Den Saakaldte - Kapittel II: Faen I Helvete

Review

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Niklas Kvarforth pöbelt bei DEN SAAKALDTE nicht mehr ins Mikro und schon hört sich das neue Material komplett anders an. Haben sich die Norweger neu erfunden? Nun, sie integrieren Altbewährtes, aber „Kapittel II: Faen I Helvete“ klingt nicht so, als würde eine Pulle Whisky vonnöten sein, um die Lasten des Lebens auszukotzen. Vielmehr präsentieren sich die Nordmänner mit angespitzteren Zähnen und beißen auf dem zweiten Album nicht selten im Stil von 1349 und GORGOROTH zu. Bissiges Riffing, das sich schon im Opener anderthalb Minuten lang von einer feinen Black-Metal-Melodie zurückhalten lässt, um die Fesseln schließlich mit Wucht zu sprengen und vorzupreschen. Ein Midtempo-Part trägt die Nummer eine Weile, bevor das anfängliche Riffing wieder einsetzt und von schnellen Drums und etwas Klargesang zu Ende geführt wird. Der Auftakt hätte kaum fulminanter ausfallen können.

Vor allem die herben Riffs, die zwischen Thrash und Death Metal pendeln, charakterisieren die weiterentwickelte Musik von DEN SAAKALDTE. „Kapittel II: Faen I Helvete“ hat grundsätzlich nichts mit Depressive Black Metal zu tun, wie er von SHINING gespielt wird. Das neue Gesicht hat keine gebeutelten Züge, sondern ergeht sich weitaus mehr, und das spiegelt sich ja ein wenig im Cover-Artwork wider, in Wut und Aggression, aber auch in der Lust auf Metal ganz allgemein. Sicher, die Melancholie wurde nicht vollends begraben, und auch wenn ein Song wie „Du Selvproklamerte Misjonær“ mit einem atmosphärischen Zwischenpart aufwartet, steht der harsche Beginn derselben Nummer sehr viel deutlicher Pate fürs neue Werk. Was für ein Riff! Ach, was für Riffs insgesamt! Und genau damit überraschen DEN SAAKALDTE dann auch. Sie halten sich nicht mehr so lange mit Ambiente-Spielereien auf, um eine obskure Stimmung zu erzeugen, sondern liefern in der Gänze ein verdammtes Brett ab.

Die Einarbeitung von cleanem, nordisch geprägtem Gesang oder gesprochenen Passagen funktioniert gut; man höre und staune nur mal in „Endeløst Øde“ rein. Die Vocals verbinden sich einwandfrei mit frostig-klirrenden oder doomigen Gitarren und lassen mitunter eine gewisse ULVER-Stimmung aufkommen. Tja, und dann, wie sollte es anders sein, entfesseln DEN SAAKALDTE wieder ein rabiates Riff abseits der melodischen Schwarztrunkbrauerei. Wir sind noch immer in „Endeløst Øde“, als etwas Tastenklimperei und zurückhaltendes Schlagzeugspiel ertönt, um dann doch exakt die Melancholie zu entfachen, die sie wieder ein Stück näher an die Hauptband des ehemaligen Fronters bringt. Angereichert wird der Gesamtsound durch doomige Phasen oder reduzierte Abschnitte, in denen DEN SAAKALDTE ihre experimentelle Seite ausleben (der reine Gitarrenteil in „Ondskapens Nødvendighet“ zum Beispiel). „Kapittel II: Faen I Helvete“ hat reichlich Facetten, setzt die Prioritäten aber genau richtig.

Nach fünf Jahren Release-Abstinenz, sieht man von einer Split-Veröffentlichung mal ab, kehren DEN SAAKALDTE tatsächlich stärker denn je zurück. Nahezu in Perfektion wird traditioneller norwegischer Black Metal mit gewetzten, hundsgemeinen, schweren Riffs aus anderen Subgenres verknüpft. Dass sich die experimentellen und atmosphärischen Auswüchse nur in Nuancen verbreiten, ist angenehm. So wechselt man gelungen zwischen stimmungsvoller Geradlinigkeit und forderndem Facettenreichtum. Abnutzungserscheinungen werden hier durch Entdeckungslust ersetzt. Einar „Eldur“ Thorberg tut als fantastischer neuer Frontmann (seit 2013) sein Übriges, um „Kapittel II: Faen I Helvete“ auch stimmlich variantenreich ins Schwarze zu zerren. Bei all der Überschwänglichkeit, dem Lob und der Tatsache, dass sich DEN SAAKALDTE auf dem zweiten Studioalbum keinen Fehler, keinen Schwachpunkt erlauben, bleibt die Frage, warum es nicht für die volle Punktzahl gereicht hat. Ich denke, ich will, dass sie sich steigern. Das Meisterwerk kommt erst noch.

20.05.2014

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