Commandment - No Mercy

Review

Die Chicagoer Power-Metal-Truppe COMMANDMENT machte im Jahre 1988 mit ihrem Debütalbum „Engraved In Stone“ von sich reden. Für den Nachfolger nahmen die Jungs ein Jahr später die „No Mercy“-Demos auf. Bevor man das Material allerdings ordnungsgemäß eintüten konnte, ging die Plattenfirma des Quartetts pleite. Von der heranbrausenden Death-Metal-Welle überrollt suchten COMMANDMENT vergeblich nach einem neuen Zuhause und gingen schließlich mit Mann und Maus unter. Die „No Mercy“-Demos gerieten in Vergessenheit.

Bis schließlich das Jahr 2009 kam. Pure Steel Records veröffentlichten das Demo-Material in Form einer auf 525 Stück limitierten LP. Erst jetzt wird auch eine CD-Pressung nachgeschoben. Deren Erfolgschancen stehen indessen eher schlecht. Man merkt dem Material an, dass es bereits vor 20 Jahren geschrieben und in einer sehr rohen Form aufgenommen wurde. Eine gehörige Liebe zu nostalgisch anmutenden 80er-Jahre-Klängen ist also Grundvoraussetzung, um diese Scheibe zu mögen. Der dadurch deutlich eingeschränkte Liebhaberkreis dürfte aber ohnehin eher auf analoges Vinyl stehen und dem Silberling somit die kalte Schulter zeigen.

Einen echten Mehrwert bietet die CD-Version allerdings in Form von fünf weiteren inzwischen ebenfalls ausgegrabenen Stücken, die als versteckte Bonus-Tracks hinzugefügt wurden. Der werte Hörer sei an dieser Stelle gewarnt: Der dürftige Sound dieser Bonus-Stücke bewegt sich auf niedrigem Bootleg-Niveau und unterbietet damit den ohnehin nicht sonderlich überzeugenden Klang der restlichen Stücke um einiges. Für Sound-Fetischisten ist diese Platte also definitiv nichts. Aber dass hätte von einem 80er-Jahre-Demo hoffentlich auch niemand erwartet.

Wichtiger sind somit die Songideen. Und auch hier können COMMANDMENT meine Skepsis nicht beseitigen. Natürlich liegen die acht regulären Stücke in einer sehr rohen Form vor und hätten sich bei einer Überarbeitung im Rahmen der regulären Studio-Aufnahmen noch deutlich zum Positiven entwickeln können. Aber entschuldigt dies die zahlreichen uninspiriert wirkenden Standard-Riffs? Soll dies darüber hinwegtäuschen, dass mit „Road To Nowhere“ nur ein Stück vertreten ist, dass nachhaltig ins Ohr geht? Was bleibt von so geradlinig strukturierten Stücken noch übrig, wenn man nicht eine wirklich gute Hookline entdeckt? Und vor allem: Was soll dieses extrem miese, als eigenes Stück vertretene Gitarren-Solo, das selbst bei einem Live-Konzert bestenfalls Pfeifkonzerte und Becher-Weitwurf-Wettbewerbe verursachen könnte?

Zuletzt muss hier noch der mittlerweile verstorbene Sänger David Nava gewürdigt werden. Über Tote soll man nicht schlecht reden, aber warum wechselt seine an sich wohltönende Sangesstimme immer wieder mit nervtötendem und infantil wirkendem Gegilfe? Alleine dieses fragwürdige Stilmittel senkt den Wiederhörwert der Platte um mindestens 50%. Beinharte Nostalgiker oder Alles-Sammler mögen bei dieser Platte meinetwegen 4 bis 5 Punkte zur Wertung addieren, einer objektiven Betrachtung hält dies aber nicht stand.

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15.02.2010

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