Crematory - Inglorious Darkness

Review

Galerie mit 14 Bildern: Crematory - Metal Hammer Paradise 2022

Etwas mehr als zwei Jahre nach dem musikalischen Desaster „Unbroken“ stehen CREMATORY wieder mit einer neuen Platte vor der Tür. Und um die Band selbst zu paraphrasieren: Die Gothic-Metaller erheben sich wie Phönix aus der Asche. „Inglorious Darkness“ liefert fesselnde Riffs, lyrische Großtaten, charismatischen Gesang und – okay, okay, war nur ein Witz. Aber hey: So beschissen wie der total behämmerte Vorgänger ist die Platte nicht.

CREMATORY haben gute Ideen…

Der Titelsong wartet beispielsweise direkt zum Einstieg mit einer eingängigen Gitarrenmelodie auf, die tatsächlich hängenbleibt. Dazu kommen Modern-Metal-Riffs, die den Kopf mitwippen lassen, und die Produktion versprüht ordentlich Druck. Die Voraussetzungen sind also gut. Wäre da nur nicht der Gesang.

Anders als auf anderen Alben der jüngeren CREMATORY-Vergangenheit übernimmt Frontmann Felix Stass den Klargesang selbst. Während seine Growls ganz in Ordnung sind, kackt er in den klaren Passagen vollkommen ab. So saft- und kraftlos, wie seine Stimme in diesen Momenten aus den Boxen tönt, klingen viele Passagen auf „Inglorious Darkness“ mehr gewollt als gekonnt.

…aber scheitern an der Umsetzung

Melancholische Momente wie die Strophen der Vorab-Single „Break Down The Walls“ verlieren dadurch jegliche Wirkung. Ein zusätzlicher Sänger hätte hier wahre Wunder bewirken können – oder ein Verzicht auf Klargesang. Denn ein paar gute Ideen haben CREMATORY auf ihrem 16. Album durchaus im Gepäck. Nur die Umsetzung überzeugt nicht auf ganzer Linie.

Und so ganz lässt die Band nicht von großen Peinlichkeiten ab. Zum einen wären da die Eurodance-Keyboards, die beispielsweise „The Sound Of My Life“ viel von seinem Aggro-Potential nehmen. Zum anderen sind die Lyrics nach wie vor eine große Baustelle.

Die Texte sind kein Glanzpunkt von „Inglorious Darkness“

Gehen die Nonsens-Texte auf Englisch mit viel gutem Willen noch als kauzig-unterhaltsam durch, sind die lyrischen Ergüsse auf Deutsch kaum zu ertragen. „Die Zeit verbraucht – niemand der Dir hilft/ Die Leidenschaft entfacht – die Geister die Ich rief/ Den letzten Kampf verloren – den Plan zum Siegen gab es nie“, was zum Geier möchte uns der Dichter damit sagen? Das weiß er wohl selbst nicht.

Wenn CREMATORY hingegen auf jeglichen halbgaren Klargesang verzichten und bei nur halbverständlichen, englischen Texten bleiben, kommt gelegentlich ein brauchbarer Song rum. „Rest In Peace“ etwa regt mit seinen vorpeitschenden Drums zum Headbangen an. Der flotte Refrain stellt mit seinem hohen Energielevel ein Highlight auf „Inglorious Darkness“ dar. Mehr Songs von dieser Sorte und die Band spielt zukünftig vielleicht doch nochmal in der oberen Gothic-Metal-Liga mit. Bis dahin reicht es nur fürs Mittelmaß.

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19.05.2022

"Irgendeiner wartet immer."

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10 Kommentare zu Crematory - Inglorious Darkness

  1. doktor von pain sagt:

    Gutes und vor allem faires Review. Ich hätte mich damit ja schwer getan, weil ich Crematory per se beschissen finde. Hier ist der Autor aber mit der richtigen Portion Objektivität (obwohl Reviews immer subjektiv sind, ist klar) rangegangen.

  2. nili68 sagt:

    Haha Crematory.. die müssen halt der Vollständigkeit halber darüber berichten und Neulinge müssen gewarnt werden.
    Wirklich niemand, den ich kenne (RL und Internet) der „ernsthaft“ Metal hört, findet die nicht grottenschlecht. Da gibt’s zwar mehrere Kandidaten, aber die haben halt eine gewisse Reichweite, im Gegensatz zu Heerschaaren an unterirdischen True Black Metal-Bands, die eh niemanden interessieren..

  3. mr.cb sagt:

    Aber eines muss man der Band lassen: ihre Beharrlichkeit und Durchhalte, während immer andere als sie selbst Schuld sind, wenn eine Scheibe mal wieder nicht gut ankommt.
    Ich höre mal vorsichtshalber gar nicht erst rein, mir war die Band mit ihrem zweiten Album damals bereits zu langweilig. Und ich will nicht dass mir die Ohren weg schmelzen.
    Keine Wertung.

  4. MetalGerhardt sagt:

    Warum eigentlich immer diese Antipathie für Crematory?
    „Wirklich niemand, den ich kenne (RL und Internet) der „ernsthaft“ Metal hört, findet die nicht grottenschlecht.“
    Gut, du kennst mich zwar nicht, aber ich höre „ernsthaft“ Metal von Progressive über Alternative zu Black, zu Death, zu Thrash und auch Grindcore darf es mal sein, aber ich mochte Crematory früher echt gerne. Gerade zu Zeiten, als Matthias Hechler Mitglied der Band war, haben die echt tolle Songs abgeliefert. „Endless“, „The Fallen“, „Perils of the Wind“, „Moonlight“, „I Never Die“, „Wake Up“, „Reign of Fear“, „Open Your Eyes“, „Farewell Letter“, „Hoffnungen“, „When Darkness Falls“, „Left The Ground“, „Pray“, „Infinity“, „Broken Halo“.
    Ob man das nun als Gothic Metal bezeichnen kann, ist sicherlich fraglich und textlich ist das sicher teilweise Banane, ist bei Pop-Musik aber auch oft nicht anders und Crematory waren teilweise schon arg poppig unterwegs.
    Mit den ganzen Sänger-Wechseln wurde es leider etwas schlechter, wobei „Haus mit Garten“ für mich noch erwähnenswert ist. Ich finde jedenfalls, dass die Band ihren schlechten Ruf überhaupt nicht verdient hat. Wenn es etwas mainstreamiger im Metal sein darf, waren die schon früh weit vorne.

  5. nili68 sagt:

    Früher mochte ich die auch, als ich gerade angefangen habe sowas zu hören. Da fand ich alles geil, wo Growls drinnen waren. Zu der Zeit habe ich aber auch noch u.A. Bon Jovi gehört. Da war mein Maßstab: Verzerrte Gitarre, lange Haare = geile Band. Für mich hake ich das unter Einsteiger-Sünde ab.
    Naja, es ist ja aber nicht gesetzlich verboten die zu hören und zu mögen und ein schlechter Mensch ist man deswegen auch nicht. Ich finde ja auch ernsthaft Babymetal gut..musikalisch. 😉

  6. doktor von pain sagt:

    Es gibt ja einige Bands, die einen schlechten Ruf haben und zum Teil sogar als Lachnummer gelten. Crematory, Mystic Circle, Debauchery, Nickelback, Creed und so weiter und so fort. Ein schlechter Ruf kommt nicht von ungefähr, irgendwas müssen die Bands schon dafür getan haben. Aber das heißt nicht, dass man sie nicht gut finden darf. Und die haben alle nicht wenige Fans (vor allem Nickelback), von daher…

  7. Sportsfreund sagt:

    Das mit Pickelback ist noch trauriger. Die fragen immerhin ihre Fans, wie die Musik klingen soll. So viel Fannähe haben die. 😂 Aber privat hören die so einen Kram gar nicht, sondern sind durchaus in härteren Gefilden unterwegs. Haben die zumindest mal in einem Interview von sich gegeben. Aber von Pickelback habe ich noch keine Heckscheibenaufkleber gesehen, von Crematory dagegen schon. Wobei ich da immer Mitleid empfinde.

  8. Wordreth sagt:

    Zitat: „Warum eigentlich immer diese Antipathie für Crematory?“

    Gegen Crematory hatte ich eigentlich bis vor einigen Jahren gar keine Antipathie! Aber ich bin dann über deren Facebook Seite gestolpert und habe dort einen Post des Drummers gelesen, der sich darüber beschwert hat, dass die Leute lieber ihre Alben streamen als sie zu kaufen und das die Leute endlich ihren Arsch hochkriegen sollen und ihre Alben kaufen usw usw usw.

    Ich verstehe das streamen für Künstler nicht das beste ist, aber Crematory haben meiner Meinung nach nicht ein Album was sich zu kaufen lohnt, von daher verstehe ich das Sie kaum Alben verkaufen, aber deswegen diejenigen anmotzen die noch zu Ihnen halten, finde ich armseelig und traurig. Mir reicht das schon, das mir die Band mittlerweile nicht mehr sympatisch ist.

  9. Laniakea sagt:

    Crematory hatten spätestens nach „Klagebilder“ fertig. Die konnte man sich noch einigermaßen geben, allerdings wären auch keine Verluste entstanden, wenn sie die Re-Union einfach nicht vollzogen hätten. Ich will denen nix absprechen, aber da fehlt schon seit längerem jegliche Leidenschaft und jedes Album mit all den Anbiederungen sowie dieser erbärmliche Facebook-Post des Drummers ein erneuter Beweis dafür. Gerne würde ich ihnen unterstellen, dass sie das nur noch machen, um ein bisschen Knete zu scheffeln, aber dafür sind sie dann auch einfach nicht erfolgreich genug. Mittlerweile sind Crematory musikalisches RTL2-Trash-TV.

  10. kuolema sagt:

    Ich mochte die früher echt gerne und Demo bis zur „Just Dreaming“ mag ich auch heutzutage noch gern. „Shadows of mine“ ist zum Beispiel einfach ne starke Nummer und damals kam das Growling auch noch stark!
    Mich haben sie damals verloren als Klargesang kam… Da mochte ich dann immer nur noch einzelne Songs.
    Dann das Online Verhalten der Band, was auch immer irgendwie n bisschen drüber ist…
    Alles in allem: Schade!
    Wenn sie nochmal zu ihren Wurzeln zurückkehren und ihre Stärken nutzen, dann wäre ich auch sofort wieder begeistert.

    3/10