Caspian - Tertia

Review

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Es ist wirklich schwierig zu begründen, warum diese Platte gut ist. Eigentlich machen CASPIAN aus Beverly, Massachusetts hier nichts anderes als das, was sie vorher selbst und tausend andere Bands auch schon gemacht haben. Die Spannungsbögen zwischen Laut und Leise, die weiten Gitarrenflächen, die um sich selbst kreisenden Instrumentalstücke, Strophe-Chorus-Abfolgen weit hinter sich lassend, sollten den Hörer theoretisch nur noch dazu bringen, müde abzuwinken. Aber es gibt irgendwo in ihrer Musik diesen Moment, der alles noch einmal zum Funktionieren bringt, der sie davor rettet, beliebig und austauschbar zu sein.

Das galt in geringerem Maße schon für ihren Vorgänger „The Four Trees“, auf ihrem neuesten Album setzen sie aber ihrem eigenen Maßstab noch einen drauf. Was diese Band rettet, ist ein untrügliches Gespür für Melodien. Zugegeben, die Melodien werden verpackt, wie von jeder anderen Postrockband der GODSPEED- oder EXPLOSIONS-Schule auch, aber wo sich andere in ihren Sounds verlieren und darüber das Songwriting vergessen, machen CASPIAN Musik, die auch auf Akustikgitarren nicht langweilig würde. Welche Band aus dieser Sparte kann das schon von sich behaupten? Das sind nicht viele.

Das Klangbild, das sie hier mit gekonnt-kunstvollen Pinselstrichen auf die Leinwand malen, ist stets aufgeräumt und luftig, die Songs fließen beinahe nahtlos ineinander und verweigern sich der klassischen repetitiven Songstruktur. Der Sound ist sich seines Minimalismus-Potentials bewusst, türmt sich langsam, aber stetig auf, um dann wieder in sich zusammenzubrechen. Man muss sich durchaus die Zeit nehmen, sich auf die zehn Songs einzulassen, da es mitunter mal vier geschlagene Minuten dauert, bis überhaupt etwas passiert, bis man etwas anderes hört als schwummrig-verstohlene Geräuschpreziosen oder einen Hauch von einer Gitarrenspur. CASPIAN bewegen sich auf einem Niveau, das gerade mal von den Platzhirschen und Genregrößen erreicht wird – und auf einem solchen Niveau ist entgegen jeder Erwartung Weitwinkel-Panorama-Postrock nicht langweilig.

02.08.2009

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