Blind Ego - Mirror

Review

Soloprojekte stehen im Prog-Rock ja schon fast an der Tagesordnung und gehören damit zum guten Ton. So verwundert es nicht weiter, dass auch Karlheinz „Kalle“ Wallner, der einigen als Gitarrist der deutschen Band RPWL bekannt sein dürfte, dieser Tage sein Soloalbum „Mirror“ veröffentlicht, auf welchem er die Möglichkeit nutzt, sich auch einmal sehr persönlich auszudrücken – ein musikalischer Blick in den Spiegel.

Auch bei BLIND EGO, wie das Projekt Wallners heißt, sind alte Bekannte dabei; am Keyboard steht als Gastmusiker Bandkollege Yogi Lang. Somit ist der Einfluss von RPWL nicht von der Hand zu weisen, was allerdings wenig stört, zumal diese teils weitaus mehr in das Psychedelische abdriften, was bei „Mirror“ so nicht passiert.Ob das jetzt positiv oder negativ ist, das mag jeder für sich selbst entscheiden – für meinen Part sehe ich es neutral und BLIND EGO lieber als eigenständiges Bandprojekt.
Nun ist es aber auch an der Zeit, sich vorbehaltlos der musikalischen Seite von Wallners Reflexion zu widmen – die macht nämlich tatsächlich so einiges her und sollte das ein oder andere Herz höher schlagen lassen. Die elf vertretenen Songs präsentieren sich sehr vielschichtig. Hier und da tritt eine verspielt moderne Komponente in den Vordergrund, die verbunden mit eingängiger Rhythmik und typischem Riffing schönen straighten Rock bietet, wie es z.B. bei „Break You“ der Fall ist. Die Ohrwurmwarnung sei jetzt schon einmal ausgesprochen. Gelungen und dabei sehr schön sind auch die Balladen, die die CD bietet; episch-melancholisch gibt man sich dort und fesselt doch wieder mit einem packenden Touch von Frische, der klar aus dem Neo-Prog stammt.
Wem das noch nicht reicht, für den hat BLIND EGO dann noch einige Instrumentals parat, die voller Charme mit knackigen Gitarrenmelodien und einem unheimlich coolen Sound glänzen. Hier und da driftet man dann auch in Sphären des härteren Rocks ab, die, eingewebt in das Gesamtbild, den gewissen Groove mit sich bringen.

Der Sound der Gitarre – filigrane Pickings, virtuose Melodieläufe und ein jaulender Vibrato – ist dabei ganz typisch und bringt das Flair von DAVID GILMOUR bei PINK FLOYD mit sich. Die Einflüsse dabei sind klar zu bemerken, allerdings ist auch evident, dass diese Qualität einfach nicht erreicht werden kann. Das aber ist ja auch nicht zu erwarten.
Sehr abwechslungsreich gestaltet sich auch der Gesang: Hinter dem Mikrofon geben sich gleich zwei Herren, John Mitchel und Paul Wrightson, die Ehre und singen dabei die Songs, zu denen ihre Stimme passt. Das sorgt nicht nur für Vielfalt, sondern auch dafür, dass die verschiedenen Vertonungen in sich geschlossener klingen, als sie es mit nur einem Sänger getan hätten.

Mit „Mirror“ ist BLIND EGO ein wirklich schönes Album gelungen, das von Vielfalt und Ideen strotzt. Mal spielt man virtuose Soli à la Gilmour, mal gibt man sich in ruhiger Melancholie. Fans von RPWL können bedenkenlos zugreifen, ebenso solche, die auf abwechslungsreichen, teils modernen, teils klassischen Prog stehen, der auf hohem Niveau ein weites Spektrum bedient.
Sollte Wallner sich mit BLIND EGO irgendwann noch an ein weiteres Werk machen, dann wünsche ich mir dafür mehr Markanz, denn, so schön und gelungen „Mirror“ auch ist, irgendetwas fehlt mir an dem Album, um wirklich begeistert zu sein. So verbleibe ich mit dem Eindruck, dass das Album zwar „nur gut“ aber dennoch wirklich anhörenswert ist.

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04.02.2007

Der metal.de Serviervorschlag

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