Coogans Bluff - Gettin' Dizzy

Review

Och ne, schon wieder eine Band, die auf altbacken macht und Rock spielt, der schon tausend Jahre tot ist. Verständlicherweise ist dies meist die erste Reaktion, wenn man mit einer Mischung aus Psychedelic Rock, Soul, Funk und Folk konfrontiert wird. So schnell ist der dritte Drops von COOGANS BLUFF, getauft auf den Namen „Gettin‘ Dizzy“, natürlich nicht gelutscht. Das letzte Werk „Poncho Express“ wurde von der Szene begeistert aufgenommen und man sagt den tourfreudigen Berlinern bzw. Leipzigern nach, schon im Retrozug gesessen zu haben, bevor sie wussten, dass er Richtung In-Town fahren würde.

Es ist nicht so, dass ich den Gesang von Clemens Marasus nicht passend finden würde – aber in den instrumentalen Momenten können mich COOGANS BLUFF deutlich mehr überzeugen. Dann kommt der pralle Bass, ebenfalls gezupft von Clemens Marasus, intensiver zur Geltung und die Musik kann deutlich mehr atmen und glänzen. „Ellen James Society“ ist deshalb eines meiner Highlights, die reingrätschende Orgel gibt dem Song den nötigen Hauch Wahnsinn, ohne zu sehr mit dem Psychedelic-Hammer zuzuschlagen. Aber auch das munter hingezupfte „Things I Could Do“ macht Spaß und die fröhliche Gelassenheit steckt an, das darauf folgende „Money & Mess“ kann wiederum mit Max Thum’s hervorragenden Saxophon glänzen, welches mit den schon nach Alternative Rock riechenden Riffs tadellos harmoniert.

Mantrische Wiederholungen zerhauen mir so einige Male mein Hörvergnügen, denn in diesen Szenen wirken COOGANS BLUFF zu aufgesetzt und gezwungen retrospektiv, glücklicherweise ist das selten der Fall. „Too Late“ muss hier leider als Beispiel herhalten – nach einem tollen Start verfängt sich das Arrangement in sich selbst und scheint nicht zu wissen, ob es jetzt nach torkelnder Nacht oder wilder Improvisation klingen möchte. Zum Ende hin fängt sich der Song und barsche Gitarrenriffs holen „Too Late“ auf den Boden, aber auf der Strecke dahin wird einiges an Qualität verschenkt und als nach fast acht Minuten der erlösende, großartige Frauenchor ertönt, ist meine persönliche Geduld auch schon an der Grenze angelangt Gleiches gilt leider auch für den Rausschmeißer „Chicago“, der mir deutlich zu ereignislos dahin schleicht und noch dazu nervig in die immer gleiche Kerbe drischt. Bleibt zu hoffen, dass während der Aufnahmen tatsächlich rauschähnliche Zustände herrschten, denn sonst hätte ja gar niemand was davon gehabt.

Alles was „nach alt“ klingt, gleich als zeitlos zu bezeichnen, ist sicherlich etwas zu einfach – auf „Gettin‘ Dizzy“ trifft es aber zweifellos zu. COOGANS BLUFF nimmt man sofort ab, dass die nervige um sich schlagende Retro-Strategie ganz sicher nicht ihr Schaffen beeinflusst. Fans dieser Musik werden das merken und die Band schon längst bzw. in einigen Jahren auch noch immer dafür abfeiern.

27.03.2014

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