Book Of Black Earth - Horoskopus

Review

„Horoskopus“ nennt sich das neueste Werk der Truppe BOOK OF BLACK EARTH aus Seattle in den Staaten. Die Band gibt es seit 2003, das erste Demo erschien ein Jahr darauf, und es folgte neben einigen Wechseln innerhalb der Besetzung Ende 2005 auch ein erster Langspieler, „The Feast“. Mittlerweile ist man bei Prosthetic Records untergekommen, und nun steht auch schon der zweite Wurf des Fünfers in den Plattenläden. Die sehr düster gehaltene Vorderseite des zugehörigen Booklets ziert neben dem kunstvollen Schriftzug von BOOK OF BLACK EARTH eine Art Baphomet, und wenn man die Formation nicht kennt wäre man wohl geneigt, sie in die Black Metal-Schublade einzuordnen; auf der Rückseite findet sich eine Abbildung die vermutlich den Tierkreis symbolisiert. Mitten im Booklet, welches praktischerweise die Texte enthält, gibt es dann eine Darstellung, die ein wenig in die Richtung weist, in welche die Band mit ihren Lyrics auf diesem als Konzepalbum angelegten Release geht. Vor dem Hintergrund der Pyramiden und einem altägyptischen Uräus-Symbol findet man Jesus, die Sonnenscheibe des Symbols und das christliche Allsehende Auge verschmelzen. Ein spannendes Thema haben sich die Jungs aus Seattle da ausgesucht, es geht um christliche Symbolik und deren weit, beispielsweise ins alte Ägypten, zurückreichende Ursprünge.

Aber erst einmal zur Musik: BOOK OF BLACK EARTH zocken sehr düsteren, schweren, groovigen Death Metal, der mal schnell mit dem Kopf durch die Wand, mal sehr behäbig, fast schon doomig daherkommt, im Großen und Ganzen aber in mittleren Tempolagen angesiedelt ist, was ihm nur noch mehr Wucht verleiht. Gelegentliche Einsprengsel aus Black Metal- und Hardcore-Gefilden machen das Paket zusätzlich interessant. Der irgendwo tief im Keller stattfindende Growlgesang von Fronter T.J. Cowgill ist zwar nicht unbedingt der ungewöhnlichste, passt aber hervorragend zu den tief gestimmten Instrumenten und der abgründigen Grundstimmung. Ein Keyboard kommt auch zum Einsatz, allerdings äußerst dezent, oft nur im Hintergrund schwebend, so muß es (zumindest bei dieser Art von Musik) sein. Seltsamerweise schaffen es die Amis, auf „Horoskopus“ sowohl recht abwechslungsreich und vielschichtig, ohne dabei frickelig zu sein, zu klingen, bringen aber auch Passagen, die in ihrer Eintönigkeit ein wenig den Gesamthörgenuss schmälern. Die Produktion ist zwar insgesamt ein wenig roh, was den Tracks aber durchaus gut zu Gesicht steht.

„2160“ läutet die Reise in die Finsternis ein, das Instrumental-Intro verbreitet bereits die schwarze Atmosphäre des Albums und wartet mit interessanten Drumparts auf. Das folgende „The Death Of The Sun“ knüppelt dann ordentlich los, wobei die Drums hier, wie auch an manch anderer Stelle auf dem Album, zu isoliert klingen. Das etwas zerfahren wirkende, dennoch schön heftige „Horoskripture“ bringt das textliche Anliegen des Werkes dann erstmals auf den Punkt, wenn es darin heißt „…like Mithra before and the water bearer after, the signs of a „true Christian god“ are found in the horoskopus..“. Liest man Interviews mit den Jungs, dann merkt man, daß sie sich schon einige Gedanken zu diesem Thema gemacht haben; sie stellen die Überlegung auf, daß Religionen/Kirchen als Machtinstrument immer und immer wieder dieselben uralten Symbole für ihre Zwecke ge- und mißbrauchen, so auch das Christentum, welches ja im Zuge seines Ausfstiegs in Europa sehr viele heidnische Elemente, Bräuche, etc. einfach assimilierte. Das nächste Stück auf der Liste ist mit „The Cult Of Dagon“ ein sehr schleppend und doomig gehaltener Song, der eine bedrohliche Stimmung wie kurz vor der Raserei aufbaut; Dagon ist ürigens eine im 2./3. Jahrtausend vor Christus in Mesopotamien und Syrien verehrte Gottheit. „Funeral Of Peace“ nimmt dann tempomäßig wieder Fahrt auf und überzeugt wie auch „The God Of War“ durch vereinzelt eingestreute, manchmal fast versteckte Melodien. „From Heaven“ beginnt, wie es sich für ein Lied mit diesem Titel gehört, mit einer ätherischen Keyboardmelodie, die aber bald wieder in weniger himmlische Sphären abgleitet. Das Schlußlicht bildet das epische, mit fast zehn Minuten längste Stück auf „Horoskopus“, betitelt „Christ Pathogen“; dunkel und fast verzweifelt windet es sich dem dissonanten Ende entgegen.

Für mich macht das im Fazit 8 Punkte für ein sehr gutes Album, das allerdings an der ein oder anderen Stelle noch besser sein könnte. Fesselnde Songs und ein spannendes thematisches Gesamtkonzept lassen das Teil so schnell nicht langweilig werden. Ich schliesse mit den Worten von Joe Axler, dem Mann hinter der Schießbude bei BOOK OF BLACK EARTH, welche einem Interview mit der Band entnommen sind und wohl im Groben für das stehen, was die vier Musiker mit ihrer neuen Platte erreichen wollen, nämlich ihre Hörer zum Nachdenken anregen gemäß: „..if you’re going to worship a religion, at least know what the fuck you’re talking about.“ Recht hat er.

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01.12.2008

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