilden – mit großem Orchester, Chören, Pauken, Pomp und Trompeten („Pandæmonium“, „March Of The Undying“, „Necromancy Divine“, das Zwischenspiel „Todesstimmen“ und das abschließende „La Voisine“). ATROCITY haben nicht nur die kanadische Sounddesignerin Katie Halliday an Bord geholt, sondern zahlreiche Orchesterparts eingebaut, die vom Lingua Mortis Orchestra unter der Leitung von Victor Smolski (RAGE) in Minsk, Weissrussland eingespielt wurden. Die Tracks neigen dadurch natürlich teilweise zum Bombast, wenngleich nicht zum Kitsch – die Orchesterparts werden dafür viel zu akzentuiert eingesetzt, wie im starken Opener „Pandæmonium“ nachzuhören ist.

Dazwischen gibt es teilweise recht heftige Tracks, die manch einer die Ludwigsburgern wohl nicht mehr zugetraut hätte: Dazu gehört sowohl der knackige Statementsong „Death By Metal“ (erinnert vom Titel her natürlich nicht zu knapp an „Devil To The Metal“ von CRADLE OF FILTH) als auch „Masaya (Boca Del Infierno)“ und „Murder Blood Assassination“, bei dessen Riffing die Gitarristen teilweise die Brechstange hervorholen. Dann haben ATROCITY mit „Satans Braut“ und „When Empires Fall To Dust“ noch zwei Tanzflächenbrecher aufs Album gepackt, welche zumindest gemischte Gefühle hinterlassen. Meinen Geschmack trifft die Band damit nicht, aber auch diese Stile gehören zu ihrer Vergangenheit und Gegenwart mit dazu.

Trotzdem überwiegen auf „Okkult“ natürlich die düsteren und wirklich harten Songs. Wer also gehofft hatte, dass ATROCITY an „Atlantis“ anknüpfen würden, darf sich freuen. Verpackt ist das Ganze in ein durchschlagendes Soundgewand, das zwar modern ist, aber beispielsweise beim Schlagzeug nicht übertrieben steril klingt. Mysterien bleiben also in dieser Hinsicht aus, und so ist „Okkult“ ein in erfreulicher Weise bodenständiges und rundum gelungenes Album, das mit „Pandæmonium“, „Death By Metal“ und „Murder Blood Assassination“ eine Handvoll richtig starker Songs beinhaltet. Bleibt noch der Hinweis, dass „Okkult“ der Auftakt einer Albumtrilogie ist und weitere Alben folgen. Es bleibt also weiter wohlig spannend.

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23.04.2013

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2 Kommentare zu Atrocity - Okkult

  1. der Skischuh sagt:

    „…der knackige Statementsong „Death By Metal“ (erinnert vom Titel her natürlich nicht zu knapp an „Devil To The Metal“ von CRADLE OF FILTH)…“

    Wie meinen? Die Titel haben ausser dem Wort Metal nichts gemeinsam… Nur weil zwei Bands orchestral verstärkt zu Werke gehen, muss man da ja noch nicht gleich irgendwelche Parallelen erzwingen. Solch billige Blendbeigaben haben Sie doch nicht nötig, Herr Maronde.

  2. Pascal sagt:

    Starke Scheibe, die glücklicherweise wieder an „Atlantis“ anknüpft. Frage mich nur, wie man auf so ein Coverartwork kommt. Der Vergleich mit „Devil To The Metal“ erschließt sich mir allerdings auch nicht endgültig, zumal der Song „Death By Metal“ musikalisch eher keinerlei Parallelen zum CoF-Vergleichsobjekt hat. Naja, sei’s drum 🙂

    8/10