Deathbarrel - Rebuke Revoke EP

Review

Man möchte ja angesichts des Sounds von DEATHBARREL nicht meinen, dass die drei Herren aus dem norwegischen Stavanger kommen. Andererseits entstammt Nergal ja auch nicht den Staaten und legte unter dem ME AND THAT MAN-Banner zuletzt dennoch eine überzeugende Western-Rock-Intonation mit „New Man, New Songs, Same Shit Vol. 1“ hin. Der von DEATHBARREL passend als Outlaw Country bezeichnete Mix aus Southern Rock, Stoner und – Überraschung! – Country klingt mindestens ebenso täuschend echt, als wäre er irgendwo in den US-Südstaaten intoniert worden. Acht Jahre nach ihrem Debüt kehrt die Band, die laut Presseinfo erfolglos bemüht war, in der Zwischenzeit nicht im Knast zu landen, mit einer neuen EP zurück, die auf den Namen „Rebuke Revoke“ hört.

Die US-Südstaaten wurden von DEATHBARREL mal kurz nach Norwegen verlagert

Diese EP hat gleich zwei Facetten: Die eine zeigt sich in „South Of The Border“ und „Heard It All Before“ und ist relativ solide im Country beheimatet. Sie bedient sich einer ähnlichen Trucker-Ästhetik, mit der auch ein Bob Wayne unterwegs ist. In erstgenanntem „South Of The Border“ kommt das noch relativ konventionell herüber, sodass der Track schön harmonisch durch die Landschaft tuckert, während sich Geige und Akustische anschmiegen. Der Gesang von Mr. Strangeland raunt angenehm maskulin durch den Äther und bringt einen authentischen Südstaaten-Twang mit, der auch nicht zu dick aufträgt. „Heard It All Before“ erweitert die Country-Facette zum eleganten Southern-Rock-Hüftschwinger mit einer schicken, konsistenten Walking-Bass-Linie.

Das ist angenehm und gefällig zu hören, doch deutlich interessanter gestaltet sich die andere Facette der EP. Die offenbart sich wenig überraschend in den anderen beiden Songs, „Walk Of Shame“ und „Simple Boy“, und zeigt einen kompositorisch erstaunlich ausgereiften Southern-Rock-Ansatz mit leichter Stoner-Würze, den DEATHBARREL herrlich trocken darbieten. Country-Elemente finden wenig überraschend auch hier ihren Weg ins Klangbild, doch ergänzen sie dieses lediglich, anstatt es zu dominieren wie in den anderen beiden Tracks. Dazu gesellen sich in beiden Songs breitbandige, geradezu ominöse Bläser und wiederum Mr. Strangelands zielsicherer Gesang, der hier jeweils eine überzeugende Khvost-Intonation aufs Parkett legt.

„Rebuke Revoke“ bietet erfrischende Ansätze für ein angestaubtes Genre

„Walk Of Shame“ beginnt mit windspielartigen Zupfereien auf dem Banjo, während sich der Song drum herum langsam aus seinen Einzelteilen zusammensetzt und der Rhythmus sich schleppend in Bewegung setzt. Die behäbigen Bläser verpassen der Hook eine bedeutungsschwangere Schwere. Unterdessen gestaltet sich „Simple Boy“ noch am nächsten an GRAVE PLEASURES-Gewässern gebaut. Der Song kommt peppig dahergepfeffert, die Gesangslinien sind mit ordentlich Soul gewürzt und leichte Dissonanzen in den Gitarren suggerieren typisch skandinavischen Weltschmerz, während die Hook dank einschlägiger Country-Würze einen wunderbaren Kontrast dazu setzt. Und nach jedem Refrain gehen DEATHBARREL voll in die Eisen, nur um nach kurzer Pause wieder volle Fahrt aufzunehmen.

„Rebuke Revoke“ fühlt sich trotz des knappen EP-Formates ziemlich umfangreich an, was sicher daran liegt, dass DEATHBARREL jeden der vier Songs mit seiner eigenen Stimmung versehen hat – und das oft durch täuschend simple Kniffe. Vor allem der Opener „Walk Of Shame“ zeigt, welch großes, dramatisches Kino man aus dem sonst weniger für diffizile Theatralik bekannten Stoner-/Southern-Sound herausholen kann. Die Country-Elemente, die mal mehr, mal weniger prominent auftreten, passen dazu wie Arsch auf Eimer, während der Einsatz von ominösen Bläsern eine erfrischende Alternative darstellen zu den mittlerweile tot gehörten Downtuning-Soundwänden, die auch längst nicht mehr so ziehen.

Von daher lassen DEATHBARREL einen frischen Wüstenwind (aus dem Norden) durch die Landschaft wehen. Sollte man vor allem als passionierter Wüstenrocker gehört haben.

14.05.2020

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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