Crystal Throne - Chantry Of Sacrifice

Review

Wer auf das Cover Artwork von „Chantry Of Sacrifice“ blickt, dürfte musikalisch etwas aus der Richtung moderner Power Metal oder Metalcore erwarten. Ob CRYSTAL THORNE bewusst irritieren wollen, ist nicht aufzuklären. Musikalisch dürfte QUEENSRŸCHE und das Konzeptalbum „Operation: Mindcrime“ aus den 80ern einige Runden auf dem Plattenteller gedreht haben. Aber auch andere Größen des progressiven US-Power-Metal wie CRIMSON GLORY oder SYMPHONY X haben ihre Spuren hinterlassen. In Eigenregie liefert die französische Band nun ihren zweiten Longplayer aus.

„Chantry Of Sacrifice“ wandelt auf den Spuren von QUEENSRŸCHE

Erst 2019 haben sich CRYSTAL THORNE gegründet und während der Pandemie im November 2021 ihr Debüt veröffentlicht. Fünf Jahre haben sich die Protagonisten Zeit für den Zweitling genommen. Das Ergebnis ist ein cineastisches Werk, das in der fernen Zukunft von 5150 spielt und der Figur Hÿldr folgt. Hÿldr erwacht in einer unvorstellbaren Realität. Die Erde ist auf mysteriöse Weise verschwunden und Hÿldr ist der letzte Mensch im Universum. Hÿldr begibt sich auf Zeitreise, um die Ursache des Verschwindens zu entdecken und den Lauf der Geschichte zu ändern.

Fantasiegeschichten und Power Metal füllen Bücher, genauso wie der Ansatz von Konzeptplatten nicht neu ist. Trotzdem hat sich die junge Band diesem anspruchsvollen Ansatz verschrieben, der zumindest bezüglich der Zukunftsfantasie ähnlich der des Bestsellers von QUEENSRŸCHE ist.

Neun Stücke gibt es auf die Ohren, wo der Auftakt „A Hero’s Call“ mit den spoken Words stark an den Anfang von „Operation: Mindcrime“ erinnert. Allerdings folgt nicht „Revolution Calling“, sondern „Children Of The Ruin“, der eher Parallelen zu den neuen Sachen mit Todd La Torre aufweist. Mit mehr als acht Minuten Laufzeit legt das Quintett komplex und anspruchsvoll los. Dabei bleiben CRYSTAL THORNE konsequent im Windschatten von QUEENSRŸCHE, CRIMSON GLORY oder ähnlichen Vertretern, sodass sich Teile der Nummer fast wie ein Cover anfühlen.

Das Freischwimmen gelingt nur mühsam

Auch das nachfolgende „Tides Of Ages“ schwimmt vom Grundton tief im QUEENSRŸCHE-Fahrwasser. Es sind Nuancen, wie die Saitenarbeit oder der Backgroundgesang, die mehr und mehr die Handschrift von CRYSTAL THORNE erkennen lassen. Der Freischwimmer folgt mit „Electrical Savior“, wo der Einfluss des progressiven US-Metal nicht wegzudiskutieren ist, dass Quintett aber mehr auf Melodie und Eingängigkeit setzt, als dass progressive Elemente den Rhythmus bestimmen.

Angereichert mit Gimmicks wie Gelächter oder Stimmenwirrwarr ziehen CRYSTAL THORNE ihren Stiefel zwischen Progressivität und Melodie durch. Dabei wirken einige Passagen unspektakulär, sodass sich ein Gefühl der unnötigen Länge bei „Antagonists“ oder „Insurgent Outcry“ aufdrängt. Das Potential der Truppe schimmert nahezu bei jedem Riff durch. Es fehlt noch etwas Finetuning, sodass aus einem guten Stück ein herausragendes Stück Musik wird. Zum Finale „Sleeping In The Void“ werden CRYSTAL THORNE etwas mutiger und setzen unter anderem auf symphonische Klänge, sodass sich die Frage stellt, warum die Protagonisten vorher gefühlt eine halbe Ewigkeit im gleichen Fahrwasser schwimmen.

CRYSTAL THORNE zeigen Potential

Die französische Band CRYSTAL THORNE zeigt auf ihrem Zweitling „Chantry Of Sacrifice“ Potential für mehr. Das bereits mehrfach erwähnte „Operation: Mindcrime“ kommt in der ursprünglichen Version auf eine Laufzeit von knapp 60 Minuten und 15 Tracks, wobei nur „Suite Sister Mary“ die Marke von 10 Minuten reißt, diverse Stücke aber auch in zwei Minuten abgehandelt sind oder als Interlude fungieren. „Chantry Of Sacrifice“ liefert neun Beiträge, wobei der kürzeste Track bei etwas mehr als fünf Minuten liegt, der Langläufer bei etwas mehr als acht Minuten. Den Mut, den Geoff Tate und Co. bei ihrer Platte hatten, den haben CRYSTAL THORNE noch nicht.

Vor allem im weiteren Verlauf der guten Stunde Musik nimmt die Gleichförmigkeit der Songs zu und damit reduziert sich die Aufmerksamkeit der Hörerschaft. Erst zum Finale brechen die Protagonisten den Sound auf. Schlecht ist die zweite Platte des Quintetts bestimmt nicht. Mit mehr Mut beim Songwriting und den Glauben an die eigenen Ideen wäre noch mehr möglich gewesen.

25.09.2026

Ein Leben ohne Musik ist möglich, jedoch sinnlos

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