Convulse - Deathstar

Review

CONVULSEs Album „Deathstar“ ist eine der Überraschungen des Jahres. Eine positive, wohlgemerkt. Vereinzelt liest man noch, CONVULSE spielten Old School Death Metal. Das mag für die Frühphase zutreffen, als die Finnen mit Alben wie „World Without God“ (1991) oder „Lost Equilibrium“ (1993) kompromissloses Todesblei verschossen. Doch bereits das Album „Reflections“ (1994) war experimenteller und flirtete mit jenem Death ’n‘ Roll, den ENTOMBED zeitgleich mit dem Album „Wolverine Blues“ popularisierte. Danach folgte eine lange Pause.

In der Hölle aller Puristen

Evil Prevails“ (2013) sendete mit sinister verröchelten Grooves neue Todeszeichen aus Nokia, bevor „Cycle of Revenge“ (2016) die Tore zur Hölle aller Death-Metal-Puristen aufstieß – dem frei flottierenden Experiment! Mit einem eklektischen, progressiven Stilhybrid gingen CONVULSE in ihre postmoderne Phase über. In einem solchen musikalischen Multiversum kreist auch der neu aufgegangene „Deathstar“. Growls und Grunts sind geblieben, ansonsten fräst sich die Band mit hörbarer Lust an den psychedelischen 70er Jahren durch allerlei Rock-Genres und Metal-Subgenres.

Wenn plagiieren, dann schamfrei

„Deathstar“ ist etwas poppiger als „Cycle of Revenge“, aber auch kompakter und mitreißender. Beeindruckend ist die Fülle an Hooklines, hymnischen Melodien und Spannungsbögen zwischen jazzigen Snare Rolls, feinstaubtrockenen Death-Vocals und schmeichelnden Harmonien. Klischees und Plagiate werden nicht verbrämt, sondern genüsslich zelebriert, von der nostalgischen Surf-Melodie in „Chernobyl“ über ein paar entwurzelte „Roots“ aus einem Feld namens Sepultura bis hin zum tausendfach gehörten Gitarrenriff von „We Sold Our Soul for Rock ’n‘ Roll“. Man spürt: Die Band hat sich freigespielt, sie komponiert für sich selbst, sie ist niemandem etwas schuldig. Das Album haben Rami Jämsä, Juha Telenius und Rolle Markos wenig überraschend selbst finanziert.

Death Metal? Life Metal!

Last, but not least haben CONVULSE mit „Whirlwind“ und „Make Humanica Great Again“ zwei echte Ohrbandwürmer im Programm – wer bei diesen euphorisierenden Refrains nicht ein paar Zentimeter über dem Boden schwebt und zumindest imaginär dem vermaledeiten Corona-Hikikomori entkommt, dem ist nicht mehr zu helfen. „Deathstar“ zeigt: Metal ist und bleibt hart, kann aber geschmolzen und in eine Fülle neuer Formen gegossen werden. Auf dem Todesstern geht es so lebendig zu, dass man CONVULSE in einem neuen Genre verorten müsste: Life Metal.

Text von Jörg Scheller

25.11.2020

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8 Kommentare zu Convulse - Deathstar

  1. Watutinki sagt:

    Was das? Heavy Metal irgendwas mit Growls? So etwas habe ich noch nie gehört. 9 Punkte? Ufff…

  2. nili68 sagt:

    Nicht weil es ungewöhnlich ist, obwohl das immer ein Pluspunkt ist, aber das gefällt mir echt gut. Mehr fällt mir dazu jetzt nicht ein.. 😀

  3. nili68 sagt:

    Ach ja.. spontane Wertung, obwohl 9 vermutlich auch okay sind.

    8/10
  4. BlindeGardine sagt:

    Der instrumentale Teil klingt top, aber die Vocals gehen irgendwie gar nicht. Und das liegt nicht daran, dass ich nicht offen für so ne Mischung wäre. Chapel of Disease haben ja auf ihrem letzten Album sehr schön gezeigt, dass teils breitbeiniger, teils progressiver Rock ’n‘ Roll und Death Metal durchaus zusammen funktionieren können. Aber hier klingen die Vocals einfach scheiße.

  5. doktor von pain sagt:

    Ja, irgendwie weiß ich spontan nicht, ob die Growls nicht zur Musik passen oder ob sie einfach mies sind. Zum letzten Satz der Rezension: Life Metal ist keineswegs ein neuer Begriff. Den haben die norwegischen Black-Metaller Anfang der 90er schon benutzt, um den Death Metal zu verspotten.

  6. Watutinki sagt:

    „Den haben die norwegischen Black-Metaller Anfang der 90er schon benutzt, um den Death Metal zu verspotten.“

    Ist mir gar nicht aufgefallen. Eine sicher nicht ganz unbedeutende Band wie Darkthrone haben ja sogar mit Death Metal begonnen.

  7. Yelpster sagt:

    Die Musik ist irgendwie cool gemacht und die instrumentalen Parts sind echt gut, aber dieser Shouter, was ist das denn bitte? Ich dachte schlimmer als Chris Barnes geht es nicht, aber das ist nur mies, wenn vermutlich auch so gewollt. Schade.

  8. nili68 sagt:

    Normalerweise bin ich ja (auch im Freundes & Bekanntenkreis) immer derjenige, der am Gesang was auszusetzen hat, aber hier habe ich kein Problem damit und finde das auch passend. Ich gehe an Growls und allem, was mit Death Metal zu tun hat aber auch anders ran und bin da eher Casual-Hörer.. lol