Encoffination - Ritual Ascension Beyond Flesh

Review

Trommelschläge und der leise Gesang eines archaischen Rituals von irgendwoher. Man glaubt, sich gerade orientierungslos in einer dunklen, nur von den Resten fernen Fackelscheins spärlich erleuchteten Höhle wiederzufinden. Das Verlangen, ans Tageslicht zu gelangen, macht sich breit – wenngleich auch durchsetzt von einem Anflug von Neugier, den mysteriösen fremden Ort zu erkunden und zu ergründen, woher das Licht und die Stimmen stammen.
Dann aber erbebt plötzlich die Erde und die noch ein Stück weit entfernten grässlichen Laute eines Ungeheuers hallen durch die weit verzweigten Arme des Höhlensystems, erreichen das Ohr als ein grollendes Rauschen. Von Angst gepackt sucht man sich hastig seinen Weg, die Hände an den modrigen Wänden tastend. Die stampfenden Schritte der bocksfüßigen Bestie werden manchmal bedrohlich schnell, hetzend, dann wiederum verlangsamen sie sich, so als ob die Kreatur erneut die Witterung aufnehmen muss oder eine Teufelei ausheckt. Die finsteren Gänge sind alle gleich, nichts da, was der Orientierung dienen könnte; die Höhle scheint endlos. Panisch irrt und stolpert man umher, als die bestialischen Grunzlaute immer schneller näher kommen. Bald wird sie einen mit ihren Klauen packen und zerreißen …

Das US-Duo ENCOFFINATION wirft mit „Ritual Ascension Beyond Flesh“ ein schwarzes Death/Doom-Leichentuch über den Hörer, wobei die (wohl gewollt) sehr dumpfe Produktion, schlammige Akkorde, oftmals kaum hörbare Growls und gelegentliche Geschwindigkeitsattacken inklusive treibender Doublebass die oben geschilderte Szenerie nahe legen – ein Hybrid aus THERGOTHON und düsterem US-Death-Metal der Marke INCANTATION (selbst das Logo weist starke Ähnlichkeiten auf), der recht nah an EVOKEN zu deren „Shades Of Night Descending“-Demo-Zeiten ist.
Sollte es beabsichtigt sein, dass die bei den ersten, allesamt kurzen Stücken sehr distanzierten und eigentlich nur als Teil der mächtigen Klangwand wahrnehmbaren Grunzlaute mit den schnellen und aggressiven Brocken „Beyond the Grace of Flesh Go I“ und „Entombment Of The Breathing Flesh“ zum Ende des Albums hin lauter und vordergründiger werden, bevor das abschließende „Coffinpsalms“ mit akustischer Gitarre vom Ende kündet, dann ist das schon stark gemacht. Einzig die häufig zu vernehmenden Samples aus irgendwelchen Horrorschinken scheinen der bedrückend-bedrohlichen Atmosphäre nicht zuträglich, normale menschliche Stimmen wirken auf dieser Höllenfahrt irgendwie deplatziert.

Zwischen trostlosem Doom und dämonischem Death Metal bewegen sich ENCOFFINATION mit Texten über außerkörperliche Erfahrungen, den Tod und (k)einem Leben danach auf einem Acker, der schon seit knapp 20 Jahren bestellt wird. Aber sie machen ihre Sache mit Hingabe, mit dem spürbaren Willen, wahrlich desolate Musik heraufzubeschwören. Diese konsequente Haltung bringt zwar eine unzugängliche, völlig antikommerzielle Schroffheit mit sich, aber eine Sinn gebende Struktur hinter „Ritual Ascension Beyond Flesh“ lässt sich nicht leugnen.

29.10.2010

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1 Kommentar zu Encoffination - Ritual Ascension Beyond Flesh

  1. Greer sagt:

    In knapp 37 Minuten ersäufen Encoffination ihre zeremoniellen Opfer in tiefster Schwärze. Das Album ist einfach kein Musikalbum, sondern mehr eine unheilige Zeremonie vertonter Düsternis. Die Horrorfilmeinlagen sind wirklich deplaziert, erinnern mehr an Mortician und hätten ihre Wirkung am besten entfaltet, wenn man sie weggelassen hätte, aber der ganze Rest ist Atmosphäre pur. Eine Höllenfahrt in die tiefsten Abgründe, dagegen muss der Marianengraben wie eine hell erleuchtete Disko wirken.